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Altermedia Deutschland - Störtebeker-Netz: In einer Zeit des Universalbetruges ist die Wahrheit zu sagen eine revolutionäre Tat (George Orwell)
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Courage in Schwerin (27.01.07)

January 27th, 2007 · Post your comment (7 Comments)

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Schweriner Schloß

Schwerin / Mecklenburg: Auch um Mecklenburg-Vorpommern macht Sankt Holockauscht in diesem Jahr keinen Bogen. Ebenso wie andernorts tritt die etablierte Parteiennomenklatura zum staatlich verordneten Sankt-Holockauscht-Gedenken an, während die Bevölkerung es sich den Umständen entsprechend mehr oder minder gut gehen läßt und sich einen Teufel um das moralinsaure Gesülze ihres Ministerpräsidenten Harald Ringstorff (SPD) schert, der für heute einmal mehr die Arie von der besonderen historischen Verantwortung der Deutschen angestimmt hat, die heute wieder einmal daran erinnert werden müssten, gegen Unrecht und Unmenschlichkeit zu kämpfen. Wie konnte man ja in der Vergangenheit gleich mehrfach sehen, zum Beispiel als die Bundesrepublik mehr oder minder direkt oder indirekt die US-Aggressionen gegen Afghanistan oder Irak unterstützte. Nicht zu vergessen die Unterstützung der jüngsten Aggression Israels gegen den Libanon.

Ministerpräsident Ringstorff dürfte daher bei der Masse seiner Untertanen nur auf mäßiges Interesse stoßen, wenn er meint: „Das Leid der Verfolgten und Ermordeten, der Überlebenden und Hinterbliebenen verpflichtet uns dazu, immer wieder neu zu erinnern, immer wieder neu zu warnen und achtsam zu sein, damit das, was damals geschah, nie wieder geschieht.“ Tatsächlich zeigen Worte wie diese nicht so sehr die Sorge darüber, dass derlei nicht wieder geschieht, sondern dass derlei nur Juden nicht wieder geschieht, während man bezüglich der Untaten gegen andere Völker wie im Irak oder Palästina nur wenige Umstände macht. Sind eben lediglich Kollateralschäden, die schon mal vorkommen können.

Auch die SED-Nachfolger der PDS möchten sich aus Anlaß des Tages nicht lumpen lassen. So lobte die PDS-Landtagsfraktion gestern einen sogenannten „Courage“-Preis für das Engagement gegen Rechtsextremismus aus. Danach sollten Einzelpersonen oder Initiativen mit 2500 Euro „geehrt“ werden, „die mutig und in besonderer Weise“ Rechtsextremisten entgegengetreten sind. Als mögliche Gründe für Preisnominierungen will man das Entfernen von „Nazischmierereien“ von Wänden oder aber Theaterstücke gegen Rechts gelten lassen. Die erste Verleihung dieses Preises soll am 30. August stattfinden.

Ein Vorhaben, dass eigentlich förmlich nach Erwiderung durch die Schweriner NPD-Landtagsfraktion schreit. So steht unseres Erachtens im Grunde nichts dagegen, dass auch die NPD-Fraktion einen Preis für Zivilcourage ausschreibt, mit dem gleichfalls Initiativen oder Einzelpersonen dotiert werden, die echte Zivilcourage gegen die Ungerechtigkeit in diesem Lande zeigen, ohne dass hinter ihnen Staat und Partei(en) stehen. Als Verleihungsdatum könnten wir uns u. a. den 9. November vorstellen. Am Geld sollte es nicht mangeln, zumal wir ja davon ausgehen, dass jeder NPD-Parlamentarier die 400 Euro, die er seit letzter Diätenerhöhung mehr bekommt, in eine Art Sonderfonds einzahlt, da es schließlich sicher nicht mit nationaldemokratischer Ehre und Gewissen vereinbar ist, Gelder aus einer Diätenerhöhung zu beziehen, gegen die man selber gestimmt hat. Welch gute Gelegenheit, sich auf edle und elegante Weise von unredlich erworbenem Mammon zu trennen, dessen Besitz einem guten NPD-Landtagsabgeordneten in Schwerin nur eine seelische Pein sein kann und die er auf diese Weise nutzbringend für das allgemeine Wohl von Partei und Gesellschaft verwenden kann.

Bislang gab es allerdings von Seiten der NPD-Landtagsfraktion noch keinerlei solche Gedankengänge – jedenfalls nicht nach außen hin. Dafür aber hatte NPD-Fraktionschef Udo Pastörs bereits am 25. angekündigt, dass seine Fraktion den offiziellen Gedächtnisfeiern zum „Auschwitz-Gedenktag“ fernbleiben werde. In einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung sagte Pastörs dazu: „Die NPD-Fraktion lehnt den einseitigen Schuld-Kult der Blockparteien kategorisch ab. Solange nicht auch in angemessener Form der deutschen Opfer des anglo-amerikanischen Bombenterrors und der Vertreibungsopfer aus den deutschen Ost-Gebieten gedacht wird, nimmt die NPD-Fraktion an Veranstaltungen zu einseitigen Vergangenheits-Bewältigungen nicht teil.” Gleichzeitig kündigte er an, dass seine Fraktion am 13. Februar am Trauermarsch der Jungen Landsmannschaft Ostpreußen e. V. zum Gedenken für die Opfer des alliierten Bomben-Holocaustes in Dresden teilnehmen werde.

Eine Erklärung die bei den Mimosen des etablierten Parteienkartells einmal mehr für politisch überkorrekten Schüttelfrost sorgte. Anlaß für Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling zu betonen, dass der heutige Gedenktag allen eine Mahnung dafür sein müsse, „jeglicher Form von Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus entschieden entgegenzutreten“, da Demokratie keine Selbstverständlichkeit sei. – Wer wollte das bestreiten, zumal man gerade in den neuen Bundesländern längst den Eindruck gewonnen hat, dass man seit 1989 keineswegs die so sehnlichst erwartete Demokratie gewonnen hat, sondern lediglich vom Regen in die Traufe gekommen ist, in dem man seitdem für die gestürzte rote SED, statt deren PDS-Neuauflage noch gleich etliche bürgerliche SEDn mit dazu bekommen hat, die im Grunde auch nicht besser sind, als die, von der man sich seinerzeit nicht eben im guten Einvernehmen getrennt hat. Anlaß dafür, den heutigen Tag dazu zu nutzen, um nachzudenken, was man im November 1989 falsch gemacht oder einfach nur vergessen hat, um später einmal diese Fehler nicht noch einmal zu wiederholen. Und um darüber nachzudenken ist der heutige Tag in der Tat wie kein anderer geeignet.

Siehe auch
Schweriner Volkszeitung 27.01.07

NPD MV 25.01.07

Spiegel Online 26.01.07:Henryk M. Broder zum „Auschwitz-Gedenktag

Quelle: Störtebeker-Netz 27.01.07

Tags: Allgemeines

7 responses so far ↓

  • 1 Baldur Nauheim // Jan 27, 2007 at 21:42

    Spiegel online:

    ………Mission erfüllt - der Förderverein könnte sich also auflösen.

    Aber wie das so ist mit Institutionen und Vereinen, die einem guten Zweck dienen: Sie sind langlebiger als die Ziele, die sie verfolgen………

    Wenn sie ganz Deutschland zu einem Mahnmal umgebaut und mit Stolpersteinen zugepflastert haben, auch dann werden sie nicht aufhören. Dann ist das restliche Europa dran. Auch auf französischen Bahngleisen, Straßen und Wegen wurden Juden transportiert, irgendwo in Europa hat schon irgendwer einmal gewohnt und ist ausgewandert oder verstorben, es gibt also noch viel zu tun.

  • 2 Der Wohlwollend-Kritische // Jan 28, 2007 at 8:45

    Es passt zwar nicht ganz zum Thema:
    Aber ist Euch aufgefallen, wie wenig “Unterstützung” gerade der gestrige sogenannte “Holocaust-Schmierentag” bei der Bevölkerung fand?*
    Das Politikerpack, die Juden (deren Brötchengeber) und die Kirchen blieben überall unter sich. Und diese grossangekündigte “Demokratiemeile”(kotz) in Frankfurt lockt nur ein paar verirrte rot/schwarze Parteigänger an.

    Und das lässt hoffen. So hilflos war das Politikervolk, dass es sogar noch den Fußball dazu missbrauchte, ihre kruden Dinge zu feiern.
    Und die Bundesligabesucher hat das einen Dreck interessiert. Gut so.

    *Gestern, letztes Jahr, vorletztes Jahr … . Liest eigentlich einer die Artikel die wir dazu schreiben richtig? - Schriftleitung Altermedia

  • 3 Rudolf // Jan 28, 2007 at 13:29

    Der Zuvielcourage-Preis der PDS, die als sie noch SED hieß merkwürdigerweise mehr auf Staatscourage setzte, sollte an den bescheidenen Henryk gehen, sind einzelne Aussagen in seinem Artikel schließlich schon fast vernünftig. Und in einer Zeit des Universalneurotizismus, ist es - angelehnt an den Orwell’schen Spruch oben - schon fast eine revolutionäre Tat, das Vernünftige zu sagen.
    Da ist der PDS-Preis allein fast noch zuwenig der Anerkennung:
    Ich fordere daher, dass jeder, den das Schicksals dazu bestimmt, gemeinsam mit Henni eine Zugfahrt anzutreten, unbedingt dafür zu sorgen, dass Henni auch einen Fensterplatz erhält. Dafür dass er Rosh und Klarsfeld an die krampfadrigen Beine uriniert, hat er das wahrlich verdient.

  • 4 Rudolf // Jan 28, 2007 at 13:35

    Korrigierte Version:
    Der Zuvielcourage-Preis der PDS, die als sie noch SED hieß merkwürdigerweise mehr auf Staatscourage setzte, sollte an den bescheidenen Henryk gehen, sind einzelne Aussagen in seinem Artikel schließlich schon fast vernünftig. Und in einer Zeit des Universalneurotizismus, ist es - angelehnt an den Orwell’schen Spruch oben - schon fast eine revolutionäre Tat, das Vernünftige zu sagen.
    Da ist der PDS-Preis allein fast noch zuwenig der Anerkennung:
    Ich fordere daher, dass jeder, den das Schicksals dazu bestimmt, gemeinsam mit Henni eine Zugfahrt anzutreten, unbedingt dafür sorgt, dass Henni auch einen Fensterplatz erhält. Dafür dass er Rosh und Klarsfeld an die krampfadrigen Beine uriniert, hat er das wahrlich verdient.

  • 5 NPD KV UNNA/HAMM // Jan 28, 2007 at 13:42

    Es gehört schon ganz schön viel Zivilcourage dazu die überall herrschende Meinung und Gesinnung zu vertreten. Oder haben wir da etwas nicht richtig verstanden?

  • 6 J.B. // Jan 28, 2007 at 14:46

    @NPD KV UNNA/HAMM :
    “Es gehört schon ganz schön viel Zivilcourage dazu die überall herrschende Meinung und Gesinnung zu vertreten. Oder haben wir da etwas nicht richtig verstanden?”

    Der Bürger bekommt zwar von rechtsextremistischer Gewalt nicht viel mit, aber das Fernsehen (z.B. “Tatort”) beweist, wie gegenwärtig sie ist. Deshalb zeugt es von Mannesmut vor Königsthronen, bspw. auf NPD-Demonstranten Schneebälle zu werfen und damit Zivilcourage zu beweisen.

  • 7 griesgram // Jan 29, 2007 at 1:54

    @Wohlwollender
    Einen Tag nach St. Holodeck wurde hier, in Frankfurt, der Bürgermeister neu “gewählt”.
    Wahlbeteiligzng:34% ca.
    “SiegerIn”: Roth, 62% ca.
    Also gebracht hat es nur eines: Das Volk pisst auf die Farce.
    Geändert hat es: Nichts!
    Die “Demokraten” feiern das ach so eindeutige Ergebnis.
    http://www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=2855&_myvars_id_listenartikel=2000306

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