| Jürgen Schwab |
Weil der Miltenberger Pfarrer Ulrich Boom mit dem Aschaffenburger „Mut-Preis“ ausgezeichnet wurde, ist es unvermeidlich, daß auch ich hierzu meinen Senf abgebe. Als in Miltenberg Geborener ist das ja genau mein Terrain. Dazu gilt es anzumerken, daß die von der Stoertebeker-Schriftleitung verwendete Illustration der bayerischen Flagge (weiß-blaue Rauten) eine schwere Beleidigung meiner Heimat darstellt.* Nichts gegen die Bayern, aber bayerische Besatzung (Bayern mit „y“ aus der napoleonischen Zeit) ist ja schon schlimm genug.
Hinzu kommt, daß bei Mecklenburg-Vorpommern die Pommern immerhin noch im Namen des Bundeslandes enthalten sind, während die Franken nur noch „in Bayern“ auf Bezirksebene existieren (so lautet auch eine Schmähung: Man soll Gott für alles danken, selbst für Ober-, Mittel- und Unterfranken!)*. So oder so wäre beim nächsten Mal, wenn Miltenberg/Main in der Berichterstattung vorkommt (wahrscheinlich so alle fünf Jahre einmal!) die Flagge mit dem rot-weißen bzw. rot-silbernen fränkischen Rechen sinnvoll.
Es mag ärgerlich sein, daß im Zeitalter der „Umwertung aller Werte“ ein opportunistischer Anpasser wie der Miltenberger Pfarrer Ulrich Boom als „Mutiger“ gefeiert wird, wo doch solcher „Mut“ auf offene Türen – bis hin zur Obrigkeit, das heißt zum bayerischen Justizministerium – stößt. Wirklicher Mut richtet sich hingegen immer g e g e n die Obrigkeit und nicht gegen gesellschaftliche Randgruppen wie die Jungen Nationaldemokraten (JN).
So hätte Pfarrer Boom Zivilcourage gezeigt, wenn er die Glocken seiner Kirche gegen die Beteiligung der BRD an Grundgesetz- und völkerrechtswidrigen Angriffskriegen von USA und NATO hätte läuten lassen. Schließlich hat Booms Amtsvorgänger zwischen 1933 und 1945 auch nicht die Glocken läuten lassen, als die Miltenberger Juden abgeholt wurden. Boom hätte wohl zur damaligen Zeit auch das „richtige“ Getan, das aber aus heutiger Sicht das „falsche“ ist …
Das ist auch das Fiasko solcher Leute wie Boom. Sie empfinden es in ihrem tiefsten Inneren als schwere Demütigung und persönlichen Makel, daß sie – mit der „Gnade der späten Geburt“ (Altkanzler Helmut Kohl) Versehene – Adolf Hitler nicht selbst besiegt und Auschwitz nicht selbst befreit haben. Da Hitler sich 1945 einfach vom Acker gemacht hat, organisiert man dennoch den „mutigen Widerstand“ gegen ihn im Jahr 2006. Das heißt, der Herr Pfarrer läßt ersatzweise die Glocken gegen eine JN-Kundgebung läuten. Daß die Braunen heute gar nicht (mehr oder schon wieder) an der Macht sind, stört Opportunisten nicht. Um das zu kaschieren, schwadronieren sie „Wehret den Abfängen!“
Währenddessen werden Kriegsgefangene aus islamischen Ländern vom BRD-Verbündeten USA auf Guantanamo widerrechtlich festgehalten und in Abu Ghraib gefoltert – und die Glocken der Miltenberger Kirche bleiben stumm. Würde Pfarrer Boom dafür läuten lassen, erhielte er auch nicht den Aschaffenburger „Mut-Preis“. Weil solcher Mut das Selbstverständnis der „westlichen Wertegemeinschaft“ stört. Es ist einfach nicht zu glauben, in welch heuchlerischer und verlogener Zeit wir leben! Als Fazit bleibt: Der Heiligenschein von Pfarrer Boom ist definitiv eine Attrappe!
* Ach du jemineh, da haben wir nun gar nicht mit gerechnet, in dem Fall wäre es ja wohl eher angebracht gewesen, wenn wir uns der Fahne des Kurfürstentums Mainz bedient hätten. Immerhin gehörte Miltenberg bis 1803 zu diesem. Allerdings haben wir dann auch noch die Auswahl zwischen den staatlichen Abzeichen des Fürstentums Leiningen, Badens und Hessen-Darmstadts, denen Miltenberg gleichfalls über einige Zeit angehörte, ehe es bayrisch wurde. Oder ist das zu eng gesehen? Nun ja, dann gäbe es ja auch noch die Möglichkeit zwischen Ansbach-Bayreuth oder Preußen zu wählen, dem Teile Frankens gleichfalls einige Zeit gehörten.
Wir wollen ja niemanden ärgern, aber von jemandem, der sich für gewöhnlich so überragend zu bundesweiten, europäischen oder gar globalen Problemen zu äußern weißt, hätten wir solchen Rückfall in den Partikularismus hätten wir von dieser Seite eigentlich nicht erwartet. Doch denken wir, wir bleiben auch in Zukunft bei den gewöhnlichen Bundesfahnen, ohne in die Zeit des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation oder den Einzelstaaten des Reiches Bismarckscher Prägung zurückzugreifen. Aus diesem Grunde bleibt Franken daher, so lange es keine entsprechenden Änderungen in der Einteilung der Bundesländer gibt, auch künftig dem Bundesland Bayern zugehörig und wird daher mit der dafür amtlichen Fahne gekennzeichnet.
Auf das y in Bayern verzichten wir ebenfalls nicht, wenn Bayern es sich leisten kann, so können wir es uns schon lange und zwar ohne dabei zu erröten. Sieht irgendwie auch hübscher aus.
Man vergebe uns daher, wenn wir uns solchem Fahnen- und Farbenzauber verweigern, denn sonst kommen Reuß ältere und jüngere Linie oder die beiden Schwarzburgs auch noch. Und Gott weiß, wer noch.
Die Schriftleitung
Quelle: Störtebeker-Netz 28.11.06


8 responses so far ↓
1 PA // Nov 28, 2006 at 1:07
Die läppisch-opportunistische Anbiederung von Witzfiguren wie dem Miltenberger Pfarrer an die herrschende Systemkorrektheit ist m.E. weniger ideologisch als psychologisch bzw. psychopathologisch zu deuten: Solche Leute haben aus verschiedenen Gründen (ich tippe mal auf exzessives Onanieren) einen Schuldkomplex aufgebaut, der ihr Selbstwertgefühl beeinträchtigt. Um dieses nun wenigstens ansatzweise wiederherzustellen, versuchen sie, sich gegenüber der herrschenden Autorität als Meister der Korrektheit aufzuspielen. Ein solches Verhalten ist bei Erwachsenen als deutliches Kennzeichen einer infantil-retardierten Persönlichkeit einzustufen. Ich würde annehmen, dass ein mehrjähriger Kuraufenthalt in einer Arbeitsklinik, wo er einer geregelten, harten und ehrlichen Arbeit nachgehen muss, seiner Genesung sehr förderlich wäre …
2 griesgram // Nov 28, 2006 at 2:27
@J.Schwab
Ich weile ja nun seit einiger Zeit im ehemals schwedischen Teil unserer Republik, da ich meinen Urlaub im NAZI Land genieße, aber gerade deshalb hätte ich an den Lokalpatrioten eine echte Bitte:
Eine für Heckenschützen brauchbare Karte der Kirche von Miltenberg, einschließlich der gekennzeichneten Fluchtwege über den Main ins freie Hessen!
War das jetzt griesgrämig?
3 Völkischer Beobachter // Nov 28, 2006 at 14:04
@ griesgram:
In Oradour-sur-Glane soll doch im Kirchturm gelagerte Partisanenmunition bei der Explosion sogar die Kirchenglocken zum Schmelzen gebracht haben - wäre das denn nichts für H.H. Boom??
Ist das nun Kurhessen oder Hessen-Nassau?
4 Schörner // Nov 28, 2006 at 14:37
@griesgram
Griesgrämig? Ach, woher mein Bruder. Die Wege des Herrn sind schließlich unerforschlich.
5 griesgram // Nov 28, 2006 at 15:10
@Schörner
Die Wege des HERRN sind UNTERGRÜNDIG!
@VB
Dürfte Hessen Darmstadt gewesen sein, die Grenzen haben sich aber ständig verschoben.
Ich bin Nassauer, also genaugenommen schon fast Holländer.
:-))
6 Günter Kursawe // Nov 28, 2006 at 20:15
Jürgen Schwab hat recht, “daß bei Mecklenburg-Vorpommern die Pommern immerhin noch im Namen des Bundeslandes enthalten sind” und beim “Freistaat Bayern” ist das nicht der Fall. Deshalb sollte der “Freistaat Bayern” in
Franken-Bayern-Schwaben (Bayern-Franken-Schwaben) umbenannt werden.
Zuerst oder danach sollten die drei fränkischen Regierungsbezirke Oberfranken,
Mittelfranken und Unterfranken zu einem Bezirk Franken zusammengelegt werden.
Das würde Kosten sparen und Franken innerhalb des “Freistaates” stärken.
Der Fränkische Rechen gilt im allgemeinen als Wappen für Franken.
Zur Zeit gibt es parteiübergreifend die fränkische Forderung nach der Rückgabe
des Bamberger Domschatzes von München nach Franken. Eine Umfrage und
weitere Informationen findet man in unter: http://www.fraenkischer-tag.de
7 Götz vonBerlichingen // Nov 28, 2006 at 20:44
*ggg* FREI StATT BAYERN…
Ihr solltet den FRÄNKISCHEN Lokalpatriotismus schon mit einem augenzwinkern betrachten,liebe Moderatoren.Wir wollen schließlich ein Teil des Reiches bleiben;)Nur unter einer bajuwarischen Rautenflagge möchte kein Franke Begraben sein!!!Und Fürth ist nur eine kleine Vorstadt Nürnbergs(Liebe Fürther,ihr wißt was ich meine):)
Wohlauf, die Luft geht frisch und rein,
wer lange sitzt, muß rosten;
den allersonnigsten Sonnenschein
läßt uns der Herrgott kosten.
Jetzt reicht mir Stab und Ordenskleid
der fahrenden Scholaren,
ich will zur schönen Sommerzeit
ins Land der Franken fahren!
Der Wald steht grün, die Jagd geht gut,
schwer ist das Korn geraten;
sie können auf des Maines Flut
die Schiffe kaum verladen.
Bald hebt sich auch das Herbsten an,
die Kelter harrt des Weines;
der Winzer Schutzherr Kilian
beschert uns etwas Feines.
Wallfahrer ziehen durch das Tal
mit fliegenden Standarten,
hell grüßt ihr doppelter Choral
den weiten Gottesgarten.
Wie gerne wär´ ich mitgewallt,
ihr Pfarr´ wollt mich nicht haben!
So muß ich seitwärts durch den Wald
als räudig´ Schäflein traben.
Zum heil´gen Veit von Staffelstein
komm´ ich empor gestiegen
und seh´ die Lande um den Main
zu meinen Füßen liegen.
Von Bamberg bis zum Grabfeldgau
umrahmen Berg und Hügel
die breite stromdurchglänzte Au -
ich wollt´, mir wüchsen Flügel.
Einsiedelmann ist nicht zu Haus,
dieweil es Zeit zu mähen;
ich seh´ ihn an der Halde draus´
bei einer Schnitt´rin stehen.
Verfahr´ner Schüler Stoßgebet,
heißt: Herr, gib uns zu trinken!
Doch wer bei schöner Schnitt´rin steht,
dem mag man lange winken.
Einsiedel, das war missgetan,
daß du dich hubst von hinnen!
Es liegt, ich seh´s dem Keller an,
ein guter Jahrgang drinnen.
Hoiho, die Pforten brech´ ich ein
und trinke, was ich finde.
Du heil´ger Veit von Staffelstein,
verzeih mir Durst und Sünde!
8 Freiheit // Nov 29, 2006 at 8:06
“Ach du jemineh, da haben wir nun gar nicht mit gerechnet, in dem Fall wäre es ja wohl eher angebracht gewesen, wenn wir uns der Fahne des Kurfürstentums Mainz bedient hätten. Immerhin gehörte Miltenberg bis 1803 zu diesem. …
Wir wollen ja niemanden ärgern, aber von jemandem, der sich für gewöhnlich so überragend zu bundesweiten, europäischen oder gar globalen Problemen zu äußern weißt, hätten wir solchen Rückfall in den Partikularismus hätten wir von dieser Seite eigentlich nicht erwartet. … Aus diesem Grunde bleibt Franken daher, so lange es keine entsprechenden Änderungen in der Einteilung der Bundesländer gibt, auch künftig dem Bundesland Bayern zugehörig und wird daher mit der dafür amtlichen Fahne gekennzeichnet.
…denn sonst kommen Reuß ältere und jüngere Linie oder die beiden Schwarzburgs auch noch. Und Gott weiß, wer noch.”
Was für eine dümmliche Überheblichkeit ganz im Stile wie ihn sonst nur arrogante Globalisierer an den Tag legen. Nationalismus setzt sich aus konzentrischen Kreisen zusammen. Dazu gehört die Liebe zur Heimatgemeinde/Geburtsort, zum eigenen Stamm, zum eigenen Volk/Nation.
Wer sich natürlich lieber an den System-Territorien und Besatzerkonstrukten/Kunststaaten wie NRW orientiert, oder sich über unterdrückte Stammesidentitäten wie Franken lustig mac ht und ihnen großzügig die bayrische Fahne aufzwingt, sollte wenn von Identitäten und Nationalismen die Rede ist, nicht solch überheblichen Unsinn verbreiten.
Besser wäre in solchem Fall gewesen: Einfach mal die Fresse halten.*
Da solltest du dir keinen Zwang antun. Aufregungen dieser Art kannst du einfach vorbeugen, indem du schlicht und einfach bei deiner gewöhnlichen Lokalpresse bleibst und überregionalen Medien einfach aus dem Weg gehst. Ist besser fürs Herz und man muß sich nicht so ärgern. Außerdem, wer zwingt hier wem was auf? Müssen wir jetzt die Karte vom Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation von Anno Krug rausholen, damit jeder éingemeindete Krähwinkel seine eigene Fahne kriegt, oder was? Schau mal in den Kalender. Wenn den Franken ihr jetziger Status recht ist - und wir wüßten nicht was erkennbar dagegen spräche - dann müssen wir jetzt wohl nicht noch einer Kleinstaaterei das Wort reden, von der man eigentlich glaubte sie wäre längst überwunden. Außerdem dürfte es schon ein Weilchen her sein, wo Franken selbständig war und bis in die Zeiten Heinrich I. müssen wir ja wohl deswegen nicht zurückpilgern.
Schriftleitung Altermedia
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