“Die Welt zu Gast bei Freunden” – die ganze Welt? Nein. Zumindest ein weder kleines noch armes Land aus dem Mittleren Osten dürfte mittlerweile keinen Zweifel mehr daran haben, daß es weder bei der Fußballweltmeisterschaft noch andernfalls freundlich empfangen werden wird.
![]() |
Wie beispielsweise die Rheinische Post am Samstag meldete, hat sich der Ministerpräsident des deutschen Bundeslandes Bayern Edmund Stoiber deutlich gegen einen bereits angekündigten Besuch des iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadi-Nejad ausgesprochen. Äußerungen Stoibers ließen dabei kaum einen Zweifel daran, daß er – wäre er nicht auch an Bundespolitik gebunden – ein Einreiseverbot für den iranischen Präsidenten aussprechen würde. So sagte er, daß der Besuch Ahmadi-Nejads “bei uns auf viele Proteste stoßen” werde. Der bayrische Innenminister Günther Beckstein sprach dies denn auch bei einer Vorstandssitzung der CSU offen aus, als er sagte: “Das einfachste wäre natürlich, ihn nicht einreisen zu lassen.” Auch er sah aber – offensichtlich nicht ohne Wehmut – ein, daß diese Frage letztlich der Bundesregierung überlassen werden müsse.
Aber auch der deutsche Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble bezeichnete einen vom Vorsitzenden des iranischen Fußballverbandes Ali Dadkan bereits quasi angekündigten Besuch als “nicht ganz einfach”. Die Frankfurter Allgemeine verwies dabei außerdem auf ungenannte “Regierungs- und Sicherheitskreise”, die einen solchen Besuch als eines der “schwierigsten und heiklen Randgebiete der Fußballweltmeisterschaft” bezeichneten. Insbesondere könnten sich „sicherheitspolitische Herausforderungen“ ergeben, wenn iranische Oppositionelle in Deutschland die “Gelegenheit ergriffen” und gegen Ahmadi-Nejad demonstrierten. Proteste gegen den Präsidenten des menschen- und völkerrechtsverbrecherischen Landes USA werden anscheinend nicht erwartet. Zwar macht man sich Sorgen, “mit welchem staatlichen Protokoll der Besucher aus Iran empfangen” werden soll, denkt aber keineswegs darüber nach, wie die Überstellung von Besuchern aus Washington an den Internationalen Gerichtshof in Den Haag – der bezeichnenderweise von den USA nicht “anerkannt” wird – vorgenommen werden könnte.
Bemerkenswert ist sicherlich aber auch, daß allen genannten Artikeln gemein ist, daß sie die Behauptungen, Ahmadi-Nejad würde den Holocaust leugnen und die Zerstörung Israel fordern, wiederholen. Präziseren Übersetzungen seiner Reden zufolge entspricht weder das eine noch das andere der Wahrheit.
Im Zusammenhang* liest sich seine Anmerkung zum Holocaust deutlich anders: “Sie haben eine Legende namens Massaker an den Juden geschaffen und sie achten sie höher als Gott selbst, Religion selbst und die Propheten selbst. Wenn jemand in ihrem Land Gott infrage stellt sagt niemand etwas, aber wenn jemand den Mythos des Massakers an den Juden leugnet, beginnen die zionistischen Lautsprecher und die vom Zionismus bezahlten Regierungen an zu schreien.” In der gleichen Rede warf Ahmadi-Nejad die Frage auf, warum nicht die für den Holocaust Verantwortlichen – also Deutschland – den Juden einen Teil ihres Landes abtreten, so daß von einer Leugnung kaum die Rede sein kann.
Die vorgeblich geforderte “Zerstörung Israels” ist kaum zutreffender, ganz abgesehen von der Tatsache, daß entsprechende Äußerungen seit Jahrzehnten im Mittleren Osten an der Tagesordnung sind, aber bisher kaum zu diplomatischen Verwicklungen geführt haben. Zwar hat sich auch der iranische Präsident für die “Zerstörung Israels” ausgesprochen, meinte aber hiermit weder die physikalische Auslöschung des Landes und seiner Bewohner, noch die Ausübung dieser Tat durch den Iran. Tatsächlich wiederholte er damit nur eine im Mittleren Osten häufig aufgestellte Forderung, die zwar das Existenzrecht des Staates Israel – angesichts der Unterdrückung der palästinensischen Bevölkerung – in seiner jetzigen Form bestreitet, aber keineswegs eine gewaltsame Zerstörung des Landes voraussetzt. Letztlich würde ein friedlicher politischer Umsturz, wie er gerade auch von den USA und der Europäischen Union so gern als “Demokratisierung” gefeiert wird, ebenso diese Forderung erfüllen.
Daß diese offensichtlich – wie auch absichtlich – falsch interpretierten Aussagen Ahmadi-Nejads nun ein weiteres Mal genutzt werden, um den Iran als Gefahr für die Welt und insbesondere Israel zu stigmatisieren, kann nur als Kriegstreiberei bezeichnet werden.
Quelle: Freace 08.04.06
Siehe auch
*Aljazeera.net – News Global 14.12.05
Quelle: Störtebeker-Netz 11.04.06





8 responses so far ↓
1 Verschwörer // Apr 11, 2006 at 20:25
Zitat: “Proteste gegen den Präsidenten des menschen- und völkerrechtsverbrecherischen Landes USA werden anscheinend nicht erwartet.”
Ein Bush-Besuch ist der Albtraum jedes Sicherheitspolitikers und wohl auch der FIFA. Da die Amis sich aber kaum für Fußball interssieren und ihre Mannschaft auch nicht ins Finale kommen wird, schließt man einen Bush-Besuch wohl aus.
Ansonsten Zustimmung zum Artikel.
2 koenig // Apr 11, 2006 at 22:13
“daß der Besuch Ahmadi-Nejads ‘bei uns auf viele Proteste stoßen’ werde.”
Aus welcher Ecke die “vielen” Proteste kommen werden, kann man wohl schon mit tauben Ohren und verbunden Augen vorhersagen.
3 pseudo-nym // Apr 12, 2006 at 16:19
Das Gefasel von ´Stotter-Ede´nimmt sowieso keiner für voll… .
4 Alexander // Apr 12, 2006 at 21:10
Ab und zu ist ein Blick in die Nachrichtensender Amerikas recht aufschlußreich. Sah mir heute den Bericht “Insight” auf CNN an, Thema “Iran und die Urananreicherung”. Botschaft des Nachrichtensprechers bzw. der Interviewpartner:
1. Formal gesehen hat Iran bisher internationales Recht nicht gebrochen.
2. Die Umschaltung der Urananreicherung von zivilen Zwecken auf militärische Zwecke ist technisch gesehen nicht schwierig. Die Zentrifugen müssen, verkürzt gesagt, nur in Reihe geschaltet werden.
3. Das entscheidende Problem bei der Herstellung von Uran ist wohl die Stabilität der Zentrifugen. Die derzeitig vom Iran genutzten Komponenten dagegen, wohl im wesentlichen aus Pakistan importiert, sind aber technologisch gesehen auf bescheidenem Niveau (P1-Modell)
4. Die Kritik an dem Iran wird vor allem dadurch begründet, daß man dem Iran nicht mehr traue und dadurch dessen Aussagen, er würde keine Atombomben herstellen wollen, nicht glaubwürdig seien (AvL: letzteres dürfte wohl stimmen. Ist eben ein Machtpoker. Wer die Atomwaffe hat, sitzt eben am Tisch der Großen)
5. Israel drängt verstärkt auf die militärische Karte, nach dem Motto: lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.
6. Bei den Amerikanern halten sich wohl derzeitig die Falken und Tauben noch die Waage. Die Europäer folgen den Amerikanern. Und die Russen und Chinesen scheinen auch auf die amerikanische Linie einzuschwenken. (AvL: Entscheidend dürfte wohl die Israel-Lobby in den VSA sein. siehe auch die aktuelle Debatte in den VSA zu diesem Thema, siehe auch z.B. http://www.tagesspiegel.de/kultur/archiv/05.04.2006/2453566.asp)
Nett und sehr anschaulich war vor allem die anschauliche Darstellung von CNN, wie Urananreicherung im Prinzip funktioniert (mit M&M’s). Das habe selbst ich verstanden. Von den Amis kann man doch immer wieder lernen, wie man volkspädagogisch vorgeht. Einfach und effektiv.
AvL
5 stoiker // Apr 16, 2006 at 17:32
zu Alexander.
“Wer die Atomwaffe hat, sitzt eben am Tisch der Großen)”
Quel fromage!!
Wer heute noch Atomwaffen benutzen will, hat nicht alle Tassen im Schrank. Dieser mediale Atomwaffenpoker ist nichts anderes als Augenwischerei, weil die “Mächtigen ” nicht so blöd sind wie sie aussehen: die wissen nämlich ganz genau, daß selbst territorial begrenzte Einsätze mittel- oder langfristig global enorme Umweltschäden nach sich ziehen können; auch diesen “Herrschern” steht zum Leben nur diese eine, durch ökologische Ausbeutung äußerst verletzlich gewordene Erdkugel zur Verfügung.
6 Völkischer Beobachter // Apr 16, 2006 at 20:42
@stoiker:
Da wäre ich mir nicht so sicher:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,410551,00.html
7 Völkischer Beobachter // Apr 17, 2006 at 11:58
Es wird immer doller:
“Deutliche Worte aus Israel: Nach den erneuten anti-jüdischen Ausfällen von Irans Präsident Ahmadinedschad hat der israelische Spitzenpolitiker Peres einen direkten Vergleich zum gestürzten irakischen Machthaber Saddam Hussein gezogen. Ahmadinedschad werde enden wie Saddam, drohte Peres.
Jerusalem/Moskau – “Ahmadinedschad repräsentiert Satan, nicht Gott”, sagte Schimon Peres heute gegenüber Radio Israel. “Die Geschichte hat die Verrückten verurteilt und jene, die das Schwert erhoben haben.”
Bemerkenswert die Äußerungen des russischen Generalstabschefs:
“Nach Einschätzung des russischen Generalstabschefs Juri Balujewski ist Iran nicht zur Produktion einer Atombombe in der Lage. “Das, was Iran tut, gibt ihm weder in naher noch in ferner Zukunft die Möglichkeit, eine Atombombe herzustellen”
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,411582,00.html
8 Alexander // Apr 17, 2006 at 13:11
@ stoiker:
Dein Idealismus in allen Ehren. Aber m.E. ist der Machthunger und -drang viel stärker als die Einsicht auf das Gute bzw. Friedfertige. Und bekanntlich haben die Amis als erste Nation überhaupt schon mal die Atomwaffe eingesetzt. Warum sollten sie es, angefeuert durch die entsprechenden Kreise, nicht wieder tun, vor allem wenn es um die globale Vorherrschaft an sich geht. Das Gute im Menschen hat leider im politischen Raum öfters das Nachsehen, als man uns weiszumachen pflegt. Deswegen: Käse mag zwar stinken, aber Geld nicht. Der Iran kann der Schlüssel für eine neue Weltordnung sein, vor allem aber kann er die geistig-moralische Befreiung Deutschlands in Gang setzen. Die Hoffnung besteht.
Leave a Comment