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Im Haken kreuz und quer gelesen – Ludwig Thoma - Sämtliche Beiträge aus dem „Miesbacher Anzeiger“ 1920 /21 (23.10.06)

October 23rd, 2006 · Post your comment (3 Comments)

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Ludwig Thoma

Modernen Lesern wird der Name Ludwig Thoma (1867-1921) kaum noch etwas sagen, auch wenn seine „Lausbubengeschichten“ dank der Verfilmung mit Hansi Krauß vielleicht hier und da noch ein Begriff sein mögen. Literarisch mehr interessierten Lesern hingegen wird Thoma möglicherweise als einer der genialsten Satiriker des Wilhelminischen Kaiserreiches bekannt sein, der zu Lebzeiten die gröbsten Auswüchse der Kaiserzeit im SIMPLICICISSIMUS dem Spott preis gab, dann aber in Zeiten der Not wußte, wo sein Platz als guter Deutscher und Patriot war, als das Land vom 1. Weltkrieg heimgesucht wurde.

Weniger bekannt ist Thomas politisches Engagement in der Zeit nach Weltkrieg und Novemberrevolution. So betätigte er sich in dieser Umbruchszeit durchaus engagiert, indem er die neuen Herren des Deutschen Reiches mit bajuwarischer Heftigkeit und doch nicht ohne derben Humor bekämpfte. Dies kam besonders in seinen Artikeln im MIESBACHER ANZEIGER zum Ausdruck, die er in den Jahren 1920 /21 schrieb und die heute dazu dienen, Thoma als Militaristen, Antisemiten und Vorläufer des NS zu verleumden. Tatsächlich entsprechen die Artikel, die Thoma seinerzeit im MIESBACHER ANZEIGER durchaus der damaligen Volksstimmung, die den neuen Potentaten der roten und goldenen Internationale keineswegs günstig gesinnt war. Vorwürfen jüdischer Seite, wonach die Deutschen anti-semitisch seien, entgegnete Thoma, daß diese dafür „anti-arisch“ seien.

Zum Vorwurf wird Thoma heute außerdem gemacht, daß er ins seinen Artikeln die Morde am bayrischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner oder den Sozialisten Gustav Landauer gutheißt. Dabei vegißt man augenscheinlich, daß es sich bei den Genannten selber um Umstürzler handelte, die gerade die bis dahin durchaus verfassungsmäßige und legitime Regierung gestürzt hatten. Im Falle Landauers kommt noch hinzu, daß er zu jenen gehörte, die in Bayern eine bolschewistische Räteregierung nach sowjetrussischem Vorbild errichten wollten. Betrachtet man die damaligen Zustände in Sowjetrußland, so wird man die Bayern durchaus verstehen können, als sie den Freikorpsleuten zujubelten, die sie vor dem Schicksal auch eine Sowjetrepublik zu werden bewahrten. Landauer & Co. wurden dabei Opfer eines Schicksals, daß sie ursprünglich ihren Gegnern zugedacht hatten, die sich aber in diesem Falle noch einmal als stärker erwiesen, so daß man schon ein ausgesprochener Naivling oder Feind des eigenen Vaterlandes sein muß, um die Beseitigung solcher volksfremden Zeitgenossen zu bedauern.

Der Piper-Verlag brachte 1989 in dankenswerter Weise, wenngleich auch nicht unbedingt in guter Absicht, eine Ausgabe vom Thomas „Sämtlichen Beiträgen aus dem Miesbacher Anzeiger“ (ISBN 3-492-03276-1) heraus. Zwar fehlt es in dieser nicht an tendenziöser, dem Zeitgeist entsprechender Umrahmung, doch enhält das Buch alle Beiträge Thomas in ungekürzter Form, worauf es in diesem Fall ja ankommt. Der nationale Leser erhält auf diese Weise nicht nur ein packendes Zeitbild jener Tage, sondern bekommt auch Gelegenheit, persönliche Parallelen von einst zu jetzt zu ziehen. Ein seltenes Buch auf dessen Erwerb man nicht verzichten sollte, zumal es jetzt recht günstig zu haben ist.

Nicht ohne Erwähnung sollte es jedoch auch bleiben, daß Thoma seine Beiträge anonym im MIESBACHER ANZEIGER veröffentlichte, während er sich in der Öffentlichkeit von ihnen distanzierte. Darüber hinaus hinderte die vielfach antijüdische Tendenz seiner Artikel ihn nicht daran, sich eine halbjüdische Geliebte zu halten, die ihm wegen seiner antisemitischen Zeitungsbeiträge übrigens mehrfach mit Kündigung der Freundschaft bedrohte, dann aber nach dem Tode nichts weiter dabei fand, daß nicht zuletzt auch durch die antisemitischen Artikel Thomas zustande gekommene Vermögen des Schriftstellers nach dessen Tode einzustreichen.

Das Buch Ludwig Thoma – Sämtliche Beiträge aus dem „Miesbacher Anzeiger“ 1920/21 wird jetzt für preiswerte 22 Euro von der Franz A. Taubert GmbH & Co KG in 38657 Bad Harzburg angeboten.
Best. Nr. 409719 über www.taubert.de oder Tel. 05322 4500 oder 05322 52061. Möglich auch Fax 05322 53278 oder info@taubert.de. Angebote gibt es auch über Amazon.de.

Siehe auch
Werke von Ludwig Thoma im Gutenberg-Projekt

BR Online Lesezeichen 26.05.04

Quelle: Störtebeker-Netz 23.10.06

Tags: Allgemeines · Buchempfehlungen

3 responses so far ↓

  • 1 Ferrier // Oct 23, 2006 at 22:45

    Antisemitismus scheint merkwürdig weit verbreitet gewesen zu sein und ist es noch heute. Die daraus resultierende Frage hat Seligmann in Büchern und Interviews beantwortet. Jedenfalls scheinen die Juden kaum Verantwortung für das Gemeinwesen zu empfinden, indem sie leben, sondern nur für sich selbst und ihre Interessen. Was daraus zwingend folgt ist eigentlich klar…

    http://globalfire.tv/nj/04de/zeitgeschichte/hitler.htm

  • 2 Henry // Oct 24, 2006 at 2:04

    Die Einstellung “für sich selbst” und “eigene Interessen” ist im Mittelosten und Asien ganz un-merkwürdig weit verbreitet. Genauer beschrieben handelt es sich um Sippenwirtschaft.
    Die Familie zuerst,
    die Sippe zunächst,
    die Nation, - nur wenn sie bezahlt,
    der Staat ist zum ausräubern.

    Daher die Flucht einiger von Ost nach West in das “gesegnete Land”. Aber sie kommen nicht ohne das, was ihnen angeboren ist.
    Hier muß man sich vorsehen, daß man nicht mit den Einen gegen die Anderen gemeinsame Sache macht, denn sie sind zuguterletzt aus dem selben Genpfuhl.

  • 3 Judge // Oct 24, 2006 at 9:25

    Mein Gott , Ferrier,
    was hat Thoma mit dem Schrott zu tun , den Du da schreibst . Es ist anzunehmen , dass Du nie etwas von Thoma gelesen hast .

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