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Nimmt man heute mehrbändige Geschichtswerke zur Hand, so wird es vielen Lesern nur selten offenbar, wie viel Zeit und Aufwand bei der Fertigstellung eines solchen Opus angewendet werden müssen. So ist es nicht selten, dass der Autor Jahre oder gar Jahrzehnte benötigt, um sein Werk zu vollenden.
Unter diesem Aspekt ist wohl auch David Irvings Buch „Schlachtführer gegen das Reich – Churchills Krieg 1941 – 1942″ zu betrachten, das unlängst beim Kieler ARNDT-Verlag erschien. In der Ankündigung des Verlages zu diesem Buch heißt es dazu u. a.: „…David Irving enthüllt in seinem neuesten, äußerst spannend geschriebenen Werk sowohl die offiziellen als auch die internen und geheimen Machenschaften Winston Churchills in den entscheidenden Kriegsjahren…“ Weiter heißt es darin: „Mit diesem Buch stürzt Irving den Totengräber des britischen Empire von seinem durch die offizielle Geschichtsschreibung erbauten Sockel und entlarvt damit die Verlogenheit vieler politisch korrekter Historiker.“
Sätze die man nach Lektüre des in der Tat fesselnd geschriebene Buches nur unterstreichen kann. Leider versäumt es der Verlag in seinen Ankündigen darauf hinzuweisen, dass es sich bei dem Buch um den zweiten Teil von Irvings Churchill-Biographie handelt, deren erster Teil immerhin schon 1987 (!) in englischer (und 1990 bei HERBIG in deutscher) Ausgabe erschien. Der erste Teil trägt den Titel „Churchill – Kampf um die Macht“ und ist – das darf man glauben – um nichts weniger aufschlussreich und spannend als der jetzt erschienene zweite Teil. Umso bedauerlich ist es, dass man diesen zum besseren Verständnis des zweiten Teils immerhin notwendigen Teil nicht neu aufgelegt hat, da die Bücher aus verständlichen Gründen keineswegs in sich abgeschlossen sind.
Im Gegensatz zur alten, heute optisch ein wenig altbacken wirkendenden, HERBIG-Ausgabe besticht die ARNDT-Ausgabe durch flotte und moderne Bildgestaltung des Bandes – innen und außen. Im Gegensatz zum ersten Teil haben sich die Herausgeber auch dazu entschlossen, die Anmerkungen zu jedem Kapitel an das Ende des Buches zu stellen und nicht wie in der HERBIG-Ausgabe an das Ende eines jeden Kapitels, was dem Leser unseres Erachtens ein flüssigeres Lesen ermöglicht.
Auch wenn Irvings Arbeit gerade bei deutschen Lesern dazu beitragen dürfte, dass die Gloriole des einstigen britischen Kriegspremiers ins Bröckeln gerät, so sollte man doch nicht denken, dass sich dieses Werk als Brandschrift gegen Churchill begreift. Im Gegenteil. So erklärt Irving bereits im Vorwort zu „Churchill – Kampf um die Macht“: „Dies ist keine Arbeit, die seine Leistungen schmälern soll. Wie könnte sie es auch sein: jeder Schriftsteller, er sich in ein derartig lebendiges und menschliches Thema wie Churchill versenkt, muß sich durch das, was er in den ersten Woche findet, verzaubert vorkommen. …“
Doch nicht allein nur Irvings Lebensbeschreibung Churchills ist interessant. Wie in etlichen anderen Büchern des gleichen Autors auch, so ist auch hier wieder das Vorwort eine besondere Delikatesse für den mit Geschichte und aktuellem politischen Tagesgeschehen gleichermaßen vertraute Zeitgenossen, zeigt er hier doch einmal mehr schlaglichtartig, mit welchen Schwierigkeiten sich ein moderner Historiker herumzuschlagen hat, wenn er Zeitgeschichte aus unabhängigem Blickwinkel beschreiben möchte. Wies Irving im ersten Band seiner Churchill-Biographie bereits daraufhin, dass die Nachfahren des Premiers aufgrund vertraglicher Bindungen mit dem Verfasser einer offiziellen die persönlichen Papiere Churchills unter Verschluß hielten, so weist er im Vorwort zu seinem zweiten Band nicht ohne Ironie auf die Übernahme von etlichen Erkenntnissen seines Buches durch politisch korrektere Buchautoren.
Es ist nicht unsere Sache an dieser Stelle einen Überblick über Churchills Leben zu geben, dafür gibt es sicher berufenere Stimmen, doch wollen wir diese Besprechung nicht beschließen, ohne einen Zeitgenossen Churchills zu Wort kommen zu lassen, dessen nüchterner Wertung über das Wirken des britischen Kriegspremiers wir uns im großen und ganzen eigentlich anschließen können. Wir sprechen von Helmut Sündermann(1911-1972), der während des Krieges als stellv. deutscher Pressechef agierte.
In seinem Buch „Deutsche Notizen 1945/65 – Erlebnis, Widerspruch, Erwartung“ schrieb dieser 20 Jahre nach Kriegsende:
„…Es soll nicht vergessen werden, dass Churchill ab Mai 1945 – als die Katastrophe eingetreten war und jede Gegenwirkung zu spät kam – geradezu verzweifelte Erkenntnisse von sich gab: dass er versuchte, die Reichsregierung Dönitz im Amt zu halten, dass er den amerikanischen Präsidenten Truman vergeblich beschwor, Thüringen, Leipzig und Magdeburg und Schwerin nicht den Russen zu überlassen, dass er am Potsdamer Konferenztisch der Vertreibung der Ostdeutschen und der Oder-Neiße-Linie widersprach und später für ein Europa eintrat, zu dem nun endlich auch die Deutschen gehören durften. Das geschichtliche Gewicht seiner antideutschen Lebensleistung konnte durch diese nachträglichen, meist nur rednerischen Bemühungen nicht mehr aufgehoben werden.
So geht Winston Churchill – in der Tatkraft, nicht aber in der Einsicht ein Nachfahre seines Ahnen des Herzogs von Marlborough – ein in die Geschichte unserer Welt als ein Prototyp britischer Verblendung, ja als ein Symbol der eifervollen Selbstzerstörung der weißen Welt, die das Merkmal unserer Zeit geworden ist. Nicht ihn töricht zu glorifizieren, sondern das Abgründige, vielleicht sogar Tragische in seiner Erscheinung zu begreifen: das ist uns aufgegeben, die wir – trotz Churchill – an die Zukunft glauben.“
Diesem maßvollen und fairen Urteil eines früheren Kriegsgegners Churchills ist wohl nichts hinzu zu fügen, außer vielleicht der Wunsch, dass Irving mit der Veröffentlichung des Abschlußbandes seiner Churchill-Biographie nicht wieder 20 Jahre verstreichen lassen möge und dass man den ersten Band der Biographie wieder neu auflege, zumal dieser inzwischen antiquarisch nur noch mit Mühe zu bekommen ist.
Zu bestellen ist das Buch unter dem Titel
David Irving
Schlachtführer gegen das Reich
Churchills Krieg 1941-1942
480 S., farb. u. s/w. Abb.
ISBN 978-3-88741-082-7
ARNDT-Verlag in Kiel
Postfach 3603 D-24035 Kiel
Tel. 04384/59700 Fax 597040
buchversand@lesenundschenken.de





18 responses so far ↓
1 die times // Sep 5, 2007 at 0:20
Das Buch steht bei mir im Regal.
2 Wetekamp // Sep 5, 2007 at 6:59
“Diesem maßvollen und fairen Urteil eines früheren Kriegsgegners Churchills ist wohl nichts hinzu zu fügen, außer vielleicht der Wunsch, dass Irving mit der Veröffentlichung des Abschlußbandes seiner Churchill-Biographie nicht wieder 20 Jahre verstreichen lassen möge”
In 20 Jahren gibt es hoffentlich Wahre Geschichtsbücher, die Irvings heute “mutige” Werke zum Groschenroman machen.
3 Otto I. // Sep 5, 2007 at 7:34
@ die times:
Dunnerlüttchen! Da sag ich nur: Glückwunsch, und weiter so!
4 Wetekamp // Sep 5, 2007 at 9:42
@die times :
“Das Buch steht bei mir im Regal.”
Und? Haben Sie es auch gelesen oder erfüllt es nur Ihren Besitzerstolz?
5 griesgram // Sep 5, 2007 at 9:53
“So geht Winston Churchill – in der Tatkraft, nicht aber in der Einsicht ein Nachfahre seines Ahnen des Herzogs von Marlborough – ein in die Geschichte unserer Welt als ein Prototyp britischer Verblendung, ja als ein Symbol der eifervollen Selbstzerstörung der weißen Welt, die das Merkmal unserer Zeit geworden ist. Nicht ihn töricht zu glorifizieren, sondern das Abgründige, vielleicht sogar Tragische in seiner Erscheinung zu begreifen: das ist uns aufgegeben, die wir – trotz Churchill – an die Zukunft glauben.“
Ob die derzeitigen “Größen” in London und die “eiserne Lady” mal einen ebenso fairen Nachruf bekommen werden?
6 STICHHAUSEN // Sep 5, 2007 at 10:12
Englische Kommunisten bezeichneten Churchill als Hauptkriegsverbrecher. Das gab damals ein DDR-Journal bekannt.
7 die times // Sep 5, 2007 at 12:14
@Wetekamp
Beides.
8 ernstgemeinte Frage // Sep 5, 2007 at 13:57
Wer sind denn die drei abgebildeten Herren ?
9 Hauke Haien // Sep 5, 2007 at 15:44
‘Wer sind denn die drei abgebildeten Herren ?’ und was machen die vor dem Sarg?
H.H.
10 wikiblödia stellt klar: // Sep 5, 2007 at 16:57
@Hauke Haien
Die STEHEN auf einem Sarg. Das wußte da aber noch keiner von ihnen.
11 kphp // Sep 5, 2007 at 20:27
@Wetekamp,
ich hätte da noch etwas!
Kriegsverbrecher Churchill: “Ich möchte keine Vorschläge haben, wie wir kriegswichtige Ziele im Umland von Dresden zerstören können, ich möchte Vorschläge haben, wie wir 600.000 Flüchtlinge aus Breslau in Dresden braten können.”
12 Hauke Haien // Sep 5, 2007 at 23:04
@wikibloedia
Denk’ste das ist die ‘Hood’?
H.H.
13 Hauke Haien // Sep 5, 2007 at 23:06
Den in der Mitte hab ich schon mal im Fernsehen gesehen, Kaept’n Ahab oder so.
H.H.
14 Andreas Fritz // Sep 6, 2007 at 5:17
Bei dem abgebildeten Schiff handelt es sich nicht um HMS Hood.
Auf dem Bild sind vier Geschützrohre in einem Turm zu sehen. HMS Hood hatte acht 38,1 cm L/42 Geschütze in Doppeltürmen.
Bei dem abgebildeten Schiff könnte es sich um HMS Prince of Wales handeln, auf der am 14. August 1941 in Argentia (Neufundland) die “Atlantik-Charta” unterzeichnet wurde.
Was dann auch “Hauke Haien” und “wikiblödia stellt klar” mit Sarg meinen…
HMS Prince of Wales hatte zehn 35,6 cm Geschütze, davon am Bug vier Geschütze in einem Turm und einen Zwillingsturm.
15 Internetrecherche // Sep 6, 2007 at 7:40
Also der langaufgeschossene Herr ist Mr. Duff Cooper, erklärter Hitler- Gegner und Vertreter der engl. Kriegspartei, in der Mitte (ist klar) Churchill, beim dritten Herrn handelt es sich um Arthur Mc. Hevitt, Kapitän der Hood (das abgebildete Schiff, welches später versenkt wurde).
Hevitt bestand bei Dienstantritt auf der “Hood” darauf, dass das Schiff mit Abschussrampen für Wasserbomben ausgerüstet wurde, damit es auch zur U-Boot-Jagd eingesetzt werden konnte. In der Folgezeit zeigte sich die hervorragende Eignung dieser für “dicke Pötte” eher ungewöhnlichen Waffe in Angriff und Verteidigung, so daß noch weitere Schlachtschiffe u. Schlachtkreuzer für die U-Boot-Jagd umgerüstet wurden. (Dies geschah vor allem, um die wichtigeren schnellen Korvetten und Zerstörer für Blockadeaufgaben gegen gegnerisch Seewege freizubekommen.)
Hevitt selber war bereits im 1. WK Fregattenkapitän und wurde im Skagerak verwundet (Verlust eines Beines).
16 griesgram // Sep 6, 2007 at 22:37
@Andreas Fritz
“Bei dem abgebildeten Schiff könnte es sich um HMS Prince of Wales handeln, auf der am 14. August 1941 in Argentia (Neufundland) die “Atlantik-Charta” unterzeichnet wurde.”
Stimmt. Das Bild wurde auf der Rückreise aufgenommen, vor dem vorderen Geschützturm der POW.
http://www.forcez-survivors.org.uk/gallery/powdrydock.jpg
POW wurde später von den Japanern versenkt, zusammen mit der “Repulse”.
17 Leipziger // Sep 7, 2007 at 7:27
Churchill meldet Konkurs Englands an
Washington unterstützt den Auflösungsprozeß des Britenreiches
wl Berlin. Die englische Regierung hat in Washington den Antrag gestellt, die Leih- und Pachtlieferungen auch nach dem Kriege aufrecht zu erhalten. Sie begründet diesen aufsehehenerrregenden Schritt, der in kaum noch verschleierter Form einer Konkurserklärung gleichkommt, mit dem Hinweis, daß sich die englische Wirtschaft nach Friedensschluß nur sehr schwer von den Einwirkungen des Krieges erholen werde. Die ersten amerikanischen Kommentare zu diesem Bittgang Churchills lassen bereits erkennen, daß man in Washington die Absicht hat, eine Erörterung des Gesuches möglichst lange hinauszuziehen, um den Auflösungsprozeß des englischen Weltreiches zu beschleunigen, als dessen Erbe man sich heute schon fühlt.
Der Schwerpunkt des Widerstandes gegen eine Weiterführung der Leih- und Pachthilfe für England nach dem Kriege ist der Senat. Der Vorsitzende seines Ausschusses für Nachkriegsfragen, Murray, erklärte mit zynischer Offenheit, Amerika werde England in dieser Hinsicht erst dann helfen, wenn London den Nachweis erbringe, daß der vollkommene Zusammenbruch des britischen Weltreiches drohe. Er machte jedoch
keine Andeutung, in welcher Richtung Washington einzugreifen gedenke. Sein Kommentar läßt also auch den Schluß zu, daß durch Amerikas Eingreifen lediglich eine Beschleunigung des Auflösungsprozesses herbeigeführt werden soll. Das würde durchaus her verfolgten Tendenz der amerikanischen Politik gegenüber dem Alliierten entsprechen.
In politischen Kreisen Washingtons, die ebenfalls eine stark ablehnende Haltung einnehmen, erklärt man zu dem britischen Hilfsgesuch, auch die übrigen Länder würden sich nach dem Kriege in einer ähnlich schwierigen Lage wie England befinden. Die Vereinigten Staaten dächten aber nicht daran, sie zu Kostgängern zu machen und durch eine großzügige Wiederaufbauhilfe Konkurrenten für das kommende Exportgeschäft großzuziehen. In England wird man diese erste Reaktion auf den Bitte Churchills sicher mit sehr gemischten Gefühlen aufnehmen. In ihr zeichnet sich nicht nur sehr deutlich das wahre Gefühl Nordamerikas gegenüber seinen Alliierten, sondern auch der Zwang ab, dem englischen Volk das Scheitern aller angeblichen innerpolitischen Reformpläne eingestehen zu müssen.
Quelle: Leipziger Tageszeitung vom 20.8.1944
Anm. Wiederaufbauhilfe wurde zwar, wie die Geschichte zeigte, in unterschiedlichem Ausmaß gewährt, jedoch als trojanisches Pferd für US-Unkultur von Hollywood bis Wall-Street.
18 Leipziger // Sep 7, 2007 at 7:37
Nochn Link zum Fremdenfeind:
http://www.welt.de/politik/article1099953/Akten_zeigen_Churchills_fremdenfeindliche_Plaene.html
…mit ebenfalls lesenswerter Kommentarspalte. Böse Zungen behaupten, diese wäre der einzige Grund dort hin und wieder vorbeizuschauen. Vermutlich haben sie recht.
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