Altermedia Deutschland – Störtebeker-Netz
Altermedia Deutschland – Störtebeker-Netz: In einer Zeit des Universalbetruges ist die Wahrheit zu sagen eine revolutionäre Tat (George Orwell)


„Der Bote ist immer das Opfer“ – „Mut gegen Rechts“ über „Rechts-Experten“-Abservierung beim Kreis Ostvorpommern (20.02.06)

February 20th, 2006 · Post your comment (No Comments)

Email This Post Print This Post
Günter Hoffmann mal ohne sonst übliches Grinsen

Anklam / Berlin: In den vergangenen Tagen hatten wir ja bereits mehrfach Gelegenheit darauf einzugehen, daß der selbsternannte „Rechts-Experte“, der erst unlängst vom Kreis Ostvorpommern eine Festanstellung erhalten hatte, wieder brotlos geworden ist, da die Behörde sich bei ihrer Mitarbeiterwahl offenbar nun doch eines besseren besonnen hat. Schließlich sind die Expertisen des aus Bayern stammenden „Experten“ billig genug, so daß man es sich durchaus schenken kann, für etwas Geld auszugeben, was man tagtäglich auch selber aus freizugänglichen Medien erfahren kann. Hatte Hoffmann geglaubt, nunmehr auf öffentliche Kosten tagtäglich vor dem PC auszuharren, um bestimmte rechte Netzinhalte zu konsumieren, die man dann als „persönliche Recherchen“ gewinnbringend bei politisch unterbelichtet erscheinenden Landräten oder Provinzschullehrern gewinnbringend an den Mann bringt, so entpuppte sich dieser Traum als trügerisches Trugbild, das sich inzwischen wieder verflüchtigt hat.

Bemerkenswerterweise lassen jedoch weder der Kreis noch Hoffmann Näheres über die Gründe der urplötzlichen Trennung verlauten. Offenbar müssen die Gründe, sollten sie denn einmal öffentlich werden, für beide Seiten ausgesprochen blamabel sein. Wir könnten uns vorstellen, daß man Hoffmann trotz seiner kurzen Beschäftigung eine reichliche Abfindung gezahlt hat, um damit abzusichern, daß er den Landkreis öffentlich nicht in die Pfanne haut. Aber vielleicht wäre es ja möglich über die Gründe mehr zu erfahren, wenn man bei der nächsten Kreistagssitzung für Ostvorpommern einmal die Frage stellt, woran es denn gelegen hat, daß man Hoffmann nicht weiterbeschäftigt. Schließlich war ja aber immerhin zeitweilig Angestellter im öffentlichen Dienst, so daß eine solche Frage nach unserem Dafürhalten nicht unberechtigt wäre.

Während sich hierzulande die Zeitungen und „Rechts-Experten“ über das traurige Schicksal Hoffmanns weitestgehend ausschweigen, ist man andernorts durchaus gesprächiger. So erschien unlängst bei „Mut gegen rechte Gewalt“ eine förmliche Jeremiade über das bedauernswerte Geschick unseres Freundes, die so ergreifend ist, daß wir sie unseren Lesern nicht empfehlen können, ohne ihnen zuvor zu raten, sich mit Taschentüchern auszurüsten, um den zu erwartenden Tränenstrom zu bannen.

Wir zitieren wie folgt:
Der Bote ist immer das Opfer

17.02.2006

Von Holger Kulick

Am Donnerstag platze der Vortragsaal der Amadeu Antonio Stiftung fast aus den Nähten. Übergroß war die Nachfrage von Initiativprojekten für Demokratiekultur und gegen Rechtsextremismus an einem Seminar über Fundraising. Das Spezialthema: EU-Fördergelder. Damit hat sich bislang kaum eine Initiative beschäftigt, jetzt, da die Bundesförderprogramme ENTIMON und CIVITAS vor dem Aus stehen und vollkommen ungewiss ist, ob die neue Bundesregierung ab 2007 solche Projekte noch (teil-)finanziert, sieht das anders aus. Aufmerksam ließen sich die Teilnehmer acht Stunden am Stück im Detail vorführen, wie das Brüsseler Antragsdickicht am besten zu durchschauen ist und was L-, S- oder C-Anträge sind.

Bei der gegenseitigen Vorstellungsrunde schluckten allerdings mehrere der Anwesenden.

Einer unter ihnen, Günther Hoffmann aus Anklam, der über alle Landesgrenzen hinaus seit Jahren größtmögliche Reputation besitzt, weil er die wachsenden rechtsextremen Strukturen in Mecklenburg-Vorpommern so gut durchschaut, wie kaum ein anderer, ließ einen Nebensatz fallen, der es in sich hatte. Nunmehr sei er selbstständiger Fachberater, teilte Hoffmann überraschend mit, aber seit gestern nicht mehr Leiter der CIVITAS-Netzwerkstelle Anklam gegen Rechtsextremismus, ohne das näher vertiefen zu wollen.

Kein Wunder. Der zuständige Kreis und die Träger des Netzwerks haben ihm – das hatte sich herumgsprochen – in den letzten Monaten übel mitgespielt – und es sieht so aus, als sei das ausgerechnet auf Druck von NPD und extrem rechten Kreisen geschehen. Der Hintergrund: Hoffmann hatte die Bürgermeister seines Zuständigkeitsbereichs jahrelang weissagend gemahnt, wie strategisch und trickreich sich rechtsextreme Kameradschaftsstrukturen mittlerweile bis hinein in Schulen, Jugendclubs und Kindergärten, etablieren. Und er hatte fleißig Gegenkultur-Rezepte entwickelt und empfohlen. Das reichte vom Argumentationstraining für Kommunalvertreter bis zur gezielten Jugendarbeit in den Freiwilligen Dorffeuerwehren, um absehbaren Schaden von der Demokratie und am Image Mecklenburg-Vorpommerns abzuwenden.

Auch auf Tagungen und für Pressevertreter war Hoffmann ein ein wissensreicher, respektierter Ansprechpartner. Nur nicht für seine umittelbaren Dienstvorgesetzten – aus dubiosem Grund. So bekam der regionale Arbeiter Samariter Bund Muffensausen, in Wahlkampfzeiten ein Projekt zu unterstützen, das sich gegen Rechtsextremismus richtet, wie er von der NPD vertreten wird. Schließlich sei das eine demokratische Partei. Und wer im rechten Störtebecker-Netz und anderen einschlägigen Internetforen der Rechtsextremisten nachliest, findet genügend Belege, aus welcher Ecke auf Hoffman gezielt diffamierend eingedroschen wurde*, so intensiv, dass den Verantwortlichen plötzlich genau das abhanden kam, was die Netzwerkstelle eigentlich fördern soll: Zivilcourage gegen Rechtsextremisten.

Ja na klar, wenn Hoffmann andere diffamiert, ist es Volksaufklärung und wenn andere, ihm mit der gleichen Kelle einschenken, die er selber benutzt, dann ist es Diffamierung. – Die Schriftleitung

Schon am Samstag hatten bei der alljährlichen Neonazidemonstration in Dresden Mitglieder der ´Mecklenburgischen Aktionsfront´ in Hoffmanns Richtung gespottet: “Der Hoffie hat keine Arbeit mehr!”. So, als ob sie bereits wüssten, was Hoffmann zu Beginn dieser Woche defintiv mitgeteilt bekommen sollte*: Keine Vertragsverklängerung durch den Landkreis und die Servicestelle CIVITAS mehr, die sich dort offenbar schon rüstet für das, was sich auch bundesweit demnächst entwickeln könnte: Eine Abkehr von der reinen Rechtsextremismusbekämpfung, hin zur Gemeinwesensförderung – auf jeden Fall unpolitischer, als ursprünglich konzipiert.

* Wir wissen nicht, wo „Mut gegen rechte Gewalt“ seine Kenntnisse so her nimmt, aber um zu erfahren was mit Hoffmann wird, bedurfte es keineswegs geheimer Informationen eines rechten V-Manns beim Kreis Ostvorpommern. So stand bereits am 9. Februar in der Lokalausgabe der OSTSEE-ZEITUNG für Wolgast:
„Ostvorpommern – Der Landkreis wird die zum Jahreswechsel vom Arbeitersamariterbund übernommene, so genannte Netzwerkstelle zum 15. Februar neu besetzen. Wie Günter Hoffmann, der sich in diesem Job mehrere Jahre mit der Tiefenanalyse der rechtsextremen Kräfte in der Region beschäftigt hat, gestern auf OZ-Nachfrage bestätigte, werden sich die Wege von ihm und dem Kreis Ostvorpommern trennen. Zu Aussagen über Gründe dafür war er nicht bereit. Auch Landrätin Syrbe wollte sich zur Personalie nicht näher äußern. Das Bewerbungsverfahren sei noch nicht abgeschlossen.

Das von der Civitas getragene Projekt zur politischen Arbeit gegen Rechts wird mit Bundes- und Landesmitteln gefördert. Die Demo in Dresden war am 11. Februar. Wie man sieht, alles ohne Netz und doppelten Boden.“ –

Die Schriftleitung

Schon im letzten Jahr hatte der Mit-Träger der Netzwerkstelle, der Arbeiter Samariterbund ASB diese Haltung deutlich gemacht, die von Neonazis frohlockend kolportiert oder/und sogar forciert wurde. So wurde im rechten Störtebecker-Netz bereits Ende 2005 genüsslich der zuständige Vize-Landrat Schönfelder (CDU) zitiert: “Wir sind dem ASB dankbar, dass er das Projekt für ein Jahr übernommen hat, aber die hiesigen Träger haben entsprechend ihrer Satzungen Probleme jemanden einzufügen, der sich kreisübergreifend mit Prävention im Bereich politischer Extremismus beschäftigt.” Weiter schrieb der rechte Verfasser: “In der Tat so ist es. So dürfte es in der Vergangenheit durchaus Stimmen gegeben haben, die in dieser offen politischen Ausrichtung des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB), der sich immerhin offiziell als politisch neutral und gemeinnützig ausgibt, wenig Gefallen finden.”

Kurzum: der Fachmann Hoffmann, der Rechtsextremisten und ihre zunehmende Einflussnahme auf die Gesellschaft bravourös analysieren konnte und so mit Fingern direkt auf Versäumtes, sprich Wunden zu zeigen verstand, war nicht länger erwünscht.*

* Man nenne uns doch eine „bravouröse Analyse“ Hoffmanns. Bei näherer Betrachtung wird man schnell erkennen, daß Analysen nichts weiter sind, als ein Abklatsch aus VS-Berichten und rechten Internetseitentexten, die Hoffmann auf den eigenen politischen Nenner gebracht hat. So etwas muß man nicht „bravourös“ nennen, sondern wohl eher Plagiat. – Die Schriftleitung

Die hämische Kritik von rechtsaußen, war den zuständigen Verantwortlichen offenbar hochwillkommen, um zwei Ziele zugleich zu erreichen. Erstens, den unwillkommenden Boten so mancher schlechten Analyse der Kreisjugendarbeit loszuwerden, eben Günther Hoffmann, und die Arbeit der Netzwerkstelle nunmehr unverfänglicher auszurichten.* Jetzt soll es, dem Vernehmen nach, eher um eine generellere Prävention von Jugendkriminalität gehen, sicherlich auch ein wichtiges Feld. Aber die von Kommunen als imageschädigend empfundene Vokabel Rechtsextremismus wird gestrichen – obwohl sich der Schweriner Landtag gerade erst zu einer gemeinsamen Entschließung für den Kampf gegen den Rechtsextremismus durchgerungen hat. Doch was in Schwerin endlich möglich ist, stört offenbar in Anklam nur.

* Wenn Hoffmann tatsächlich so unwillkommen gewesen wäre, wie hier suggeriert wird, dann hätte man ihn wohl gar nicht erst auf den Posten gelotst. Die Wirklichkeit wird wahrscheinlich so ausgesehen haben, daß man erst bei näherer Kooperation erkannt haben wird, was für ein Windei man sich da an Land gezogen hat. Manche Dinge sehen aus der Ferne recht groß und imposant aus, betrachtet man sie aber aus der Nähe, kommt man nicht selten ins Staunen darüber, wie klein sie in Wirklichkeit sind. – Oder sollten wir sagen, kleinlich? – Die Schriftleitung

Hoffmann selbst will erst mal Luft holen und weigerte sich in den Pausen der Tagung in Berlin strikt etwas zum Thema beizusteuern. Brauchte er auch gar nicht. Am gleichen Tag war in der Zeitung “Die Welt” ein Interview mit Mecklenburg-Vorpommerns SPD-Innenminister Gottfried Timm zu lesen, der sich kenntnisreich, wie selten über Rechtsextremismus, seine Ausprägungen und überfällige Gegenrezepte profilierte.* Dabei sagte er genau all das, was Günther Hoffmann schon seit Jahren gepredigt hat. Fast ein Ritterschlag, könnte man meinen. Zu spät?

* Ja was hat Timm denn dem Leserpublikum der WELT geraten. Eigentlich nur das, was linke Politiker nicht müde werden, zu verurteilen, wenn es sich um Angehörige der eigenen Klientel handelt, nämlich politische Gegner mit Berufsverboten einzudecken.
So sagte Timm in besagtem Interview u. a.:
„Das wichtigste ist, sie dürfen den Rechtsextremen keinen Spielraum lassen. Das gelingt nur im Zusammenwirken mit gesellschaftlichen Organisationen, Gewerkschaften, Kirchen, Unternehmern, Vereinen, engagierten Einzelpersonen. Die Gewerkschaften und Unternehmensverbände haben eine eindeutige Haltung: Dort wo Rechtsextreme in Betrieben in Erscheinung treten, muß man sich von ihnen trennen. Das hat meine volle Unterstützung. Es gilt, trotz aller wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten deutlich zu machen, daß demokratische Grundwerte das Fundament unseres Landes bilden.“
Ist es das was man sich wirklich wünscht. Dann sollte man an bestimmter Stelle in der Tat hoffen, daß es nicht einen schönen Tages wieder mal anders kommt. Braucht der politische Gegner an jenem Tag doch nur auf den Geleisen weiterzufahren, die Leute wie Timm & Co. bereits gelegt haben. Dann aber nicht schimpfen, eine Hand wäscht die andere. Im Übrigen sagte Timm auch nur das, was er sonst auch immer sagte, nur eben aggressiver. Aber das hat nichts mit Kenntnis von Gegenrezepten zu tun, sondern nur mit Angst um die eigene parlamentarische Pfründe und die bevorstehenden Landtagswahlen.

Die Schriftleitung

Quelle: Mut gegen rechte Gewalt 17.02.06

Siehe auch

Altermedia 16.02.06

Altermedia 10.02.06

Altermedia 06.01.06

Altermedia 21.12.05



Tags: Allgemeines

0 responses so far ↓

  • There are no comments yet...Kick things off by filling out the form below.

Leave a Comment