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Güstrow / Mecklenburg: Wenn es darum geht, unliebsame Meinungen zu verbieten, ist man bei der PDS sehr schnell bei der Hand, allerdings ist das Geschrei dann groß, wenn jene, denen man am liebsten nicht nur das Wort, sondern gleich die ganze Existenz verbieten würde, richtig zur Wehr setzen. Das kommt zwar nicht eben häufig vor, jedenfalls nicht so häufig, wie Anschläge PDS-naher Gruppierungen auf Häuser oder Autos nationaler Aktivisten, aber immerhin.
So meldete die PDS Mecklenburg-Vorpommern am 26. Dezember empört, daß man ihr Parteibüro in Güstrow einer Bemalungs- und Entglasungsaktion ausgesetzt hatte, wie man sie heutzutage sonst für gewöhnlich bei Thor-Steinar-Läden und artverwandten Immobilien antreffen kann, ohne daß es deshalb sonderliche öffentliche Empörung geben würde. Damit nicht genug, musste man sich zunächst auch noch den Spott der Polizei gefallen lassen, die in einer Pressemeldung erklärte, daß man von einer Anzeige wegen eines Anschlags auf das Güstrower PDS-Büro gar nichts wüsste und daß, obwohl es zu der Zeit in der Stadt durchaus nicht wenige Schmierereien gab, die man im Nachhinein sogenannten Autonomen Nationalisten Güstrows zuordnete. Was Wunder, wenn der Frust bei den Genossen nach wie vor tief sitzt.
So klagte des frühere SED-Bezirksorgan und nach der Wende zur unabhängigen Tageszeitung des Hauses Springer mutierte OSTSEE-ZEITUNG: „…Der Schock sitzt noch tief bei den Genossen der Güstrower Linkspartei. …
“Nationaler Widerstand” steht in schwarzen Buchstaben an der Hauswand. Darüber pfeift der Wind durch zertrümmerte Fenster der Geschäftsstelle der Linkspartei des Landkreises Güstrow. Nicht das erste Mal fliegen Steine auf die Linken. Kreisgeschäftsführer Manfred Millow hat in Vorjahren öfter neue Scheiben einbauen lassen. “Wir haben Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt”, sagt Karin Schmidt, Kreischefin der Partei. Bei früheren Vorfällen sei nie ein Täter ermittelt worden. Auch jetzt hat Schmidt kaum Hoffnung. Dafür aber politischen Kampfgeist: “Dieser Vorfall zeigt einmal mehr: Alle demokratischen Parteien müssen gemeinsam etwas gegen Rechts tun.”
Dieses Mal haben die Täter eine deutliche Spur hinterlassen. In den vergangenen Tagen beschmierten sie mehrere Häuser in der Güstrower Innenstadt – und hinterließen das Kürzel “ANG” für “Autonome Nationalisten Güstrow”, eine Gruppe, die auf der NPD-Demo im Sommer auftauchte und “klar der rechten Szene zuzuordnen ist”. sagte gestern Matthias Knöchelmann, Chef der Polizei im Landkreis. Betroffen seien etwa 15 Häuser, neben den Zentralen von CDU, SPD, Linke auch das Kreishaus, die SVZ-Redaktion und selbst die Polizei: “Wir wehren uns gegen Polizeigewalt”, stand da. Für Knöchelmann ein klarer Angriff auf die demokratische Grundordnung – geschehen in den Nächten zum 20., 23., 26. und 28. Dezember. Negativer Höhepunkt sind Schmierereien, die den Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllten: Am jüdischen Friedhof seien Worte zu lesen gewesen, die den Holocaust leugnen. “Bomben auf Israel” steht an der früheren Synagoge.
Die Anschläge haben Wirkung gezeigt. Karin Schmidt von der Linkspartei sorgt sich um Mitglieder: “Es ist zunehmend für ältere Genossen eine Mutfrage da hinzukommen.” Norbert Nieszery (SPD) kommentiert: “So etwas ist beschämend.” Wie er vermutet auch Polizeichef Knöchelmann eine politische Motivation der Taten im Vorfeld der Kommunalwahl. Knöchelmann glaubt, die rechte Szene wolle in Güstrow eine “Platzmacht” etablieren, ein Gefühl der Unordnung in der Bevölkerung erzeugen. Quasi ein rechter Testballon. Er bittet um Hinweise der Bürger, sollten weitere Schmierereien auftauchen, und fordert: “Nicht weggucken!” …“
Nicht weggucken? Keine Sorge, wir sehen genau hin, denn was die OSTSEE-ZEITUNG an dieser Stelle freilich nicht schreibt, ist, daß es vor Weihnachten auch noch andere Aktionen gegeben hat. So wurde in den frühen Morgenstunden des 24. Dezembers der nationale Szeneladen „Dickkoepp“ in Rostock gleichfalls Opfer einer Gewaltattacke und auch hier gab es gleich eine durchaus heiße Spur. So erschien nur wenige Stunden nach der Tat folgender Meldung auf Indymedia, der führenden linken Internetpräsenz:
Angriff auf Naziladen in Rostock
In der Nacht vom 23. zum 24. Dezember wurde in Rostock der Naziladen Dickkoepp (ehemalig E.C.C.) angegriffen. Dabei gingen Rollläden und eine Scheibe zu Bruch, zudem wurde die somit entstandene Öffnung als Farbbomben-Eingang genutzt. Es liegen leider noch keine Bilder vor, bitte hiermit das über Kommentare noch hinzuzufügen, sofern möglich.
An alle denen dieser Laden ein Dorn im Auge ist, lasst es nicht dabei bleiben, solchen Aktionen zeigen das es möglich ist was zu tun, startet weitere Demos und Kreativeres, lasst es nicht ruhig werden um diesen, wie um jeden anderen Naziladen egal wo.
(An die schwarz gekleideten Gestalten die am frühen Morgen wohl mit Schadensbegrenzung beschäftigt waren: frohe Weihnachten!)“
Die dazugehörigen Kommentare sind gleichfalls zum überwiegenden Teil an Deutlichkeit nicht zu überbieten. Auch die Internetpräsenz Links-lang.de lässt sich dabei nicht lumpen, unfähig selber eine eigene Meinung zum Geschehen zu formulieren, sagt sie ihren Link zum obigen Indymedia-Artikel folgendermaßen an: „Erneute direkte Aktion gegen Rostocker Nazi-Laden – Der rechte Rostocker Szene-Laden “Dickkoepp” wurde nach mehreren Berichten in der Nacht zum 24. Dezember erneut Ziel antifaschistischer Aktivität. Dabei soll eine Scheibe zu Bruch gegangen und das Geschäft mit Farbe bedacht worden sein. …“
So gesehen, wird das Geschehnis in Güstrow wohl auch nichts anderes als eine „erneute direkte Aktion“ gewesen sein, bei der es etwas Glasbruch mit Farbanwendung gab. Möglich aber auch, daß hier nur einigen Leuten, das „bürgerliche Engagement“ durchgegangen ist, wie HEISE ONLINE dieser Tage im Zusammenhang mit dem Hacken nationaler Internetseiten meinte formulieren zu müssen. Eine Hand wäscht nun mal die andere und so lange die PDS-Genossen, es für nicht für nötig halten, ihre Klientel am Zügel zu halten, werden so beklagenswerte Aktionen dieser Art wohl auch künftig nicht der Vergangenheit angehören.
Siehe auch
Ostsee-Zeitung 30.12.08





9 responses so far ↓
1 Jo // Dec 31, 2008 at 9:40
http://awiro.blogsport.de/
… auch in Rostock, ist was sehr ärgerliches für die Antifanten geschehen …
2 Jo // Dec 31, 2008 at 10:37
http://de.indymedia.org/2008/12/237703.shtml
3 Bodenoffensive // Dec 31, 2008 at 11:05
Ja, nächstes Jahr wird der Feind einen Schock erhalten, den er nicht mehr vergessen wird.
Dafür werde ich schon sorgen, verlasst euch drauf.
§239b §239a StGB !!!
4 Journalistenkicker // Dec 31, 2008 at 13:06
Übrigens sehr belustigend die Flugblätter vom nationalen Widerstand : – )
http://tinyurl.com/9q9zoa
5 The Dude // Dec 31, 2008 at 13:56
Ja, ja der Schock sitzt tief. Was sind das denn für opportune Warmduscher??? Einerseits bei Aktionen gegen Thor Steinar Läden Beifall applaudieren, wenn normale Bürger sich einer Horde kostümierter Antifanten gegenübersieht, wenn er in den besagten Läden schaut. Da ist man schon schlaflos, wenn jemand (muss net mal einer der ANG sein) das Fenster entglast. Wer das eine gutheisst, muss das andere akzeptieren. Ist nicht als Gewaltaufruf gemeint, aber während Nationalisten auf offener Strasse von dem “demokratischen” Pöbel angemacht wird und um sein Leben fürchten muss (siehe Kevin) pupsen sich die roten Genossen schon bei einer Entglasung in die Hosen….
Wer Wind sät….
6 The Dude // Dec 31, 2008 at 13:58
Übrigens… ein Kind benötigt mehr Mut einen Apfel beim Nachbarn zu stibitzen, als das man Mut bräuchte um gegen Rechts zu sein… Das ist mittlerweile folkloristische Massenhysterie…
7 Sigurd // Dec 31, 2008 at 15:33
…*
Kameradschaftliche Grüße von Alex
*Schreib doch über die normale Kontaktadresse.
Die Schriftleitung
8 jochen // Dec 31, 2008 at 15:40
Gibt es ein Spendenkonto für diese Armen? Ich ahbe noch ca. EUR 12,50 für dieses Jahr übrig. Aber schnell bekanntgeben, sonst sind die auch weg.
9 Zille aus dem Zeckenmilljöh // Dec 31, 2008 at 16:34
“Es liegen leider noch keine Bilder vor, bitte hiermit das über Kommentare noch hinzuzufügen, sofern möglich. ”
Schon lange nichts mehr geklaut bei Endstation rechts?
http://www.endstation-rechts.de/images/stories/bilder/veranstaltungen/buendnis/dickkoepp20081226/dickkoepp2.jpg
http://www.endstation-rechts.de/images/stories/bilder/veranstaltungen/buendnis/dickkoepp20081226/dickkoepp1.jpg
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