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„Es rasseln die Ketten, es dröhnt der Motor, Panzer rücken in Afrika vor …“ – Bundeskabinett beschloß Kongo-Einsatz (18.05.06)

May 18th, 2006 · Post your comment (15 Comments)

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Berlin: Bundesdeutsche Gutmenschlichkeit stößt sich bekanntlich ganz gern alten Sprüchen, so zum Beispiel dem, der da besagt, daß am deutschen Wesen einmal die Welt genesen soll. Tatsächlich handelt es sich bei diesem Spruch jedoch um ein entstelltes und keineswegs forderndes Zitat aus dem Gedichte Emanuel Geibels „Deutschlands Beruf“ aus dem Jahre 1861 und hört sich im Original so an: „Macht und Freiheit, Recht und Sitte,
Klarer Geist und scharfer Hieb
Zügeln dann aus starker Mitte
Jeder Selbstsucht wilden Trieb,
Und es mag am deutschen Wesen
Einmal noch die Welt genesen.“

Eigentlich sollte man meinen, daß solche Weisheiten nichts mehr für unsere Tage sind. Doch weit gefehlt. Nicht genug mit der direkten und indirekten Beteiligung Deutschlands an Kriegseinsätzen, wie in Serbien, Somalia oder Afghanistan und im Irak trachtet die jetzige Bundesregierung ihre Vorgänger noch zu übertrumpfen, indem sie die Bundeswehr in den Kongo schickt, um, wie es heißt, mit dafür zu sorgen, daß dort frei gewählt werden kann. Damit dies auch so recht freiheitlich gelingt, plant die EU insgesamt 1700 Soldaten dorthin zu entsenden. Kein Wunder also, daß man vor Ort längst mißtrauisch geworden ist, ahnt man dort doch bereits, daß es hier weniger um die Durchsetzung freier Wahlen geht, sondern vielmehr um die Wahl eines geeigneten Kandidaten, der dem Interesse von EU und USA weitestgehend genüge tut und nicht bei der Ausbeutung der Bodenschätze des Landes durch das Ausland stört. Ja, man muß auch keineswegs erst Experte sein, um zu erkennen, daß dieser Einsatz keineswegs von selbstlosem Interesse für den Erhalt einer Demokratie, die nie wirklich eine Demokratie war, ist, sondern blanker Neokolonialismus.

Seit gestern ist es nun offiziell, daß die Bundeswehr sich mit bis zu 780 an dieser Aktion beteiligt. 280 mehr als ursprünglich vorgesehen. Ein Teil der Truppe soll allerdings nicht im Kongo, sondern als Reserve im benachbarten Gabun stationiert werden, wo die ehemalige Kolonialmacht Frankreich eigene Truppen unterhält. Geleitet wird der Auslandseinsatz von Potsdam aus. Begründet wird der Einsatz im Kongo von “Verteidigungs”-Minister Franz Josef Jung (CDU) damit, daß Deutschland Interesse daran habe, „daß sich der Kongo in eine stabile, friedliche Entwicklung begibt“, weil Afrika der Nachbarkontinent Europas sei. Mal ehrlich, es gab schon originellere Begründungen, um sich in die Angelegenheiten fremder Völker einzumischen. Interessant ist auch die Kostenfrage, sprach man im März noch von 20 Millionen, so liegen die offiziellen Berechnungen schon bei 56 Millionen. Ähnlich wie bei den Kosten für das „Holocaust“-Denkmal oder bei der Wiedergutmachung für Juden und „Zwangsarbeiter“ allgemein ist wohl auch hier noch nicht abzusehen, wie hoch die Kostenspirale für diesen Einsatz wirklich wird.

Während CDU und SPD für diesen Auslandseinsatz sind, halten FDP und Linkspartei dagegen. Im Kongo selbst gab es bereits Demonstrationen gegen die bevorstehende Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes von Seiten der EU. So befürchtet die kongolesische Opposition, daß die EU-Intervention lediglich dazu diene, den bereits im Amt befindlichen Präsidenten Joseph Kabila an der Macht zu halten. Dieser beherrscht das faktisch seit 1996 von Bürgerkriegen geplagte Land bereits seit 2001. Er folgte seinem Vater Laurent-Désiré Kabila im Amt. Dieser hatte 1997 den früheren Diktator Mobutu gestürzt und war später selber von einem Regimegegner ermordet worden.
Politische Parteien sind im Lande seit 1997 verboten, die letzten freien Wahlen gab es 1965. Das gegenwärtige Parlament besteht aus Mitgliedern, die vom Präsidenten ernannt wurden. Seit Februar gibt es allerdings eine neue Verfassung, in der die bislang wohl getrost als diktatorisch zu bezeichnenden Rechte des Staatsoberhauptes zugunsten eines Premierministers beschnitten werden sollen, der von der künftigen Parlamentsmehrheit bestimmt wird. Na, da darf man wohl gespannt sein. So sehr den Kongo-Negern die Freiheit zu gönnen ist, die Knochen auch nur eines deutschen Bundeswehrsoldaten ist sie nach unserem Dafürhalten nicht wert, denn Freiheit bekommt man nicht geschenkt, die erkämpft man sich selber.

Siehe auch
Die Welt 18.05.06

Die Welt 18.05.06

Quelle: Störtebeker-Netz 18.05.06



Tags: Allgemeines

15 responses so far ↓

  • 1 H.Schneider // May 18, 2006 at 21:55

    ich dachte immer, dass die Neger so wie wir sind, organisiert, arbeitswillig, friedlich, geschult,zivilisiert…….Wozu brauchen die deutsche Soldaten ?

  • 2 Afikakämpfer // May 18, 2006 at 22:52

    Und hier gibt’s auch noch das passende Lied zum herunterladen:
    http://www.wargamer.com/Hosted/Panzer/songafrika.htm

  • 3 Thomas Brehl // May 18, 2006 at 23:43

    Wer schon mal den Film “Tarzan und die Nazis” gesehen hat, weiß, daß der Dschungel-Held zum Tier wird, wenn deutsche Soldaten den afrikanischen Kontinent betreten.

    In dem amerikanischen Propagandaschinken mit Johnny Weißmüller machte der heute vermutlich in die Jahre gekommene Tarzan eine komplette Luftlandeeinheit der Wehrmacht platt.

    Sollte er noch im Dienst sein, wird er sicher sehr viel leichter mit den Kameraden der Bundeswehr fertig werden. (Nicht weil es schlechtere Soldaten wären, sondern weil ihnen die Motivation fehlen dürfte, auf einem fremden Kontinent, für nicht näher bezeichnete Ziele ihr Blut zu vergiessen)

    Aber um die Freiheit Deutschlands, die Demokratie und die Menschenrechte zu verteidigen, muß notfalls auch die Brücke über den Uganga erobert werden, um das Land vom “Braunen Katakonga” zu befreien, der sich der Demokratie westlicher Prägung so vehement in den Weg stellt.

    Die ganze Weltpolitik der Plutokraten verkommt zur Realsatire, das kann alles nicht gut ausgehen, der Albtraum muß ein Ende nehmen. Und zwar bald.

  • 4 H. Hansen // May 19, 2006 at 5:29

    es zittern die morschen Knochen
    der Welt vor dem Kongo Krieg
    wir haben den schrecken gebrochen, fuer Mobuto* war’s ein grosser Sieg

    Daß der schon ein paar Jahr tot ist, sollte eigentlich bekannt sein. Der gegenwärtige Oberhäuptling heißt Kabila.

    Schriftleitung Altermedia

  • 5 Alexander // May 19, 2006 at 9:48

    @ Afrikakämpfer:

    Danke für den Musikverweis. Habe es gleich einem Bekannten von mir geschickt, der selbst im Afrika-Korps war. Ich hoffe, das Lied wird ihm gefallen.

    Gruß

    AvL

  • 6 Boroevic // May 19, 2006 at 14:12

    Nachdem die wohldotierte und einst auch wohlversorgte Dame mit den polnischen Wurzeln den Angehörigen der 3-N (Nullrunde,
    Nachhaltigkeits- und Nachholfaktor) gramgebeugt und in tränenersticktem Tremolo
    eingestand, daß sie wisse, daß ihr Laden “gerade den Älteren einiges zumute”,
    bin ich nun doch beruhigt, daß dies, u.a., auch
    wegen einen so guten Zweckes, wie diesen Heia-Safari-Einsatz, geschieht. Schließlich ist es ja ein Gebot selbstloser Menschlichkeit in einem so armen Land wie dem Kongo, in dem es außer Zwiebeln und Paprika nichts anderes zu ernten gibt, dafür, und für nichts anderes zu sorgen, als daß sich dessen Bewohner nicht gegenseitig die Schädel einschlagen. An sich wäre das mir zwar so wurst, wie wenn in der Antarktis ein Pinguin ins Wasser fällt, aber eingedenk dessen, wie einstmals die Neger zu Zeiten der europäischen Bürgerkriege und um dem Einhalt zu gebieten, zu Hilfe eilten – da ist in der Tat noch eine Dankesschuld abzutragen. Oder war das etwa doch ganz anders???
    Boroevic

  • 7 Afrikakämpfer // May 19, 2006 at 22:11

    @Alexander

    Hier gibts noch mehr:
    …(Da waren leider auch einige allzu garstige Lieder bei. – Die Schriftleitung)
    http://www.soldatenlieder.com
    http://ingeb.org/WWII.html
    http://ingeb.org/soldaten.html

  • 8 stoiker // May 20, 2006 at 6:20

    Boroevic
    “.. in einem so armen Land wie dem Kongo, in dem es außer Zwiebeln und Paprika nichts anderes zu ernten gibt,..”

    Da sind die Kongolesen aber reicher als die Deutschen, denn wir müssen neben Zwiebeln und Paprika auch die meisten anderen Lebensmittel aus dem Ausland beziehen. Wir säen nichts, ernten nichts (außer Spargel), produzieren nichts , importieren alles und bilden uns trotzdem ein, noch zu den Reichen der Welt zu gehören.

  • 9 Lappusson // May 20, 2006 at 8:41

    Da wird mir immer mehr klar, warum am Freitag der Beschluß zur Steuererhöhung angenommen wurde!

    Irgendwoher muss ja das Geld kommen…

    Armes Deutschland, armes Europa und vorallem armes Afrika….

    Wie werden die sich wohl vorkommen, wenn es heißt es würden deutsche Soldaten anreisen und lesen dann Namen wie Ünal, Mehmet oder Aidin auf deren Jacken stehen!

    Oder noch schlimmer, wenn ein Neger, der schonmal als Asylant in der BRD war und die deutsche Sprache mehr oder minder gelernt hat plötzlich einen “deutsch”- RUSSEN vor sich hat, der noch schlechter deutsch spricht als er selber!!!

    KULTURSCHOCK mal anders herum!!!

    Wir werden ja sehen!

  • 10 Boroevic // May 20, 2006 at 10:46

    @ stoiker
    Sie haben recht. Aber wenigstens wird doch
    - so ist zu hoffen! – insofern unsere Einbildung poussiert, daß nun die globalen Krieger uns wenigstens mit Feldpostpäckchen – Inhalt Zwiebel und Paprika – unterstützen, oder??
    Boroevic

  • 11 Cogito // May 20, 2006 at 13:34

    Von wegen nur Paprika und Zwiebeln im Kongo!

    Im Falle des Kongos lamentiert Scholl-Latour in seinem Buch „Afrikanische Totenklage, Der Ausverkauf des schwarzen Kontinents“, 2000, über die Art und Weise, wie sich vornehmlich amerikanische Firmen über die überreichen Bodenschätze hermachen und die USA jeden Banditen dort unterstützen, der ihnen die Rechte am Abbau möglichst billig verschleudert.

    Dazu in einem älteren taz-Artikel:
    „Ein friedlicher Kongo ist für die USA auch ökonomisch interessant. Mitte April, also vor der Einsetzung der Allparteienregierung im Juli, besorgten sich US-Firmen lukrative Verträge im Kongo. Die US-Baugruppe ‚Louis Berger International’ soll für 1,2 Milliarden Dollar Straßen bauen – das Geld dafür kriegt Kongo von der EU. Und der Diamantenexport, Kongos wichtigster Devisenbringer, fiel an die Firma ‚Emaxon’ des US-Diamantenhändlers Chaim Leibowitz – ein Geldgeber der Republikaner und Vertrauter von George Bush. Emaxon bekam bis 2007 das Exportrecht für 88 Prozent der Produktion der staatlichen kongolesischen Diamantenfirma Miba zu Sonderkonditionen.“
    4.11.2003 taz http://www.kongo-kinshasa.de/taz2003/taz_031104.php

    Ist doch interessant…..die Bundeswehr soll für Sicherheit sorgen, die EU bezahlt die Straßen und die Chaims transportieren die Diamanten ab.

  • 12 Legionär // May 20, 2006 at 13:53

    @stoiker

    Doch wir sind reich, reich an Staatsverschuldung… .

    Kleiner Witz am Rande:

    “Wie kann man unter Bundeskanzlerin Äinschie an ein kleines Vermögen kommen ?”

    “Indem man zuvor ein großes hatte !”

  • 13 stoiker // May 20, 2006 at 16:24

    Cogito
    So steht es aber nicht nur mit den Eigentumsrechten an Bodenschätzen in Afrika, sondern auch in den erdölfördernden Ländern wie Irak und Iran. Als z.B. Persien vor bald hundert Jahren mit Bohrungen begann, war es ein armes Land. Wer mag da die nötigen Anschubfinanzierungen geleistet und sich gleichzeitig alle Rechte am Öl für alle Ewigkeit gesichert haben? Ganz richtigi die nämlichen Leute, denen außer den Weltbanken auch die Firmen BP, Esso, Shell etc. gehören. Irgendwann wurde die Erdölproduktion in Iran zwar “nationalisiert”, aber was heißt das schon? Die BRD ist offziell auch ein souveräner Staat, das eigentliche Sagen haben aber diejenigen, die bezahlen und über die militärischen Potenziale verfügen.

  • 14 Alexander // May 20, 2006 at 17:18

    @ Afrikakämpfer:

    Besten Dank auch dafür. Ich hoffe, “mein” Afrika-Korps-Kämpfer wird sich über die alten Lieder freuen.

    Gruß
    AvL

  • 15 Boroevic // May 21, 2006 at 8:29

    @ Cogito
    Schon mal was von Satire gehört, “cogito”??
    Boroevic

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