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Im Haken kreuz und quer gelesen: Warum nicht mal was von Luther – Eine Rarität zum Fest (11.12.06)

December 11th, 2006 · Post your comment (6 Comments)

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“Das Wort sie müssen lassen stahn.”
Martin Luther

Vor einigen Jahren berichteten wir einmal über eine Preisverleihung der besonderen Art. So sollte im Frühjahr 2003 der österreichischen Theologin Gertraud Knoll ein Preis der der Lutherstädte ein Preis verliehen werden, der den stolzen Titel „Das unerschrockene Wort“ trägt. Knoll sollte damit in Eisenach für ihr Engagement gegen Fremdenhaß, Rassismus und Antisemitismus geehrt werden. Geradezu hymnisch hieß es dazu seinerzeit am 23. April 2003 in der THÜRINGISCHEN ALLGEMEINEN:
„Mit der Ehrung wird an den Reformator Martin Luther erinnert, der seine Überzeugung mutig und standhaft gegenüber den Autoritäten seiner Zeit verteidigt hat. Gertraud Knoll hat sich auf Kundgebungen und anderen öffentlichen Veranstaltungen gegen Antisemitismus, Fremdenhass und Rassismus ausgesprochen. Wegen ihres couragierten christlich-sozial-ethischen Engagements war sie massiven Anfeindungen bis hin zu Drohungen gegen Leib und Leben ausgesetzt.“

Eine Äußerung, die vermutlich nicht nur in nationalen Kreisen für schallendes Gelächter oder Kopfschütteln gesorgt haben dürfte, ist doch allgemein bekannt, daß der große Reformator in puncto Juden durchaus Ansichten hatte, die ihn in den Augen derer, die sich heute als Vertreter der lutheranischen Kirche verstehen, vermutlich zum „Rechtsextremisten“, „Antisemiten“ und „Volksverhetzer“ par excellence abgestempelt hätten. So besteht kein Zweifel, daß Martin Luther, käme er heute noch einmal auf die Welt, sofort wegen Volksverhetzung eingesperrt würde, ehe er noch einmal die Gelegenheit bekäme, irgendwelche Thesen an die Tür der Schloßkirche von Wittenberg zu nageln.

Dabei ist es durchaus lohnend sich mit den Ansichten Luthers über das Judentums zu beschäftigen, wenngleich auch nicht ganz einfach. So gibt es von ihm bekanntlich die Schrift „Von den Jüden und ihren Lügen“, die freilich nur recht schwer zu kriegen ist. Bislang kursierte in nationalen Kreisen häufig das Reprint einer gekürzten Ausgabe von Ludendorffs Volkswarte-Verlag in München, die seinerzeit u. a. von Thies Christophersen von Dänemark aus vertrieben wurde. Eine Ausgabe, die zwar Interesse für die Schrift des Reformators erwecken kann, aber letztlich enttäuschen muß, da sie nicht mehr als ein unvollständiger Torso des Ganzen ist.
Umso erfreulicher ist es, zu hören, daß es seit letztem Jahr eine leider nur auf 1000 Stück limitierte Ausgabe von Luthers judenkritischen Schriften gibt, welche die berühmte Schrift des großen Theologen vollständig wiedergibt. Das Verdienst dafür gebührt der Dr. Axmann Fachversand GmbH & Co. KG aus 25712 Burg in Dithmarschen (Schleswig-Holstein).

Im Rahmen eines Reprints wird die Ausgabe des Buches „Martin Luther und das Judentum“ wiedergegeben, daß 1936, herausgegeben von Dr. Walther Linden, beim Verlag Klinkhardt & Biermann in Berlin erschienen war. Neben der vollständigen Wiedergabe von Luthers „Von den Jüden und ihren Lügen“ enthält das Buch auch Auszüge aus Luthers Brief „Wider die Sabbather“ (1538), den Tischreden, der Schrift „Vom Schemhamphoras und vom Geschlecht Christi“ sowie die „Vermahnung wider die Juden“, die Luther im Februar 1546, wenige Tage vor seinem Tod in Eisleben niederschrieb und die man daher durchaus als eine Art religionspolitisches Testament des Reformators sehen kann. Luthers Stil ist vorsichtig dem modernen Sprachgebrauch angeglichen worden, ohne dabei seine Urwüchsigkeit zu verlieren, für die seine Schriften bekannt sind.

Zu bestellen ist „Martin Luther und das Judentum“ von Dr. Walter Linden (Hg.) (ISBN 3-938976-00-4) über Dietrich Bohlinger, „Freie Republik Uhlenhof“, D-25884 Viöl, Postfach 1, Tel. 04843-1049, Fax 04843-1087, E-Mail: va-bohlinger@gmx.de

Wie einem Prospekt Bohlingers zu entnehmen ist, sind nur noch wenige Exemplare lieferbar. Man sollte daher nicht säumen, um sich diese literarische Rarität für die eigene Hausbibliothek zu erwerben, zumal der Preis mit 19,80 Euro überaus günstig ist.

Siehe auch
Altermedia 24.04.03

Quelle: Störtebeker-Netz 11.12.06



Tags: Allgemeines · Buchempfehlungen

6 responses so far ↓

  • 1 Hans von Dergrete // Dec 11, 2006 at 16:33

    Luthers Buch gibt es zum Bestellen auch hier:

    Ist gut gemeint, aber NSDAP-AO- und “Mein Kampf”-Werbung können wir uns hier nicht leisten. Abgesehen davon handelt es sich in diesem Fall um die Kurzausgabe.
    Schriftleitung Altermedia

  • 2 Lutz Merkel // Dec 11, 2006 at 17:03

    Hier eine kleine Zusammenfassung. :-)

    @Schriftleitung:
    Wenn nicht erlaubt, bitte löschen! Danke.
    MfG
    Lutz Merkel

    http://www.ety.com/berlin/luther.htm

  • 3 Watzmann // Dec 11, 2006 at 17:16

    Die Luther-Ausgabe von Dr. Walther Linden beim Verlag Klinkhardt & Biermann ist bereits 1983 im “Faksimile-Verlag Bremen” als Nachdruck erschienen. War für mich 2001 in einer durchschnittlichen, unpolitischen Antiquariats-Buchhandlung zu erwerben.

    Die jetzige Ausgabe ist von 2005. Scheint vermutlich ein Resteverkauf zu sein. Allerdings läßt der Titel auf den ersten Blick auch nicht erahnen, daß Luthers Judenschriften darin enthalten sind. Hat man das aber erstmal raus freut sich der Mensch.

    Schriftleitung Altermedia

  • 4 michael // Dec 12, 2006 at 6:59

    Nichts gegen das widerholte Zitieren von Luthers früher Schrift “Von den Juden und ihren Lügen”. Sie ist in der Tat äußerst wichtig, aber es wird in diesem Zusammenhang stets unterschlagen, daß Luther, neben Rom, zwei Hauptfeinde des deutschen Volkes ausgemacht hatte: Den Juden und den Türken. Seine Schriften “Vom Kriege wider die Türken” (1529) und “Heerpredigt gegen die Türken” (1529) sowie seine Gebete gegen die Türken werden ständig unterschlagen. Zu anderen Zeiten war man kenntnisreicher (Martin Luther: Schriften wider Juden und Türken, München 1936). Auch wußte man “zu anderen Zeiten” zum Beispiel, daß Luthers Lied “Eine feste Burg ist unser Gott” usprünglich ein Kampfled gegen die türkischen/osmanischen Invasoren war und zu jener Zeit standen die türkischen Invasorenhorden noch vor Wien und waren noch nicht millionenfach unter uns.

  • 5 Thomas Brehl // Dec 12, 2006 at 12:46

    In der Frankfurter ANS-Kameradschaft gab es seinerzeit einen Peter Fröhlich, der Luthers Äußerungen über die Juden verbreitete, leider nicht nur im Kameradenkreis.*

    Er wurde angezinkt und es gab einen Prozeß vor der Staatsschutzkammer in Frankfurt (Richter: Dr. Lehr, Fidora, Müller). Noch in der Prozeßpause, vor der Urteilsverkündung, war sich Fröhlich eines Freispruchs sicher. Man könne ihn doch nicht für das verurteilen, was eine andere, noch dazu prominente Person der Zeitgeschichte, vor Jahrhunderten losgelassen habe.

    Doch, man konnte! Obwohl Fröhlich eine ganze Schar kleiner Kinder hatte, wurde er zu 2 Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Das war -wohl gemerkt- 1983…

    *Manchmal kommt es auf die Art und Weise der Wiedergabe an, ist es doch der Ton, der die Musik macht. Bloßes Zitieren allein tut es auch nicht, man muß das Zitat auch schon entsprechend umweltfreundlich verpacken, sonst fährt man gegen den Baum.

    Schriftleitung Altermedia

  • 6 Thomas Brehl // Dec 12, 2006 at 19:57

    @ Schriftleitung

    Völlig klar und im Gegensatz zu Fröhlich selbst war ich sicher, daß er verurteilt werden würde. Der Mann war einfach zu blauäugig und belehrungsresitent. Denn Warnungen aus dem Kameradenkreis gab es sehr wohl.

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