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Ähnlich wie in Deutschland, so besteht auch das nationale Parteienspektrum in Italien aus verschiedenen Parteien unter denen in der Vergangenheit besonders der MSI (Movimento Sociale Italia) als Sammelbecken der früheren Faschisten hervorragte. Nach dem Zusammengehen mit der Fuorza Nuova des Medienmoguls Silvio Berlusconi verwandelte sich die Partei als „Alleanza Nazionale“ unter Fini jedoch mehr und mehr in eine bürgerliche Partei, die sich nicht nur von ihrem alten Parteinamen lossagte, sondern auch von ihrer Vergangenheit. Anlaß für nicht wenige Parteiangehörige, die sich mit den ursprünglichen Idealen der Partei verhaftet fühlten, die Partei zu verlassen und sich politisch selbständig zu machen.
Eine der Gründungen, die auf diese Weise in den Neunzigern ins Leben gerufen wurden, ist der von Giorgio Pisano begründete „Movimento Fascismo e Liberta (MFL)“. Eine Partei die sich in Tradition der sogenannten „Republik von Salò“ sieht, jenem politischen Versuch Benito Mussolinis nach seinem Sturz wieder an die sozialrevolutionären Ursprünge des Faschismus anzuknüpfen. Nach dem Tode Pisanos übernahm den Parteivorsitz Carlo Gariglio, der im November von der italienischen Zeitschrift „Perché“ (dt. Warum) veröffentlicht wurde. Das Blatt erscheint im Süden Italiens. Wir zitieren wie folgt:
| Carlo Gariglio |
Dr. Gariglio, was genau ist die Bewegung „MovimentoFascismo e Libertà“?
„Der MFL wurde durch Giorgio Pisanò als politische Bewegung ins Leben gerufen, um den Faschismus als gleichberechtigte Kraft auf das politische Parkett Italiens zurückzubringen; wir, welche dem bedauerlicherweise verstorbenen Pisanò seit den Gründungstagen der Bewegung gefolgt sind, sind nun dessen Zeugen, und wir versuchen mit allen Kräften, die Bewegung in ihrer Einzigartigkeit zu verteidigen. Wir werden immer wieder von geschmierten Individuen aus allen politischen Lagern angegriffen; viele Leute wünschten, wir würden einfach verschwinden.“
Wo sehen Sie sich auf der italienischen Politbühne?
„In seinem Dasein als einzige politische Bewegung, die sich offen zum Faschismus bekennt, steht der MFL in einem absoluten Gegensatz zu allen anderen Parteien, egal ob sie nun links oder rechts stehen. Obwohl wir uns unserer geringen Grösse durchaus bewusst sind, wagen wir es, uns als den einzig wahren „dritten Pol“ der italienischen Politik zu bezeichnen. Vor allem sind wir die einzige Alternative, weil wir nie danach gieren werden, von einem der beiden anderen „Pole“ (Berlusconis Mitte-Rechts Bündnis und die linke Opposition. Anm. d. Übers.) akzeptiert - oder sogar darin integriert zu werden. Natürlich können wir in einzelnen praktischen Angelegenheiten mit den Entscheidungen und Bewertungen anderer übereinstimmen, aber das hält uns nicht davon ab, uns ideologisch ganz scharf von den anderen abzugrenzen.“
Was unterscheidet den MFL von den Parteien der extremen Rechten Italiens?
„Ich könnte sagen, dass der ganze Unterschied schon in der Frage selbst steckt: Wir sind nicht „rechts“, egal ob radikal, gemässigt oder was auch immer, somit haben wir mit den entsprechenden Parteien kaum etwas gemeinsam. Es stimmt in der Tat, dass es Parteien der extremen Rechten gibt, welche in der faschistischen Szene Anerkennung suchen und auf Stimmenfang gehen; genau so stimmt es, dass wir hin und wieder mit den Meinungen einiger dieser Parteien übereinstimmen, aber da der Faschismus eine politische Kraft ist, welche sich nicht vollends mit der Rechten decken kann, ziehen wir es vor, unseren Kampf für den Faschismus alleine fortzuführen. Die anderen können sich von mir aus gerne mit „rechter“, „national-völkischer“ oder was weiss ich was für Politik vergnügen.“
Ist es 2005 noch angebracht, sich als harten und reinen Faschisten zu bezeichnen?
„Was bedeutet „hart und rein“? Entweder ist man Faschist, oder man ist es nicht… Es gibt in diesem Zusammenhang keine Abstufungen für das Mass einer gemässigten oder extremen Haltung! Und warum sollte der Faschismus heute nicht zeitgemäss sein? Ist es nicht zeitgemäss zu versuchen, Italien jene revolutionären sozialen Gesetze zurückzugeben, um welche damals die ganze Welt den Faschismus beneidete? Ist es nicht zeitgemäss, einen Schutz für die weniger wohlhabenden Klassen zu verlangen und gleichzeitig der Habgier der bürgerlichen und wohlhabenden Kreise einen Riegel vorzuschieben? Ist es nicht zeitgemäss, Wohneigentum für alle italienischen Familien herbeizuwünschen?
Kostenlose Schulbildung, Sommerferienlager für Kinder aus armen Verhältnissen, Steuerentlastungen für die niederen Einkommen, Arbeit für alle… Das sollen nicht zeitgemässe Angelegenheiten sein? Was wären denn in dem Fall aktuelle Vorstösse? Die Bomben der Anarchisten? Oder der Kommunismus jener Taugenichtse, die unsere Städte verwüsten im Namen einer Ideologie, welche, wo immer sie geherrscht hat, nichts als Trauer, Hungersnot, Verfolgung und Tod gebracht hat? Sollte es so sein, dann ziehen wir es wirklich vor, als unzeitgemäss zu gelten!“
Fascismo e Libertà, Faschismus und Freiheit, warum dieser Doppelname?
„Ich würde es vorziehen, das Bindewort „e“ (Deutsch: Und) durch das Verb „è“ (Deutsch: Ist) zu ersetzen, aber da es sich dabei um den Namen handelt, den Giorgio Pisanò für die Bewegung gewählt hat, haben wir ihn seit der Gründung des MFL (25. Juli 1991) unverändert gelassen. Ursprünglich wollte damit Pisanò einen Satz Almirantes (Mitbegründer des neofaschistischen MSI. Anm. d. Übers.) würdigen, in dem er aussagte, die Mission der modernen Faschisten sei es, die Werte des historischen Faschismus mit den garantierten Freiheiten der neuen italienischen Staatsform in Einklang zu bringen. Allgemeiner ausgedrückt, wollen wir mit diesem Doppelnamen unterstreichen, dass ein Zusammenleben von Faschismus und Demokratie möglich ist, denn um die faschistischen Forderungen durchzusetzen, braucht es weder Waffen noch gewalttätige Übergriffe.“
Das Erbe der National-Faschistischen Partei bleibt eine grosse Verantwortung
„Bis zu einem gewissen Punkt… Ich bin jetzt 41 Jahre alt, währenddem die allergrösste Mehrheit unserer Mitglieder aus sehr jungen Leuten besteht. Wer ursprünglich die Verantwortung gehabt hätte, den jungen Leuten das faschistische Erbe zu übermitteln, hat kläglich versagt. Eine ganze Generation ehemaliger RSI Kämpfer (Kämpfer der Italienischen Sozialrepublik 1943 – 1945. Anm. d. Übers.) hat es vorgezogen, die Werte des Faschismus zu verraten, indem sie sich der Alleanza Nazionale oder anderen rechten Parteien verkauft hat. Noch Schlimmeres gilt für jene Elemente, welche sich direkt der Linken angeschlossen haben!
Diese Leute haben es vorgezogen, ihre Erinnerungen in Buchform zu vergolden (über deren Echtheit wir noch lange diskutieren könnten…) und die Gedenkfeiern des Faschismus zu vermarkten, anstatt als Führer in die Politik einzusteigen um den Jungen den Faschismus nahe zu bringen. Häufig sehen wir uns sogar mit äusserst wichtigen Dokumenten konfrontiert, die den Faschisten selbst unbekannt sind; ich möchte als Beispiel das berühmte Urteil des Obersten Militärgerichts vom 26. 04. 1954 nennen, welches die Kämpfer der RSI als reguläre Truppe definiert, währenddem die so genannten „Partisanen“ als Banditen bezeichnet werden.
So gesehen können wir keine Verantwortung tragen, die bereits von jenen verraten worden ist, die sie als erste hätten tragen müssen; wenn wir schon auf etwas stolz sind, dann darauf, dass wir eine Ideologie weiter verfolgen, welche von den eigenen Anhängern der alter Garde entweder aufgegeben worden ist oder zu Gunsten eines ruhigen Lebens oder persönlicher Interessen geheim gehalten wird.“
Was ist Ihre Meinung zu den aktuellen religiösen Konflikten?
„Eben weil wir Faschisten sind, grenzen wir uns von all jenen Idioten ab, die uns in Kreuzzüge und /oder absurde Glaubenskriege hineinziehen möchten. Mussolini hat die Lateranverträge unterschrieben, aber er hat nicht im Traum daran gedacht, irgendwelche Religionen zu verbieten oder Nichtkatholiken zu verfolgen.
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| Angehörige des MFL demonstrieren in Mailand gegen die israelische Besetzung Palästinas – 27.11.2005 |
Im Gegenteil, er hat mit ganzer Kraft die islamischen Befreiungsbewegungen unterstützt, welche sich gegen die französischen und britischen Kolonialmächte erhoben, er empfing den Grossmufti von Jerusalem und wurde zum Schwert des Islam. Heute finden es viele Möchtegernfaschisten für notwendig, als katholische Fundamentalisten aufzutreten, indem sie die Kreuzzüge feiern. Für uns hat jeder religiöse Glaube dieselbe Daseinsberechtigung, und niemand darf die Bewegung als Plattform missbrauchen, um jemanden zur Annahme (oder Aufgabe) eines bestimmten Glaubens zu bewegen. Im MFL macht man faschistische Politik; der Glaube gehört in die Privatsphäre eines jeden Individuums, und wir sind überzeugt davon, dass ein islamischer Kamerad viel wertvoller ist als ein katholischer Antifaschist.“
Siehe auch
Fascismo e Liberta“>Fascismo e Liberta
Quelle: Störtebeker-Netz 28.12.05





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