Auweia, Deutschland ist im Fußballfieber. Einige Bürger machen sich warme Gedanken, wie man bei aufgeheizter Stimmung kühlen Kopf bewahren kann. Ein bewährtes Mittel ist Prophylaxe.
Während als Ergebnis diverser Gesundheitsreformen medizinische Vorsorge nur ab einem bestimmten Alter notwendig erscheint und der Patient zwecks Untersuchung den Arzt aufsuchen muß, scheint extra für die Erstellung der Diagnose Fußballfieber ein neues Hausarztmodell in der Erprobungsphase zu sein. Es hat schon Hausbesuche gegeben. Da die Ärzte gerade streiken, kommen Beamte in Zivil zu den gefährdeten Personen nach Hause.
Es muß eine Art Pilotprojekt für Bodenbrüter sein, denn es wird davor gewarnt, während der WM das Nest zu verlassen; anderenfalls könnten schon mal die Flügel gestutzt werden. Damit sich kein Kuckuck ins Rotkehlchennest setzt und die deren Brut Schaden nimmt, sollen zwangsweise prophylaktische DNA-Tests der Erkennung von Nestflüchtern dienen.
Da staunt man, was so alles geht. Ein Sportereignis wird zum Politikum und pure Angst beim Gastgeber läßt Prophylaxe möglich werden, die sonst bei wirklichen politischen Skandalen unnötig war. Erinnern wir uns an die Mehrfachmeldung von Asylanten bei verschiedenen Sozialämtern? Die Tatsache, daß Betrug an der Tagesordnung war, wurde kleingeredet, bis aus den handfesten politischen Skandalen einfach künstlich erzeugte Kampagnen wurden, die außerdem noch ausländerfeindlich waren. Für das Abnehmen von Fingerabdrücken oder gar DNA-Material gab es keine rechtliche Basis.
Wer so nicht mit seinen ungebetenen Gästen umspringen kann, sollte dann auch so nicht mit seinen Landsleuten umspringen wollen. Wir sind ein Volk - vermutlich sogar eines, mit dem man beliebig umspringen kann. Wen wundert es da, wenn Leute, die die subjektiv erlebte Mangellage nicht akzeptieren, emotional reagieren?
Tja, da bleibt wohl für so manchen Fan nur die Option VIP. Wenigstens ein Spiel im Stadion ansehen zu dürfen, die Taktik der Spieler und den gepflegten Rasen von einem guten Tribünenplatz zu bewundern zu können, bleibt denen vorbehalten, die nicht rein vorsorglich untersucht werden müssen. Für den Fan bedeutet VIP ganz einfach: ab zur VERBANNUNG INS PANTOFFELKINO! Er kann den Fernseher auf den Balkon stellen und sich an der spontanen Begrünung auf dem Wäscheplatz erfreuen.
D. Reichert
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