Ginge es nach uns, so würden wir die Zeit viel lieber mit Plaudereien über Bücher oder Musik verbringen, statt sich tagaus, tagein damit abzuquälen, irgendwelche politische Schlechtigkeiten zu kommentieren, aber was nicht ist, ist eben nicht. Umso erfreulicher, daß wir zumindest in den vergangenen Tagen wieder einmal die Zeit fanden, uns einige vor noch nicht allzu langer Zeit bei ARNDT und POUR LE MERITE erschienene Bücher näher anzusehen.
Je länger der Krieg her ist, desto höher wächst die Anzahl von Memoirenliteratur, in der Zeitgenossen, diesseits und jenseits der jeweiligen politischen Barrikade ihre Eindrücke von jenen Tagen schildern. Dabei lassen sich nicht wenige dieser Zeitzeugen häufig von politisch korrekten und rein finanziellen Prämissen leiten, was sich nicht selten auf ihre Glaubwürdigkeit niederschlägt.
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Vom Buch „Als Hitlers Kommandant – Von der Wewelsburg bis zum Obersalzberg“ kann man dies jedoch nicht sagen. Verfasser ist Bernhard Frank, dem letzten Kommandant des Obersalzbergs, Hitlers, wenn man so will, mehr oder minder privatem Hauptquartier bei Berchtesgaden.
Frank beschreibt in seinen Memoiren seinen Lebensweg, der ihn aus konservativem Elternhaus in die SS führte, wo er nach Besuch der SS-Junkerschule in Braunschweig zunächst zum Bibliothekar der Wewelsburg avancierte, jener berühmten Burganlage, die nach dem Willen von Reichsführer SS Heinrich Himmler zum weltanschaulichen Zentrum seiner Organisation werden sollte. In seinem Buch gibt Frank ausführlich Auskunft über die Geschichte der Wewelsburg, wobei er nicht wenige Aspekte ihrer Zeit während des Dritten Reiches beleuchtet, die heute vielen nur wenig oder gar nicht bekannt sind. Passagen die zu den reizvollsten des Buches gehören.
Nicht weniger interessant, doch noch sehr viel spannender sind hingegen Franks Schilderungen vom Obersalzberg, besonders was die letzten Tage des 2. Weltkriegs betrifft. Neben etlichen Details über das Leben führender NS-Größen auf dem Obersalzberg erfährt man auch etliches über die Hintergründe und die Art und Weise der Verhaftung Hermann Görings im April 1945 sowie über die Zerstörung des Obersalzberges in den letzten Kriegstagen. Frank schließt die Beschreibung seines Lebensweges mit seiner Entlassung aus der Internierung im Jahre 1948.
Ein durchaus lesenswertes und flüssig geschriebenes Buch. Störend allerdings – und auch das soll nicht verhohlen werden – ist, daß Frank seine Lebensbeschreibung nahezu für 80 Seiten unterbricht, um auf diesen den Lebensweg Hitlers zu schildern, ohne daß diese Beschreibung in irgendeiner Weise mit seinem Lebensweg zusammenpaßt, sondern den Inhalt des Buches unnötig in drei Teile teilt. Hier wäre weniger wohl mehr gewesen. Der Spannung der Lektüre tun diese, aus unserer Sicht eigentlich überflüssigen, jedoch keineswegs langweiligen Passagen allerdings keinen Abbruch.
Bernhard Frank
Als Hitlers Kommandant
Von der Wewelsburg zum Berghof
ARNDT-Verlag, Postfach 3603, Kiel 2006
280 Seiten, viele s/w. Abbildungen, gebunden im Großformat
€ 25,95
ISBN 10: 3-88741-087-4
ISBN 13: 978-3-88741-087-2
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Mehr an das reine militärhistorische Interesse wendet sich hingegen “Im Feuersturm letzter Kriegsjahre” von Werner Tieke, einem Buch über die SS-Panzerdivisionen Hohenstaufen und Frundsberg, deren Weg der Autor von 1942 bis Kriegsende geradezu minuziös nachzeichnet. Ein Standardwerk, das durch die vielen im Buch enthaltenen Berichte von Offizieren und Soldaten der beiden Divisionen dafür sorgt, daß der zuweilen recht trockene Stoff nicht einen Augenblick langweilig wird.
Erinnert sei in diesem Zusammenhang auch an den künstlichen Skandal, den man im Jahre 2004 zelebrierte, als der frühere Spremberger Bürgermeister und Kreistagsabgeordnete Egon Wochatz (CDU) an einem Veteranentreffen früherer „Frundsberger“ teilgenommen hatte. Immerhin war es diese Division gewesen, die Spremberg 1945 gegen den Ansturm der Roten Armee verteidigt hatten. Der Dank des „Vaterlandes“ dafür ist freilich mehr als bescheiden, so waren Wochatz, wie auch die Veteranen der SS-Division Frundsberg wochenlang übelster Hetze und Verleumdung ausgesetzt. Tiekes Buch ist ein kleiner, aber feiner Beitrag zur moralischen Wiedergutmachung, die Deutschland den Angehörigen dieser Einheit nach wie vor schuldig ist.
Tieke ist auch Mitautor des Buches “Das Ende zwischen Weichsel und Elbe 1944/45″, das 2003 beim Motorbuch-Verlag erschien.
Wilhelm Tieke
Im Feuersturm
letzter Kriegsjahre
Pour le Mérite-Verlag Selent 2006 (erhältlich auch über den Arndt-Verlag)
676 Seiten, viele s/w. Abbildungen,
gebunden im Großformat
€ 25,95
ISBN: 10: 3-932381-35-1
ISBN: 13: 978-93281-35-5
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Unser ganz persönlicher Favorit in diesem Monat ist allerdings ein Buch – eigentlich sind es sogar drei – das im Grunde nicht mehr ist, als ein Bilderbuch. Wir sprechen von Viktor Ullrichs „Hauptstadt der Bewegung – München 1919 – 1938“. Dieser Band eröffnet eine dreibändige Bilderbiographie der Stadt München vom Ende des 1. Weltkriegs bis in die frühe Nachkriegszeit des 2.. Nach einer kurzen Einleitung erhält der Betrachter des Buches eine Vielzahl von großformatigen Farbfotos zu sehen, die München während der großen Feierlichkeiten während des Dritten Reiches zeigen, als da wären zum Beispiel der Feldherrenhallen-Marsch aus Anlaß des 9. November, Parteitage oder Paraden. Dazu gesellen sich seltene Fotos von vielen Münchener Gebäuden, die für die NS-Zeit relevant waren. Viele der im Buch veröffentlichten Bilder waren bis dahin noch nirgends zu sehen. Ein Buch, das vielleicht nicht so sehr den Intellekt, wohl aber die Phantasie reizt und deshalb besonders für Nostalgiker in jedem Fall als Bettlektüre zu empfehlen ist.
Viktor Ullrich
»Hauptstadt der Bewegung«
Band I: München 1919–1938
ISBN 10: 3-88741-080-7
ISBN 13: 978-3-88741-080-3
ARNDT-Verlag, Kiel 2006
160 Seiten, durchgängig farbig,
gebunden im Atlas-Großformat (21,3 x 30,3 cm)
Band II: München 1939–1941
(erscheint 2007)
Band III: München 1942–1946
(erscheint 2008)
je Band € 25,95
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Alle drei Bände:
zusammen nur € 65,90
Quelle: Störtebeker-Netz 30.01.07






7 responses so far ↓
1 wartender Krieger // Jan 30, 2007 at 22:29
Wer an authentischer, schnörkelloser und ideologiefreier Literatur über den Kriegsalltag und die Leistungen Deutscher Soldaten und Helden interessiert ist, dem kann ich nur wärmstens die Bücher von Ulrich Lange, dem Chronisten der “Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger” und Ingo Möbius empfehlen.
zu finden unter http://www.cimm.de
2 Hans // Jan 30, 2007 at 23:34
Wilhelm Tieke - Im Feuersturm
letzter Kriegsjahre ist doch eine Neuauflage und bereits schon mal im Munin Verlag erschienen, oder täusche ich mich da?
Der Katalog der deutschen Nationalbibliothek führt von Tieke folgende Bücher auf:
1. Das Ende zwischen Weichsel und Elbe 1944/45
Stuttgart : Motorbuch-Verl., 2003, Spezialausg., 1. Aufl.
2. Nach der Stunde Null
Tieke, Wilhelm. - Gummersbach : Gronenberg, 1987
3. Ein ruheloser Marsch war unser Leben
Tieke, Wilhelm. - Osnabrück : Munin, 1977
4. Der Landser / Nr. 422. Sturmfahrten ins Niemandsland
[1966]
Siehe auch
http://dispatch.opac.ddb.de/DB=4.1/SET=1/TTL=11/CMD?ACT=SRCHA&IKT=8500&SRT=YOP&TRM=%22Tieke%2C+Wilhelm%22
Im Buch selber gibt es keinen Hinweis auf eine Vorveröffentlichung beim Munin-Verlag, allerdings stammt das Geleitwort von SS-Gruppenführer Bittrich von 1974, was man freilich nicht auf den ersten Blick sieht. In dem Fall wäre es in der Tat bedauerlich, daß der Pour le Merite-Verlag auf einen solchen Hinweis verzichtet hat. - Schriftleitung Altermedia
3 Hans // Feb 1, 2007 at 0:43
Wusste ich es doch …..
Hier gibts das Buch in der Erstauflage im Munin Verlag:
http://www.booklooker.de/app/detail.php?pid=76312&buchID=217242109
Gefunden über http://www.eurobuch.com (sehr zu empfehlen!!)
4 J.B. // Feb 1, 2007 at 13:42
Nun ja, ich werde mir die Bücher sicher nicht antun, denn die X-te Dokumentation über die damalige Zeit nervt doch irgendwann. Die Kataloge der nationalen Verlage sind in dieser Hinsicht ebenso erbärmlich. Was völlig fehlt, ist neuere nationale Literatur, jung und aggressiv, die sich mit den Problemen der heutigen Zeit beschäftigt. Der Stoff mag am besten in einem Roman verpackt sein. Kann da jemand etwas empfehlen? Habe mal etwas von den „Turner-Tagebüchern“ gehört. Gibt es die irgendwo?
5 Paul // Feb 2, 2007 at 12:45
@J.B.
z.B. hier:
http://www.natall.com/german-turner/
6 fips // Feb 2, 2007 at 16:54
@ J.B.:
Sicherlich nervt manche sog. “Dokumentation” über die NS-Zeit gewaltig. Andererseits kann man daraus auch für die Gegenwart und Zukunft oftmals lehrreiche Schlüsse ziehen (Stichwort: Propaganda).
Übrigens, in den Katalogen gibt es doch auch viele Bücher, die sich mit den heutigen Problemen beschäftigen.
7 zitterwolf // Feb 2, 2007 at 19:14
ein nationaldenkender mensch kann unmöglich hitlers kommandanten lesen ohne zu kotzen.
…schnippelschnappel…*
Und unser einer kann keine Kommentare lesen ohne zu kotzen, indem der “nationaldenkende” Kommentator die deutsche Schriftsprache so mit Füßen tritt, daß er der in ihr nach wie vor üblichen Groß- und Kleinschreibung noch nicht mal im Ansatz Anerkennung zollt. Da Kotze sich aber auf der Tastatur schlecht macht, lieber schnell weg mit solchem Zeug. Entweder einmal neu oder abzittern. - Schriftleitung Altermedia
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