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Die JUNGE WELT und die Zensorin des Tages (20.07.06)

July 20th, 2006 · Post your comment (2 Comments)

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Hildigund Neubert

Erfurt / Jena: Von der linken JUNGEN WELT zur „Zensorin des Tages“ gekürt, wurde heute die Thüringer Landesbeauftragte für Stasi-Unterlagen Hildigund Neubert. Das frühere FDJ-Blatt mit dem Namen eines noch früheren HJ-Blattes wirft der Dame vor, sich in einem „in Jena herausgegebenen Anzeigenblättchen“ gebrüstet zu haben, daß auf ihre Initiative hin ein offenkundiges Propagandabild des DDR-Malers Werner Tübke (1929-2004) aus einer Ausstellung des Landtages entfernt worden wäre.

JUNGE WELT: „Das Bild zeigt den Leichnam eines Kommunisten, den ungarische Faschisten 1956 erhängt hatten. Frau Neubert findet kein Wort der Anklage gegen derartige Morde, kein Wort des Bedauerns für die Opfer – für sie ist es offenbar selbstverständlich, daß Kommunisten straflos gemeuchelt werden dürfen. Anstoß nimmt sie aber daran, daß Tübke die Täter als das beschrieb, was sie waren: Faschisten. Und deswegen mußte das Bild weg.“

”Weisser Terror in Ungarn” – Inkriminierte Tübke-Zeichnung. Künstlerisch durchaus ansehnlich, inhaltlich allerdings reine Propaganda und vergessend, daß dem „weißen“ der rote Terror vorausging.

Hier handelt es sich offenbar um einen besonders krassen Rückfall in den Betonstalinismus, so ist allgemein bekannt, daß es sich beim ungarischen Aufstand von 1956 um alles andere handelte, als um eine „faschistische“ Revolution. Statt dessen handelte es sich bei diesem um einen Versuch des ungarischen Volkes, sich vom Sowjet-Regime und seinen einheimischen Kollaborateuren zu befreien. Bezeichnenderweise standen an der Spitze dieses Aufstandes nicht etwa „Faschisten“, sondern durchaus auch Kommunisten wie beispielsweise Imre Nagy, denen die Unabhängigkeit ihres Landes gegenüber der Auspressung durch die Sowjetunion vorging.

Natürlich gab es dabei auch Ausschreitungen, denen nicht wenige Kommunisten zum Opfer fielen, wer aber die ungarische Geschichte von 1945 bis 1956 kennt, der weiß auch, daß es sich bei diesen „Opfern“ um die tragischen, aber nicht überraschenden Ergebnisse einer jahrelangen Terrorpolitik gegen das ungarische Volk handelte, daß nunmehr gegen seine Peiniger zurückschlug. Das Bild Tübkes verherrlichte daher nicht etwa einen Kommunisten, den man wegen seiner Meinung verfolgt und ermordet hatte, sondern einen ganz gewöhnlichen kommunistischen Verbrecher, der letztlich Opfer der Volksrache geworden ist.

Hier gar von Bilderstürmerei sprechen zu wollen ist lächerlich, zumal es ja gerade Blätter wie die JUNGE WELT sind, die gegen dergleichen durchaus nichts einzuwenden haben, wenn es sich dabei um Künstler handelt, die außerhalb der linken Werteskala stehen. Erstaunlicherweise ist dort dann alles NS-Propaganda, während man sich im artverwandten Fall bei der eigenen Klientel auf die Freiheit der Künste beruft. Man denke in diesem Zusammenhang nur an die gegenwärtige Diskussion um die Breker-Ausstellung in Schwerin, die morgen beginnt.

Förmlich zur Possenhaftigkeit neigt die JUNGE WELT, wenn sie Neubert gar „rechte“ Tendenzen unterstellt, so schreibt sie außerdem:
„…Frau Neubert ist der lebende Beweis dafür, daß viele der ehemaligen DDR-Bürgerrechtler von rechten Positionen ausgingen. Sie, die höchste moralische Maximen für sich beanspruchten, landeten oft in derjenigen Partei, die von sich dasselbe behauptet, aber das Gegenteil tut: in der CDU. …“
Alles in allem Vorwürfe die Neubert vielleicht verdient haben mag, aber ganz gewiß nicht von der JUNGEN WELT. So ist deren politisches Umfeld bekanntlich auch dafür berühmt, von höchsten moralischen Maximen zu faseln, die sich dann allerdings sehr schnell in Luft auflösen, sobald man die reale Macht erlangt hat. Die Tiraden des Blattes machen daher im Grunde nur eines deutlich, nämlich, daß es bei der JUNGEN WELT nach wie vor Mitarbeiter gibt, die seit 1989 weder etwas vergessen, noch etwas dazu gelernt haben.

Was hingegeben Tübke betrifft, so muß man zu dessen Werken jedoch sagen, daß diese sich qualitativ durchaus positiv von dem unterscheiden, was man heutzutage im allgemeinen so als „Kunst“ ausgibt. So sind Ausstellungen seiner Bilder durchaus sehenswert und durchaus auch für Landtage geeignet, allein reine Propagandadarstellungen haben dort nichts zu suchen. In dem Fall sollte man sich als Ausstellungsraum wohl doch besser eine PDS-Zentrale suchen oder wegen unser auch den Dachboden der JUNGEN WELT.

Siehe auch
Junge Welt 20.07.06

Zu Hildigund Neubert

Quelle: Störtebeker-Netz 20.07.06

Tags: Allgemeines

2 responses so far ↓

  • 1 sirius // Jul 20, 2006 at 19:35

    Die trübe Rolle der Juden in Sowjet-Ungarn

    Von den sieben Mitglieder des Zentralkomitee der KP Ungarns (Stand per anfang der 50-er Jahre) wareb fünf Juden, die aus der Emigration aus Moskau hinter der Roten Armee zurückkehrten, das Land mit Terror überzogen, die politischen Gegner umbrachten oder nach Sibirien deportieren liessen und das Eigentum entschädigungslos enteigneten, sowie den ersten grossen Schauprozess über Laszlo Rajk inszenierten.

    KUN Bela
    Geburtsname: Kohen/Kohn
    1885 – 1937
    War schon vor 1914 sehr aktiv in revolutionären linken Kreisen in Ungarn. Geriet während des 1. Weltkrieges in russische Ge-fangenschaft, wo er sich den Bolschewiki anschloss. Rückkehr 1918 nach Ungarn, wo er im Jahre 1919 die führende Rolle in der Ungarischen Räterepublik spielte. Auf das Konto dieses Terrorregime, das sich einige Monate am Ruder hielt, geht die Ermordung Hunderter von politischer Gegner. Ganz speziell hat er sich auch als Antisemit betätigt, indem er aus Polen einge-wanderte Juden deportieren oder umbringen liess und ihnen Hab und Gut wegnahm. Nach Sturz der Räterepublik Emigration in die Sowjetunion und unter Stalin verantwortlich für Terror und Deportationen auf der Krim. Im Rahmen der Säuberungen im Gefängnis gefoltert und auf Befehl von Stalin ermordet

    GERÖ Ernö
    Geburtsname: Singer
    1891 – 1980
    Mitglied der KP Ungarns seit 1918, spielte eine führende Rolle in der Räterepublik unter Bela Kun, nach dem Sturz der Rätere-publik Flucht nach Wien, Rückkehr 1922 nach Ungarn in den Untergrund. Verhaftung und zu einer langen Freiheitsstrafe ver-urteilt, nach kurzer Zeit jedoch Abschiebung in die Sowjetunion. Berater der Komintern in Frankreich und Belgien mit subver-siver Tätigkeit. Berüchtigt als Komintern- und NKWD-Berater während des spanischen Bürgerkrieges, wo er gnadenlos angeb-liche Trotzkisten in den internationalen Brigaden ausrottete. Rückkehr mit der Roten Armee nach Ungarn 1945, Mitglied im Politbüro und verantwortlich für Wirtschaft und für Sicherheits- fragen (Geheimdienst) Während der Revolution 1956 Flucht in die Sowjetunion, Rückkehr nach Ungarn 1962 und Ausschluss aus der Partei wegen seiner unrühmlichen Beteiligung an den Schauprozessen, ohne dass ihm je seinerseits der Prozess gemacht wurde, er starb friedlich im Bett. Gerö war der meistgehasste und verachteste Mann in Ungarn!

    FARKAS Mihali
    1903 – 1965
    Mitglied der KP Ungarns seit 1921, vorwiegend im Untergrund tätig. Verhaftung im Jahre 1925 und Emigration 1929 in die Sowjetunion, dort tätig in der Leitung der kommunistischen Jugendinternationale und Führungsmitglied der Exilpartei. 1945 Rückkehr nach Ungarn, Mitglied im ZK und Politbüro, Verteidi-gungsminister in den Jahren 1949-1953. War neben Rakosi und Gerö der mächtigste Politiker dieser Zeit in Ungarn. Wegen seiner Rolle in den Schauprozessen 1956 aus der Partei entfernt

    REVAI Joszef
    1898 – 1959
    Mitglied der KP Ungarns seit 1918, nach dem Sturz der Räte-republik Emigration in die Tschechoslowakei, Rückkehr 1930 nach Ungarn, Verhaftung und dann Emigration in die Sowjet-union 1933. Tätig im Exekutivkomitee der Komintern. Rück-kehr 1945 nach Ungarn, Mitglied im Politbüro und verant-wortlich für Kultur und Propaganda, Chefredaktor der Partei-zeitung. Wegen seiner Rolle in den Schauprozessen 1953 aus dem Politbüro entfernt, zog sich dann aus der Politik zurück

    RAKOSI Mathyas
    Geburtsname : Roth
    1892 – 1971
    Wie Bela Kun war Rakosi sehr aktiv in linken Kreisen Ungarns vor dem 1. Weltkrieg. Organisierte 1918 die ungarische kommu-nistische Partei und hatte in der Räterepublik führende Positio-nen inne. Nach Sturz der Räterepublik kurze Emigration nach Oesterreich und nach Rückkehr nach Ungarn verhaftet, zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt, 1940 freigelassen und im Austausch gegen Fahnen in die Sowjetunion abgeschoben.
    Rückkehr nach Ungarn im Jahre 1945 im Gefolge der Roten Armee und bis 1954 erster Sekretär der Ungarischen KP. War als überzeugter und harter Stalinist massgebend auf Aufbau des kommunistischen Terrorregimes in Ungarn verantwortlich, wo-bei er auch hohe Regierungspositionen innehatte. Unter seiner Verantwortung und Veranlassung wurden in den Jahren 1947-1956 Tausende unschuldiger Bürger ins Gefängnis geworfen, gefoltert, zu langen Haftstrafen verurteilt oder nach Sibirien deportiert, von wo die meisten nicht mehr zurückkehrten.
    Mathyas Rakosi wollte nach eigener Einschätzung der “Stalin Ungarns“ sein, er war machthungrig, skrupellos und er hat auf Drängen Stalins und Berijas im Jahre 1949 den ersten Schaupro-zess um Laszlo Rajk inszeniert und damit die gnadenlose Welle der Prozesse und Säuberungen in den osteuropäischen Staaten losgetreten. Rakosi hat bei der Regierung in Prag interveniert und auf Säuberung der tschechoslowakischen Partei gedrängt, was dann 1952 zum Schauprozess um Rudolf Slansky führte

    VAS Zoltan
    Geburtsname: Weinberger
    1903 – 1980
    Mitglied der KP Ungarns seit 1919, Verhaftung im Jahre 1925 und mit Rakosi 1940 in die Sowjetunion abgeschoben. Führungs
    Mitglied der ungarischen Exilregierung. Rückkehr 1945 nach Budapest. War Mitglied im Politbüro und Zentralkomitee und hatte auch hohe Regierungsämter inne. 1953 aus dem Politbüro ausgeschlossen. Vas schloss sich 1956 Imre Nagy an, wurde mit ihm nach Rumänien deportiert, blieb aber unbehelligt

    PETER Gabor
    1911 –
    “Der ungarische Berija“
    Mitglied der illegalen KP Ungarns seit 1931 und im Untergrund tätig. Nach 1945 Mitglied im Zentralkomitee und Chef der un-garischen Staatsicherheitsbehörde AHV (Geheimdienst). Die AVH ist verantwortlich für die unmenschlich durchgeführten Schauprozesse in den Jahren 1949 - 1953 mit Folterungen, Mord, Deportationen von Tausender unschuldiger Menschen, Politiker, Parteimitglieder und politischer Gegner, auch Sozial-demokraten und Mitglieder der ehemaligen Bauernpartei. 1957 wegen seiner Beteiligung an den Schauprozessen zu einer Ge-fängnisstrafe verurteilt, 1959 amnestiert, genoss den Ruhestand

  • 2 griesgram // Jul 21, 2006 at 1:20

    der ewige…
    Nie vergessen!

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