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Berlin: In Orwells „1984“ befindet sich bekanntlich ein kurzer Anhang der mit der Überschrift „Grundlagen des Neusprech“ übertitelt ist. Darin heißt es u. a.:
“Neusprech war die Amtssprache Ozeaniens und entworfen worden, um die ideologischen Anforderungen des Engsoz, oder englischen Sozialismus,zu erfüllen. Im Jahre 1984 gab es noch niemanden, der Neusprech als ausschließliches Mittel zur mündlichen oder schriftlichen Kommunikatin benutzte. …
…Man erwartete, daß Neusprech etwa 2050 Altsprech schließlich verdrängt haben würde. Inzwischen gewann es ständig an Boden, weil alle Parteimitglieder dazu tendierten, im täglichen Sprachgebrauch immer mehr Neusprechwörter und grammatikalische Konstruktionen zu verwenden. …
…Neusprech sollte nicht nur ein Ausdrucksmittel für die den Anhängern des Engsoz gemäße Weltanschauung und Geisteshaltung bereitstellen, sondern auch alle anderen Denkweisen unmöglich machen. Es war geplant, daß Neusprech ein für allemal angenommen und Altsprech vergessen worden war, ein ketzerischer Gedanke – d. h. ein von den Prinzipien des Engsoz abweichender Gedanke – buchstäblich undenkbar sein sollte, insoweit wenigstens, als Denken an Worte gebunden ist. Das Vokabular war so konstruiert, daß jeder schicklichen Meinung, die ein Parteimitglied äußern wollte, ein genauer und oft sehr subtiler Ausdruck gegeben werden konnte, während zugleich alle anderen Inhalte und auch die Möglichkeit, sie indirekt zu vermitteln, ausgeschlossen wurden. Dies erreichte man zum Teil durch die Erfindung neuer, hauptsächlich aber durch die Eliminierung unerwünschter Wörter und indem man die verbleibenden Wörter aller unorthodoxen und soweit wie möglich überhaupt aller Nebenbedeutungen entkleidete.
Ein Beispiel mag genügen. Das Wort frei existierte zwar in Neusprech noch, konnte aber nur in Aussagen wie >>Dieser Hund ist frei von Flöhen< < oder >> Dieses Feld ist frei von Unkraut< < verwandt werden. In seinem alten Sinn von >>politisch frei< < oder >>geistig frei< < konnte es nicht mehr gebraucht werden, weil diese politische und geistige Freiheit nicht einmal mehr als Begriff existierte und deswegen notwendigerweise auch namenlos war.
Abgesehen von der Abschaffung eindeutig ketzerischer Wörter, betrachtet man die Reduktion des Vokabulars als Selbstzweck, und kein entbehrliches Wort durfte überleben. Neusprech sollte den Gedankenspielraum nicht erweitern, sondern einengen, und dieser Zweck wurde dadurch unterstützt, daß man die Auswahl von Wörtern auf ein Minimum zusammenstrich. ...“
Nun sollte man eigentlich annehmen, daß eine solche Horrorvision gerade der schreibenden Zunft einen gehörigen Schrecken einjagen sollte, der sie dazu veranlaßt, solchen Machenschaften jeden nur erdenklichen Widerstand entgegenzusetzen und wenn schon nicht überall auf der Erde, so doch zumindest in einem Staat der sich tagtäglich als beste Demokratie und bester Rechtsstaat feiern läßt, den es nach seiner Meinung je auf deutschem Boden gegeben hat. Statt dessen aber erleben wir, wie die Gleichschaltung der öffentlichen Medien immer mehr forciert wird.
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Den Vogel schoß vor einigen Wochen dabei ausgerechnet der Deutsche Journalistenverband (DJV) ab. Diesem ist es offenbar in den Sinn gekommen, sogar noch die einstige Reichschrifttumskammer und der sozialistischen DDR-Nachfolger an Sprachregelungswahn zu übertreffen, so kündigte er in einer offiziellen Presseerklärung am 17. März an, daß Projekt einer Sprachfibel gegen Rassismus unterstützen zu wollen. Besagte Fibel soll von einem Projektteam erstellt werden, dem neben dem Initiator, dem DJV-Landesverband Nordrhein-Westfalen, das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) und die Initiative Journalisten gegen Rassismus angehören. Gleichzeitig bemüht man sich, vermutlich aus finanziellen Gründen, um eine Kooperation mit der nordrhein-westfälischen Landeszentrale für politische Bildung.
In der Erklärung heißt es u. a.:
„…In dem heutigen DJV-Forum “Diskriminierung durch Sprache und Bilder in den Medien” auf der Leipziger Buchmesse sagte Konken (DJV-Chef) zu dem Projekt: “Viele Wörter aus dem Nazideutsch sind in unseren Wortschatz übergegangen. Wir müssen uns dessen bewusst werden und die Sprache von diesen Begriffen reinigen.”
Wie bildhafte Sprache zur Diskriminierung von Minderheiten beitragen kann, machte Dr. Margarete Jäger vom DISS im heutigen DJV-Forum am Beispiel des Themas Migration deutlich. “Deutschland ist gegenüber dem Strom von Flüchtlingen und Einwanderern eine Insel, ein Land ohne Damm, das durch Fluten in der Gefahr steht, überschwemmt zu werden. Deutschland ist mit einem Boot zu vergleichen, das diesen Fluten ausgeliefert ist”, erläuterte Jäger. “Die Kollektivsymbolik, die dabei zum Einsatz kommt, kann diskriminierende Effekte produzieren bis hin dazu, dass sich in der Bevölkerung ein latentes Bedrohungsgefühl ausbreitet.” Journalisten sollten wissen, welche Effekte mit dem Einsatz von rhetorischen Bildern erzielt werden, fügte sie hinzu.
“Die Frage muss geklärt werden, ob die Darstellungsmittel klischeehafte rassistische oder antisemitische Stereotype enthalten”, sagte Prof. Dr. Siegfried Jäger vom DISS mit Blick auf den journalistischen Alltag. Dabei könne die Sprachfibel als unverzichtbares Werkzeug helfen.
“Wir Journalisten haben eine besondere Verantwortung, da die Vorbildfunktion des Wortes die Menschen lenkt, durch Sprache verändert”, sagte DJV-Vorsitzender Konken. Er freue sich deshalb, dass der DJV gemeinsam mit der Initiative Journalisten gegen Rassismus am heutigen Freitag den Startschuss zum Projekt Sprachfibel geben könne.
Die Initiative Journalisten gegen Rassismus ist im April letzten Jahres gegründet worden. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, Journalistinnen und Journalisten zu besonders sensiblem Umgang mit ihrem Arbeitswerkzeug Sprache anzuhalten. Symbol der Initiative ist ein diagonal geteiltes schwarz-weißes Quadrat. …“
Es war der jüdische Literaturhistoriker Victor Klemperer der seiner Epoche das literarische Denkmal „Lingua Tertii Imperii“ aufdrückte, indem er die Sprachgestaltung unter dem Nationalsozialismus anprangerte, obwohl diese im Vergleich zu dem was man heute mit der deutschen Sprachen so veranstaltet noch relativ harmlos war. Was Klemperer wohl zu solchen politisch überkorrekten Sprachreinigungsplänen gesagt hätte?
In einem Bericht der JUNGEN FREIHEIT heißt es zu diesen Plänen: „
„…Das mit pseudowissenschaftlichem Anstrich operierende DISS, das eng mit der Parteistiftung der Linkspartei.PDS und anderen linksradikalen Gruppen zusammenarbeitet, die selbst der auf dem linken Auge inzwischen fast blinde Verfassungsschutz als deutlich anrüchig einordnet, hatte sich beim DJV als Ratgeber angedient, um eine „Sprachfibel“ zu erarbeiten, die faktisch der Selbstzensur von Journalisten dienen soll (siehe JF 14/06 und in dieser Ausgabe auf Seite 4).
Ginge es nach Schöpfern einer an Orwellsches Neusprech erinnernden gereinigten Sprache, wie sie die DJV-Sprachfibel durch freiwillige Selbstanzeige mustergültig politisch korrekter Journalisten erzielen will, so hätte man in den letzten Tagen schon gar nicht mehr erfahren können, daß die Hauptschulen in den Berliner Bezirken Neukölln und Wedding an einem ethnischen Problem kollabieren und nicht etwa nur an einem sozialen, wie einem Ideologen der multikulturellen Gesellschaft immer noch gebetsmühlenartig weismachen wollen. …“
Im weiteren Verlauf weist das konservative Blatt daraufhin, daß Pläne wie diese „an die autistischen Reaktionen der DDR-Staatsführung im Herbst 1989“
erinnern. Dem ist wohl nicht zu widersprechen.
Zufällig kommt diese journalistische Sprachregelungsfibel freilich keineswegs. Sie liegt ganz in der Tradition, die im März vergangenen Jahres bereits von der Sozialdemokratin Cornelie Sonntag-Wolgast eingeleitet wurde. Diese leitete seinerzeit den Innenausschuß des Bundestages. In dieser Eigenschaft erließ sie seinerzeit Direktiven für den Umgang von Journalisten im Umgang mit politischen Gegnern des etablierten Parteienkartells nationaler Herkunft, die der geschätzte Leser sich nach Lektüre dieses Artikels vielleicht bei guter Muße in der Linksammlung am Ende des Anhangs derselben nachlesen mag.
Der Deutsche Journalistenverband ist für eventuelle Rückfragen oder Meinungskundgebungen unter Tel. 030/72 62 79 20 oder per Fax 030/726 27 92 13 zu erreichen.
PS: Es wäre allerdings wirklich ungerecht, den Deutschen Journalistenverband jetzt einseitig verteufeln zu wollen, ermahnte er doch am 7. April ebenfalls in einer Pressemitteilung die für Fernsehproduktionsfirmen Journalisten arbeitenden, doch künftig bitte schön bei der Berichterstattung über gewalttätige Jugendliche auf Informationshonorare zu verzichten, da derlei „weder mit dem journalistischen Ethos noch mit den Grundregeln des journalistischen Arbeitens vereinbar“ sei, so jedenfalls DJV-Chef Michael Konken, den wir weiter oben ja schon als politisch korrekten Sprachreiniger kennenlernen durften.
Anlaß für diese Pressemitteilung sind wiederholte gestellte Gewaltdarstellungen in politischen Hintergrundssendungen. Anlaß für Konken seine Kollegen zu warnen: „Wenn sich die Zuschauer nicht auf die Authentizität der Berichterstattung verlassen können, nehmen sie die wichtige gesellschaftliche Problematik der Jugendgewalt nicht mehr ernst.“ Daß es überhaupt zu einer solchen Pressemeldung kommen muß, zeigt eigentlich nur wie verrottet der journalistische Sumpf in der Bundesrepublik eigentlich schon ist. So gehören Erfindungen in der journalistischen Berichterstattung bekanntlich zum guten Ton, sofern es sich nur um gegen rechten Gegenstand bei derselben handelt. Wir sagen in diesem Zusammenhang nur ein Wort, daß wohl stellvertretend für alles steht, was je in dieser Hinsicht veröffentlicht wurde: SEBNITZ.
Doch von derlei hörte man in der DJV-Presseerklärung freilich nichts. – Die Schriftleitung
Siehe auch
Deutscher Journalistenverband (DJV) 27.03.06
JUNGE FREIHEIT 15/06 07. April 2006
http://www.txt94.de/jobblog/kommentare.php
Deutscher Journalistenverband PM 07.04.06
Und natürlich
George Orwells „1984“
Quelle: Störtebeker-Netz 11.04.06






6 responses so far ↓
1 Bergfeuer // Apr 11, 2006 at 21:11
als ob es keine anderen Probleme gebe? Aber ich bin sicher, das sind Zuckungen des untergehenden Schiffes. Die letzten Zuckungen.
2 koenig // Apr 11, 2006 at 22:26
“neben dem Initiator, dem DJV-Landesverband Nordrhein-Westfalen, das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS)”
Schön zu wissen, daß der Journalistendachverband mit den Linksextremisten vom Duisburger Institut Sprach-und Sozialforschung (DISS)gemeinsame Sache macht.
3 pseudo-nym // Apr 12, 2006 at 16:45
Es gibt ein altbekanntes Hausmittel für solche Fälle, -der Schmierenjournaille und den politisch überkorrekten Systemknechten angedacht- ein paar kräftige Schläge auf den Hinterkopf sollen bekanntlich das Denkvermögen erhöhen.
Und diese Arznei gibt es sogar ohne Rezeptgebühr.
4 durchblicker // Apr 12, 2006 at 21:27
Nein, das beste Rezept ist es, Waffengleichheit herzustellen und Projekte zu unterstützen, die gegen die System-Journaille antreten. Mehr dazu unter: http://www.freiheit-wattenscheid.de
5 Jörg Olaf Hoffmann // Jan 28, 2007 at 14:57
Leider herrscht in Deutschland eine Geschichtslüge
über Nazideutsch vor. Nazideutsch von und mit Herrn Duden eingeführt, war von Anfang an da zu gedacht, Anderen die Sprache zu erschweren, um Ausländer besser erkennen zu können. Dies erfährt man z.B. wenn man ein mal den Film „die Nadel“ sieht. Bei der Regierung kein Wort davon. Warum auch ist doch die deutsche Regierung Duden konform. Noch nach dem Krieg war Duden im Westen enteignet worden und das Eigentum an die Firma Langenscheid zurück gegeben. Heute ist das private Dudengesetz wieder in Kraft. Wonach der Firma Duden alle Rechte an der deutschen Sprache übergeben wurden. Dies haben wir mit der ehemaligen DDR und dem 3. Reich auch schon wieder gemein.
Wer meint Diskriminierung sei ein deutsches Wort, irrt gewaltig. In Wahrheit ist es aus dem alt-Griechich stammend und heisst richtig Diskrimination. Der Begriff Isolierung, auch aus dem alt-Griechich stammend und dort Isolation heissend, der Begriff Isolierung also stand für Einzelhaft und Folter. Tatsache ist das die Nazisprache wieder Gesetz in Deutschland ist. Gegen dieses Gesetz haben ich und andere Bürger protestiert, leider aber haben weder öffentlich rechtliche Medien noch der Jourmalistenverband Deutschland hierzu etwas gesagt. Daher geht die Diskrimination aller Duden Gesetz Gegner weiter.
Das heutige NEUSPRECH also ein altes NAZISPRECH.
6 Jörg Olaf Hoffmann // May 20, 2009 at 10:35
Entschuldigung, war wohl doch nicht die Nadel. Der Film den ich meine, spielte mit dem englischen Supercomputer und entdeckte, wie in der Wirklichkeit; Nazispione über die Sprache.
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