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Zhu Min ist geschäftsführender Vizepräsident der Bank of China - kein unerheblicher Posten. Was er sagt, sollte Gewicht haben. Er vermeldete laut “The Telegraph” am 25. Januar: “Unausgewogenheiten bereiten die Bühne für die Krise”. Die Unausgewogenheiten betreffen die unkontrollierten Derivate, deren “Wert” er mit über 370 Billionen Dollar sogar noch relativ konservativ einschätzt. “Überall fliegt Geld herum. Man kann in jedem Augenblick für alles Mögliche vom Markt Liquidität bekommen. Derivate machen das Achtfache des Welt-Bruttosozialprodukts aus, und ein großer Teil des Geldes schwappt nach Asien, wo die Menschen keine Idee haben, auf welches Risiko sie sich damit einlassen. Die Globale Unausgewogenheiten nehmen konzentriert zu und werden nicht geringer”. Zhu Min pflichtet der Chef der indischen Planungskommission Montek Ahluwala bei: “Die Derivative-Revolution hat es den Banken erlaubt ihre Risiken überall hin abzuladen und dabei die Gefahren zu verschleiern”.
Zhu Min meint, die Sache käme spätestens nächstes Jahr an ihr Ende. Der Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubani von New York meint dagegen, die USA befinde sich bereits mitten im einem Sturz mit “hard landing”, da die Zinsanhebungen weh zu tun beginnen. Der Professor spielt auf das Platzen der Immobilienpreise und auf den Einbruch der Bauwirtschaft an, die zu dem jetzt der Crash der Autoindustrie hinzukommt. “Wir haben eine Bankenkrise” meinte der Professor und bezog sich auf den Zusammenbruch von 17 Hypothekenbanken in den USA und das Schrumpfen der Darlehensvergabe. Doch Totgesagte leben bekanntlich länger: Von der Krise ist seit 30 Jahren die Rede. Der angekündigte Tod ist oft nur ein vorgetäuschter Scheintod. Aber was soll damit bezweckt sein? Geld ist eine Waffe. Wird sie eingesetzt, kann vorübergehend auch die eigene Macht darunter leiden. Entscheidend ist, wer am Ende das Rennen macht. Das gilt für alle Waffen nicht nur für Atombomben, Spione und Granaten. Waffen dienen wie Kriege einem politischen Zweck. Wer sich über diesen täuscht, versteht die Welt nicht, in der er lebt, und kann sich daher, wie historische Vorbilder zeigen, auch nicht wehren.
1577 schrieb der “Wissenschaftler, Astrologe und Geheimdienstler von Elisabeth I”, John Dee in: “The Brytish-Monarchy”: …Eine kleine königliche Flotte von 60 großen Schiffen oder mehr, aber im Notfall auch weniger, scheint fast schon den mathematischen Beweis, der an den gnädigen und mächtigen Schutz Gottes heranreicht, für eine mögliche Politik zu liefern, die dieser siegreichen britischen Monarchie eine herrliche Sicherheit bringen und zu erhalten vermag. Durch sie [die Flottenpolitik] werden sich die Einkünfte der Krone Englands und der öffentliche Reichtum wunderbar vermehren und gedeihen; und dem entsprechend lassen sich die Seestreitkräfte dann weiter ausbauen. Und so wird sich der Ruhm, das Ansehen, die Wertschätzung und Liebe, und die Angst vor diesem Britischen Mikrokosmos über das ganze weite Erdenrund rasch und sicher ausbreiten”. (nach Robert Deacons Buch “John Dee”, 1968, S. 92 f)
John Dee, war der Begründer und Wegweiser zum Britischen Empire. Sein Konzept ist allgemein bekannt und seit den 1940er Jahren scheinbar endgültig Vergangenheit. Weniger bekannt ist das Schreiben Benjamin Franklins an Lord Kames aus dem Kreis von David Hume, Adam Smith und William Robertson vom Januar 1760. Dort heißt es “Niemand könnte über die Eroberung (französisch) Kanadas erfreuter sein als ich … nicht nur als Kolonist, sondern auch als Engländer. Ich war schon lange der Meinung, daß die Fundamente der künftigen Größe und Beständigkeit des britischen Weltreiches in Amerika liegen”. Nun, das war vor den Unabhängigkeitskriegen geschrieben. Im Oktober 1775 - also mitten drin - schrieb er an einen anderen Freund in England: “Eine Trennung (von England) ist unvermeidlich. Es ist jammerschade, daß ein so aussichtsreicher Plan zur Förderung unserer Macht und des Empire, an dem wir bis jetzt mit dem Segen der Öffentlichkeit gearbeitet haben, nun von den zerfleischenden Händen einiger weniger unbesonnen handelnder Minister zunichte gemacht werden soll. Er [der Plan] wird nicht zerstört werden. Gott wird ihn schützen und ihn gedeihen lassen. Ihr [die Engländer] schließt euch nur selbst von jeglichem Anteil aus”. Im gleichen Monat hatte Franklin eine bevölkerungspolitische Statistik erstellt und an Priestley nach England geschickt. In ihr zeigt er auf, daß die Bevölkerungsentwicklung den Schwerpunkt des Empires mit der Zeit (und mit Gottes Hilfe) von England nach Amerika verlagern muß. Das Empire war das Ziel, und Demokratie hatte nur für “den Segen der Öffentlichkeit” zu sorgen. Franklins Überlegungen (Mitglied der Royal Society und britischer Freimaurer bis ans Lebensende) sind zwar lange her, stellen aber die verkannten oder verheimlichten “Prinzipien” der USA hinter “Freiheit” und “Dollartum” dar.
Die Verbindung von individualistischer Denkart mit machtpolitischer Empire-Politik führte zu Beginn des zwanzigsten Jahrhundert zur so genannten Geopolitik eines Sir Halford Mackinder (1861-1947). Es handelt sich dabei um eine neumodische, angeblich wissenschaftliche Disziplin, die individuelle menschliche Lebens- und Verhaltensweisen auf die Dynamik sozialer Gebilde übertrug. In ihre, am wirtschaftlichen Konkurrenzdenken orientierte, machtpolitische Strategie gingen Überlegungen der Geographie, der Logistik, der Ökonomie und Methoden machiavellistischer Geheimnisdienstarbeit ein. Einer der modernen Vertreter dieser Schule in den USA war Isaiah Bowman (Vgl. Neil Smith, “American Empire, Roosevelts Geographer and the Prelude to Globalization”, University of California Press 2003)
Das Konzept der Geopolitik entstand zu einer Zeit, als Frankreich in der Konkurrenz mit England um das größere Kolonialreich zurückgefallen war und das britische Empire seine Hauptbedrohung in einer möglichen politisch-wirtschaftlichen Kooperation der führenden Staaten Eurasiens, allen voran von Deutschland und Rußland erkannte. Die neue politische Initiative leitete Mackinder mit seinem Aufsatz “Der Geographische Angelpunkt der Geschichte” in der Zeitschrift “The Geographical Journal” der Royal Society aus dem Jahr 1904 ein. Er beschrieb dort unmißverständlich, worum es in den folgenden Weltkriegen bis heute ging.
“Die Vorstellung von Eurasien, die wir damit bekommen, ist die einer ununterbrochenen Landmasse, die im Norden vom Eis, und überall anders vom Meer eingeschlossen wird. Sie bemißt sich auf 21 Mio. Quadratmeilen oder mehr als das Dreifache des Gebietes von Nordamerika, dessen zentrales und nördliches Gebiet etwas neun Mio. Quadratmeilen umfaßt, oder mehr als das Zehnfache des Gebietes von Europa. [...] Im Osten, Süden und Westen des Herzlandes bilden Randzonen einen riesigen Halbmond, der für den Schiffsverkehr zugänglich ist. Entsprechend ihrer physikalischen Gestaltung unterscheidet man vier dieser Regionen, und dabei ist es nicht unerheblich zu bemerken, daß sie im Allgemeinen mit den Einflußbereichen der vier großen Religionen, dem Buddhismus, Brahamanismus, Islam und Christentum zusammenfallen. [...] Großbritannien, Kanada, die Vereinigten Staaten, Südafrika, Australien und Japan bilden einen Ring außen vorgelagerter, inselartiger Stellungen der See- und Handelsmächte. Diese sind für die Landmächte Europas unerreichbar. [...] Der Raum im russischen Reich und in der Mongolei ist so gewaltig und seine Möglichkeiten hinsichtlich der Bevölkerung, der Weizen-, Baumwoll-, Treibstoff-, und Metallförderung so unübersehbar groß, daß sich daraus unvermeidlich eine riesige mehr oder weniger eigenständige Wirtschaftswelt bilden könnte, die für den Seehandel unerreichbar ist … In dem Gesamtgebiet nimmt [Rußland] die zentrale strategische Position ein, die Deutschland in Europa innehat. Es kann nach allen Seiten ausschlagen und ist im Norden geschützt. Die volle Entwicklung ihrer modernen Eisenbahnmobilität ist nur noch eine Frage der Zeit [...] Das Überkommen des Kräftegleichgewichts zugunsten eines Achsenstaates führt zu seiner Expansion über die Randzonenländer Eurasiens hinaus und würde die Verwendung der riesigen, kontinentalen Ressourcen für den Flottenbau erlauben. Damit wäre ein Weltreich in Sichtweite gerückt. Das könnte geschehen, wenn sich Deutschland mit Russland verbünden sollte. Die Bedrohung durch eine solche Entwicklung sollte daher Frankreich in ein Bündnis zu den Seemächten bringen, und damit würden Frankreich, Italien, Ägypten, Indien und Korea zu ebenso vielen Brückenköpfen werden, über die die Marine von außen Armeen unterstützen könnte, um die verbündeten Achsenstaaten zu zwingen, ihre Landstreitkräfte einzusetzen und sie davon abzuhalten, ihre ganze Kraft auf die Flotten zu konzentrieren” (nach Andreas Dorpalen, “The World of General Haushofer. Geopolitics in Action”, New York Farrar & Bernhardi, Inc. 1942 S. 194 ff).
Das Konzept ist klar. “Großbritanniens und später Amerikas Eroberungszug war unmißverständlich von Mackinders flüchtiger, fast orakelhafter Erwähnung der verschiedenen Brückenköpfe angekündigt worden, Brückenköpfe, von denen aus die Seemächte ihre Armeen in das Herzland vortreiben und in einer beabsichtigten Folge unabhängiger Zusammenstöße einsetzen mußten. Um jeden Konflikt zu isolieren, mußte das Territorium, auf das man zielte, von seinen angrenzenden Gebieten abgetrennt und ausgeblutet werden. Das geschah durch künstlich in die Länge gezogene Streitigkeiten, die im Namen politischer, religiöser, oder ethnischer Verschiedenheit ausgetragen wurden. So sind die Anglo-Amerikaner immer vorgegangen: In Europa, in dem sie alle gegen Deutschland (1904-45) aufgewiegelt haben, im Nahen Osten, wo sie Israel mitten ins Herz der arabischen Welt gestoßen haben (1917 bis heute), im Fernen Osten, indem sie China Dornen (Korea, Vietnam, und Taiwan 1950 bis heute) in die Seite gestoßen haben und in Zentralasien, indem sie mit Hilfe Pakistans die gesamte Region durch Stammeskriege verunsichert haben, um zu verhindern, daß die Küste der Kaspischen See in den russischen Einflußbereich gerät (1979 bis heute). (Vgl. Guido Giacomo Preparata, “Conjuring Hitler, how Britain and Ammerica made the Third Reich” Pluto Press 2005).
Um die Feindstaaten, welche die eigene Vorherrschaft bedrohen “auszubluten”, genügten die Flotte und eine entsprechende, hinterhältige Diplomatie, wie sie im grundsätzlichen Denken des Britischen Empire verankert waren, nicht mehr. Das Neue und Moderne am US-Empire war der Einsatz des Geldes, der Ideologie (Freiheit, Demokratie) und finanziell abhängig oder korrupt gemachter, internationaler Bürokratien zum gleichen Zweck. Wer es nicht glauben will, mag an die jüngste Entscheidung denken, einige wirtschaftlich bedrohlich mächtige Staaten dazu zu bekommen (sie mittels ihrer gekauften Politiker “zu zwingen”), für die jüngsten Zerstörungsorgien Israels im Libanon zu bluten (bezahlen). Diese waren in nichts (als in geopolitischen Absichten) begründet. Denn die Angelegenheiten mit den beiden Gefangenen war eine plumpere Inszenierung als diejenige von 1914 mit den Schüssen in Sarajewo. Wen Details weniger interessieren, der mag sich die wirtschaftliche Entwicklung im Lakaienland Deutschland nach Ende des Kalten Krieges - inzwischen ein unbedeutender Nebenschauplatz dieser Politik - ansehen. Die Armut breitet sich, wenn man von der Rüstung absieht, überall aus. Und das sollte nur aus Dummheit geschehen?
Quelle: Der Spatz im Gebälk 28.01.07

3 responses so far ↓
1 Erz // Jan 28, 2007 at 11:23
Ich erfreue mich Woche für Woche am Spatz, vielen Dank.
2 Adminus Diabolus // Jan 29, 2007 at 1:52
Der ANfang ist gut: Derivative (auf gut deutsch, warentermin oder zinsterminpapiere)sind trilliardenschwer, werden nicht erfasst und schlummern als zeitbombe in jeder bank.
amerika ist pleite seit 3-4 jahren, sie brauchen taeglich 2 milliarden usd kapitalimport, und der geschieht , indem laender wie china und japan ‘ich-schulde-dir-papiere [IOU]‘ von der US-fed kaufen.
Nichts steht hinter diesen papieren, rein gar nichts!! Heissluft!! der goldstandard wurde bereits 1971 in bretton woods abgeschafft. seitdem ist gold nicht mehr die deckung fuer wertloses papiergeld (auch der euro ist nicht viel besser)
es wird in den naechsten 2-3 jahren eine reisen implosion geben, amerika wird in buergerkrieg zerfallen (weiss-schwarz-latino), das juedische finanzsystem wird zerstoert (es besteht eh nur aus manipulation).
kauf heute gold und vergrab es in deinem garten.
adminus
3 Watzmann // Jan 30, 2007 at 0:07
“…kauf heute gold und vergrab es in deinem garten.”
Kauf einen Acker, vorausgesetzt Du hast Geld, und baue Kartoffeln an, denn Gold kann man genau so wenig essen wie Papier. Für Zahnkronen taugt es schon.
Und besorg Waffen und lerne kämpfen, damit niemand so einfach dein Land, deine Wohnung, deine Freiheit usw. rauben kann.
Und kämpfe gemeinsam mit deinem Volke.
Das paßt irgendwie zum Spatzentext:
http://www.gerhard-wisnewski.de/modules.php?name=News&file=article&sid=349
http://www.saar-echo.de/de/prt.php?a=32262
http://www.zeit-fragen.ch/ARCHIV/ZF_92b/T01.HTM
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