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Die Analytiker – Angst vor möglichem NPD-Einzug in die Schweriner Stadtvertretung (03.01.09)

January 3rd, 2009 · Post your comment (9 Comments)

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Schwerin / Mecklenburg: Es ist mal wieder so weit. Die Kommunalwahlen stehen vor der Tür und werfen ihre ersten Schatten voraus. In den Städte- und Gemeindevertretungen des Landes Mecklenburg-Vorpommern wächst die berechtigte Furcht, daß man nach den Kommunalwahlen in den örtlichen Parlamenten nicht mehr allein im Kartell ist, sondern auch mit Vertretern der NPD rechnen muß. Schon jetzt ist davon auszugehen, daß die NPD überall dort, wo sie auch antritt, in die Kommunalparlamente einziehen wird. Was Wunder, wenn sich so mancher Berufs- und Gewohnheitsdemokrat inzwischen die Fünfprozentklausel zurückwünscht.

Da dies aber nicht möglich ist, versucht man es mit Drohungen und Verbotsgeschrei, deren Begründungen inzwischen derart auf haarsträubenden Lügen und Unterstellungen aufgebaut sind, daß mittlerer Weile selbst bislang treue Systemparteienwähler sich angewidert von ihren bisherigen Favoriten abwenden, um künftig entweder gar nicht mehr oder aber doch NPD zu wählen. Über die gegenwärtig in Schweriner Stadtvertretungskreisen umgehende Angst vor künftiger NPD-Beteiligung berichtet heute die SCHWERINER VOLKSZEITUNG. In Schwerin hatte man es unlängst noch als Erfolg gefeiert gehabt, den NPD-Vertreter Peter Jacob Marx von der Oberbürgermeisterwahl auszuschließen, wobei man derart an den Haaren herbeigezogene Gründe (Zweifel an der Verfassungstreue) anführte, daß selbst der dümmste Wähler erkannte, wie absurd Wahlen dieser Art sind. Das Ende vom Lied, die Masse der Wähler blieb zu Hause und das Rennen machte eine alte SED-Genossin aus der PDS.

Daß die NPD in die Schweriner Stadtvertretung einziehen wird, gilt eigentlich außer Frage. So erreichte sie bei den Landtagswahlen in der Stadt in verschiedenen Stadtvierteln bis zu sieben Prozent der Stimmen, ein Sockel auf dem sich aufbauen lässt, zumal die etablierte Politik seitdem ja nicht eben gerade besser geworden ist. Besondere Sorgen bereiten den etablierten Parteien dabei die Plattenbausiedlungen Schwerins. Als besonders NPD-günstig gesinntes Viertel gilt das Mueßer Holz. Hier erreichte die NPD die meisten Stimmen.

Dazu heißt es heute in der SCHWERINER ZEITUNG:
„…Dort gäbe es generell wenig Bereitschaft, „sich an politischen Prozessen zu beteiligen“, sagt Bernd Hallenberg, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des vhw, der die Situation in so genannten sozialen Brennpunkten Ostdeutschlands mit hoher Arbeitslosigkeit seit Jahren untersucht. Hallenberg fügt aber hinzu: „Wenn sich diese Bürger doch einmischen, dann neigen sie zur provokativen Haltung, was Extremen – linken wie rechten – das Tor öffnet.““

Die SCHWERINER ZEITUNG fragte nun in den etablierten Parteien nach, wie man den zu erwartenden NPD-Einzug in die Schweriner Stadtvertretung zu verhindern gedenke:

„…CDU
„Wir müssen den Bürgern deutlich machen, dass die NPD keine Alternative zu den demokratischen Parteien darstellt und dem Image Schwerins enorm schadet“, sagt CDU-Fraktionschef Gert Rudolf. Seine Partei werde mit „kompetenten Kandidaten und einem zukunftsfähigen Wahlprogramm“ das Gespräch mit den Schwerinern suchen. „Kommunalpolitiker sollten aber nicht nur im Wahlkampf in den Stadtteilen oder bei Vereinen und Verbänden auftauchen, sondern regelmäßig vor Ort sein“, so Rudolf. Wenig hilfreich seien hingegen Stadtvertreter, die wie jüngst ein Vertreter der Grünen in der Stadtvertretung es getan hätte, die Bundesrepublik als „Bananenrepublik“ bezeichnen würden.

Rudolf: „Solche Worte sind Wasser auf die Mühlen der Extremisten und gehören nicht in eine Stadtvertretung. Auch ist ein auf die Profilierung ausgelegtes, andauerndes Parteiengezänk sehr gefährlich, da es zur Politikverdrossenheit führt“. Zudem sollten verantwortungsvolle Kommunalpolitiker dem Bürger nicht Dinge versprechen, „die letztlich von einer Stadt so nicht leistbar sind“. Denn auch das treibe so manchen Enttäuschten in die Arme Radikaler, „die ganz klar unseren demokratischen Rechtsstaat abschaffen wollen“.

Linke
Den Einzug der NPD in die Stadtvertretung zu verhindern, könne nur gelingen, „wenn sich alle demokratischen Parteien einig sind und bei allem Trennenden gemeinsam für dieses Ziel stehen“, sagt Linke-Kreisvorsitzender Peter Brill. Daher begrüße seine Partei die Initiative des Bundes der Antifaschisten, der zu einer Beratung über den gesellschaftlichen Umgang mit der NPD eingeladen habe. „Noch wirkungsvoller wäre es, wenn in diesem Bündnis nicht nur die demokratischen Parteien, sondern auch andere gesellschaftliche Institutionen, wie zum Beispiel die IHK und die Handwerkskammer, aber auch die Kirchen, aktiv wären.“ Die Schweriner Linke werde ihre Kandidaten für die Stadtvertretung „gezielt auf die Auseinandersetzung mit rechtsextremistischem Gedankengut“ vorbereiten. Von großer Bedeutung sei aber auch, „durch eine sachorientierte Arbeit in der Stadtvertretung den Bürgern deutlich zu machen, dass diese Stadtvertretung keine Nazis braucht“.

SPD
„Demokratie-Flyer und Demonstrationen helfen nur wenig“, so Daniel Meslien, Fraktionsvorsitzender der SPD. „Da die NPD überwiegend bewusst aus Protest gewählt wird, dürfen wir Politiker den Menschen keinen Grund zur Protestwahl geben. Politischer Streit darf hart, muss aber sachlich sein. Kindische Polemik geht nach hinten los.“ Unverzichtbar, so Meslien weiter, sei, „dass wir Demokraten raus zu den Menschen müssen, da wo die Brennpunkte und Probleme sind.“ Sollte die NPD ins Stadtparlament einziehen, „müssen die demokratischen Parteien, die Medien und alle anderen demokratischen Kräfte zusammen halten“, sagt Meslien. Denn: „Nazis sind keine Lösung. Sie werden zum Problem – für alle Menschen.“

Unabhängige
Silvio Horn, Fraktionschef der Unabhängigen Bürger, fordert: „Die demokratischen Kräfte der Landeshauptstadt müssen gemeinsam auftreten gegen Extremismus, Intoleranz und Menschenverachtung, Haltungen, die insbesondere von der NPD vertreten werden.“ Fraktion und Wählergemeinschaft der Unabhängigen Bürger würden sich daher am Aktionsbündnis gegen Rechts, das sich im Vorfeld der Kommunalwahl konstituiert habe, beteiligen. „Es ist geplant, gemeinsam eine Schulhof-CD mit Schweriner Bands herauszugeben. Wir werden im Wahlkampf daraufhinwirken, die Bürger über die wirklichen Ziele der NPD und anderer extremistischer Bewegungen aufzuklären“, sagte Horn. Die Gefahr, dass die NPD mit einem oder zwei Mandatsträgern in die Stadtvertretung einzieht, sei durchaus vorhanden. „Wir werden an keiner Wahlveranstaltung teilnehmen, wo Kandidaten der NPD auftreten wollen“, so Horn. Sollte die NPD Stadtvertreter stellen, würden die Unabhängigen in keiner Form mit den Rechtsextremen zusammenarbeiten.

Bündnisgrüne
Dr. Edmund Haferbeck von den Bündnisgrünen: „Wer Stadtteile vernachlässigt und ausblutet, in denen die Rechten vereinzelt bis zu 70 Prozent Zustimmung erhalten, muss sich vorhalten lassen, Appelle zur Ausgrenzung der NPD nur zu heucheln.“ Es liege in den Händen sämtlicher demokratischer Stadtfraktionen, den Rechtsextremen den politischen Boden zu entziehen, so der bündnisgrüne Stadtvertreter.“

Wohlklingende Worte und echte Beweise wahrhaft hehrer demokratischer Gesinnung, die den Schwerinern – und nicht nur denen – zeigen, daß es hier nicht um Parteien geht, sonder um ein Parteienkartell, dem zur Verteidigung seiner Pfründen jedes erdenkliche Mittel recht ist.
Was davon zu halten ist, macht jedoch vielleicht folgender Leserkommentar aus der gleichen Zeitung deutlich, ein Kommentar, der im Grunde recht gut illustriert, was man im Lande von all diesen selbstgerechten demokratischen Politikern wirklich hält – und möglicherweise nicht nur auf kommunaler Ebene:
„Probleme analysieren können sie alle gut. Probleme beseitigen alle nicht. Weitere Gemeinsamkeit: Das eigene Versagen verschweigen.
Der Wahlkampf hat begonnen
Jetzt ist die Kacke am dampfen. Alle Schubladen der Trickkiste werden geöffnet. Da wird versprochen und gelogen, das sich die Balken biegen. Die Wähler an der Nase herumgeführt und ihm das blaue vom Himmel versprochen. Die Angst geht um, das die eigenen Felle wegschwimmen.
Gott sei Dank, entscheiden die Wähler – und jeder für sich.“

Kantengeber Armin Jäger

Ja, diese Entscheidung trifft der Wähler allein und der Politiker hat Grund sie zu fürchten. Es ist daher wenig erstaunlich, wenn sich der Haß gegen die NPD und alles Nationale in diesen Tagen förmlich vervielfacht. So verlangte CDU-Fraktionschef Armin Jäger, ein übrig gebliebener Buschzulagen-Wessi aus Rheinland-Pfalz, der aussieht, als wäre er ein direkter Verwandter von Ex-DDR-Staatschef Egon Krenz, schon mal prophylaktisch:
“Im bevorstehenden Superwahljahr müssen die Demokraten unter Beweis stellen, dass die wehrhafte Demokratie nicht nur eine Floskel für politische Debatten ist.” In diesem Zusammenhang ließ Jäger schon mal wissen, daß jeder, der sich in die NPD einreihe oder sich für sie zur Wahl stelle, mit gesellschaftlicher Isolation zu rechnen hätte. Wörtlich sagte er:
“Es gilt, jene die sich aktiv in Kameradschaften und NPD engagieren, aus dem gesellschaftlichen Leben in den Dörfern und Städten auszugrenzen.” Dies gelte, so Jäger, auch für den Kaninchenzüchterverein genauso wie für den Sportverein, die Feuerwehr, den Karnevalsclub oder den Gesangsverein.

Ob ein solcher Beweis christdemokratischer Demokratietüchtigkeit die Wähler Mecklenburg-Vorpommerns dieses Jahr in Scharen an die Urnen locken wird, um ihr Kreuzchen am rechten Fleck zu machen?
Nach unserem Dafürhalten wird das eigentliche Problem der NPD zu den bevorstehenden Kommunalwahlen darin bestehen, nicht ausreichend Vorzeigbare und zumindest halbwegs qualifizierte Kandidaten zu haben, um die ihr zufallenden Mandate zu besetzen. Dabei sollte man jedoch auch nicht überall und um jeden Preis antreten wollen, sondern nur dort, wo man auch sicher sein kann, daß die aufgestellten Kandidaten später aufgrund ihrer Unfähigkeit nicht die ganze Innung blamieren, aber unsere Meinung ist natürlich nur rein privat und keineswegs maßgeblich.

Siehe auch
Schweriner Volkszeitung 03.10.09

Nordkurier 31.12.08



Tags: Allgemeines

9 responses so far ↓

  • 1 Lucifer // Jan 3, 2009 at 8:32

    Nur eine stete, seriöse Basisarbeit in Stadt-und Gemeinderäten macht langfristigen Erfolg und nicht zuletzt einen sicheren Wiedereinzug in den Landtag möglich. Darüber hinaus ist gesell. Mitarbeit in Freiwilliger Feuerwehr, Vereinen und beim DRK wichtig – das gilt nicht nur für MV, sondern für alle Regionen Deutschlands. Kommunalpolitik bildet ungemein, erhöht den Bekanntheitsgrad des Mandatsträgers erheblich, zwingt den Gegner zur sachlichen Auseinandersetzung mit nationalen Positionen, verstärkt die Medienpräsenz des/der Abgeordneten im regionalen Raum(Stadt&Landkreis) und gibt v.a. der NPD (möglichst symphatische) Gesichter!

  • 2 Oliver N. // Jan 3, 2009 at 9:31

    Ob sich auch genügend potentielle Wähler bei den entsprechenden Medien informieren?
    Ich persönlich bekomme meist kaum etwas vom Kampf gegen Rechts mit.. außer auf entsprechenden Seiten auf welche der normale Bundesbürger wohl nicht all zu häufig zugreifen wird.

  • 3 Deja // Jan 3, 2009 at 9:58

    Wer als Wähler genau beobachtet, wie sich das Gebahren sogenannter etablierter Parteien immer weiter ins Lächerliche entwickelt, wie die Ausgrenzungspläne dieses “Jägers” zeigen, wird nicht umhinkommen, dieses “Superwahljahr” dazu zu nutzen, sich an der allgemeinen pplitischen Exekution der etablierten Volksverratsparteien an der Wahlurne zu beteiligen.

  • 4 Peter // Jan 3, 2009 at 10:43

    Das übliche Gejammer. Die NPD kann aus den Verhältnissen der Zukunft nur profitieren, wenn man weiterhin eine klare Fundamentalopposition ist und bleibt. Hoffen wir, dass es für die NPD in MV klappt.

  • 5 Eildog // Jan 3, 2009 at 11:10

    Hm, nächstes Jahr gibts 8 Kommunalwahlen. Wäre schön, zu erfahren, wo die NPD überall antritt. Sachsen und MV dürfte klar sein, aber der Rest?

  • 6 Freibeuter // Jan 3, 2009 at 11:34

    Speist sich ein möglicher Stimmenzulauf für die NPD allein aus dem Versagen des “demokratischen” Parteienestablishments oder ist es das tatsächlich ein vom potentiellen Wähler entgegengebrachtes “Vertrauen”, das hier den Optimismus nährt ?*

    Gemessen an den bisherigen kommunalpolitischen Leistungen der NPD in MV gehen wir mal von der ersten Variante aus, aber wer weiß, vielleicht ist ja beim nächsten Mal auch alles anders.
    Die Hoffnung höret nimmer auf.
    Die Schriftleitung

    Letzteres sollte die erfreuliche Basis sein, erstes allein wäre bischen dürftig, da die Mandate rein aus einer “Protestwahl” hervorgegangen wären. Ein “Schill”-Effekt, ein Strohfeuer wäre das mittel.- bis langfristige Ergebnis.

    Amokläufern und Sowjet-Apparatschiks für ganz Arme – im Stil des “Wessis” Jäger – sollte in jedem Fall – nach dessen Worten – “klare Kante” gezeigt werden, insbesondere im Hinblick auf die scheinheilige Debatte über Extremismus, die er neuerlich vom Zaun brach und letztlich auf “rechts” eingrenzte, ganz so, als bedeutete “links” dies nicht.

    Und das sonstige Demokraten-Wortgeklingel ? Typisch und nicht neu bei den Lizenzdemokraten.

    Schon der alte Otto von Bismarck seligen Andenkens brachte es bereits vor über 100 Jahren auf die zutreffende Formel :

    “Es wird niemals so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd”

    Ein entsprechendes T-Hemd (Neusprech : Tiiishöört) gibt es aktuell hier : http://www.amazon.de/Otto-F%C3%BCrst-von-Bismarck-niemals/dp/B0015OAVLS

  • 7 Nachgedacht // Jan 3, 2009 at 12:24

    Ich rate dem mitteldeutschen Wähler dringend, in westdeutsche Städte wie Frankfurt, Köln, Mannheim, München, Berlin zu schauen. Da kann er die Politik von CDU/CSU/SPD/FDP und – last but not least – der Grünen und Neokommunisten bewundern.

    Falls er diese Zustände für seine Dörfer und Städte ebenfalls wünscht, nur zu. Immer hurtig das Kreuz bei den ach so demokratischen Parteienkartell gemacht und westdeutsche Zustände sind im sicher.

  • 8 Loreley // Jan 3, 2009 at 19:47

    Wenn sich alle demokratischen Parteien gegen die NPD verbünden wollen, wer ist denn dann noch da? Nicht einmal mehr der Pastor wird dabei sein können,oder ist der etwa noch demokratisch?

  • 9 Benno // Jan 8, 2009 at 9:13

    Gemessen an den kommunalpolitischen Leistungen der NPD in MV dürfte die NPD keine einzige Stimme erhalten. Schauen wir doch nach Stralsund oder noch besser in den Müritzkreis. Bei einem Intelligenzwettbewerb zwischen diesen NPD-Volksvertretern und einem Schrubberstiel wäre das Ergebnis sicher sehr lange offen. Am Ende setzte sich dann der Klügere, also der Schrubberstiel durch.
    Die kommunalpolitische Kompetenz der NPD-Leute tendiert doch gegen Null. Darum wähle ich doch lieber gleich den Schrubberstiel.

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