Für den deutschen Nationalismus ist es auch wichtig, im Sinne Carl Schmitts deutlich zwischen absoluter und wirklicher Feindschaft zu unterscheiden. Einem sittlichen Volk kann es nur um einen wirklichen politischen Feind gehen, nicht um einen absoluten Feind, den es auszurotten gelte.
Wem es um einen absoluten Feind geht, der muß diesen zuerst „moralisch vernichten“, erläutert Carl Schmitt in seiner „Theorie des Partisanen“ (1963). Der deutsche Staatsphilosoph führt zur Position der absoluten Feindschaft weiter aus: „Sie müssen die Gegenseite als Ganzes für verbrecherisch und unmenschlich erklären, für einen totalen Unwert. Sonst sind sie eben selber Verbrecher und Unmenschen. Die Logik von Wert und Unwert entfaltet ihre ganze vernichtende Konsequenz und erzwingt immer neue, immer tiefere Diskriminierungen, Kriminalisierungen und Abwertungen bis zur Vernichtung allen unwerten Lebens.“
Wer den absoluten Feind vernichten möchte, muß ihn vollständig vernichten, also auch die gesamte Sippe, Frauen und Kinder, das gesamte Volk. Das hat mit politisch wirklicher Feindschaft im Sinne des europäischen Völkerrechts nichts mehr zu tun, wo es nur um das Soldatentöten geht. Bei der absoluten Feindschaft geht es um Religion, nicht um Politik. Dabei geht es um das Licht, das die Finsternis besiegen soll. Schmitt bringt es auf den Punkt: „In einer Welt, in der sich die Partner auf solche Weise gegenseitig in den Abgrund der totalen Feindschaft hineinstoßen, bevor sie sich physisch vernichten, müssen neue Arten der absoluten Feindschaft entstehen. Die Feindschaft wird so furchtbar werden, daß man vielleicht nicht einmal mehr von Feind oder Feindschaft sprechen darf und beides sogar in aller Form vorher geächtet und verdammt wird, bevor das Vernichtungswerk beginnen kann. Die Vernichtung wird dann ganz abstrakt und ganz absolut. Sie richtet sich überhaupt nicht mehr gegen einen Feind, sondern dient nur noch einer angeblich objektiven Durchsetzung höchster Werte, für die bekanntlich kein Preis zu hoch ist. Erst die Ableugnung der wirklichen Feindschaft macht die Bahn frei für das Vernichtungswerk einer absoluten Feindschaft.“
Nachdem klar geworden ist, daß es uns um deutsche bzw. europäische Sittlichkeit und nicht um eine orientalisch anmutende absolute Feindschaft gehen kann, wird somit auch deutlich, daß es im deutschen Interesse sein wird, wenn die israelischen Juden – möglichst unversehrt – dort bleiben, wo sie sind. Ihren derzeitigen Status als auserwählter Staat werden sie nur mittels „Holocaust“ und US-Unterstützung halten können. Sollte dies nicht mehr greifen, käme noch in Betracht, daß sich die Juden dort den Arabern unterwerfen, wie dies vor ein paar Jahren das Deutsche Kolleg (DK) als Lösung vorgeschlagen hatte. Das setzt aber wiederum voraus, daß den Juden dort entweder keine andere Wahl bleibt und sie davon ausgehen, bei einer Unterwerfung von den Arabern verschont zu werden. Ganz ausweglos ist die Lage der Israelis zudem aufgrund des Atomwaffenbesitzes nicht.
Es gibt noch ein Lösung: das Drei-Staaten-Modell. Das heißt, ein Staatenbund bestünde aus den Staaten Israel, Palästina und Jerusalem als Stadtstaat. Jerusalem wäre neutralisiert – für Juden, Muslime und Christen offen. Ähnlich dem Status Danzigs nach 1918, nur nicht unter Verwaltung des Völkerbunds bzw. der UNO, sondern unter deutscher Verwaltung. Das würde allerdings voraussetzen, daß es einen in dieser Frage neutralen und souveränen deutschen Staat gibt. Sonst ergäbe die Schiedsrichterrolle keinen Sinn. Deutschland könnte hier an die Tradition des Staufer-Kaisers Friedrich II. anknüpfen (Regierungszeit: 1212-1250), der neben anderen Titeln auch „König von Jerusalem“ war. Diese Selbstkrönung fand am 18. März 1229 in der Grabeskirche von Jerusalem statt.
Somit wäre doch allen Seiten geholfen. Die Deutschen könnten wirklich was gut machen, ohne „moralische“ Nötigung, die israelischen Juden blieben wo sie sind, auch die Palästinenser hätten ihren Staat. Das heißt: Nicht nur in Hollywood ist ein „Happy End“ möglich. Für alle diejenigen, die von blindem Haß, das heißt von einer absoluten Feindschaft getrieben sind, wäre das natürlich keine Lösung. Der Haß ist aber auf jeden Fall ein schlechter Ratgeber. Dies auch im eigenen deutschen Interesse, da undifferenzierter Haß gegen Juden im Interesse des Feindes die wirklichen Frontlinien verschleiert. Die antijudaistische Politikunfähigkeit besteht darin, daß sich die nationalpolitische deutsche Position unsinnigerweise im voraus möglicher Bündnispartner entledigen würde.
Der Fehler wurde schon einmal begangen, als die nationalsozialistischen Machthaber im Frühjahr 1933 ein Bündnisangebot des „Verbandes nationaldeutscher Juden“ ausschlugen, als gerade infolge der Machtergreifung die internationale zionistische Propaganda (vor allem von Übersee) über Deutschland hereingebrochen war. Der ebenfalls bündniswillige Präsident der „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“, Rabbiner Leo Baeck, wurde gar ins Lager nach Theresienstadt verbracht, aus dem er 1945 befreit wurde, worauf er 1956 in London starb. Dies alles berichtete nach dem Zweiten Weltkrieg der vorherige Mitarbeiter im Amt Rosenberg Heinrich Härtle in seinem sehr lesenswerten Buch (Heinrich Härtle: Deutsche und Juden. Studien zu einem Weltproblem. Druffel-Verlag, Leoni am Starnberger See 1976, S. 276).
Staatsmännisch schlauer als Hitler verhielt sich unlängst Hugo Chavez. Der venezolanische Präsident führte in eine Rede am 24. Dezember 2005 unter anderem aus: „Die Welt hat genug für alle, aber einige Minderheiten, die Nachkommen derselben, die Christus kreuzigten, die Nachkommen derer, die Bolívar von hier vertrieben und ihn auf ihre Weise in Santa Marta in Kolumbien kreuzigten, diese Minderheit eignete sich die Reichtümer der Welt an.“ (Zitiert nach „Junge Welt“ vom 20.01.2006) Die Folge war, daß Chavez vom Simon Wiesenthal-Center in Washington und Buenos Aires als „Antisemit“ öffentlich beschimpft wurde. Chavez war nun intelligent genug, in Freddy Pressner, dem Präsidenten des Bundes der Israelitischen Vereine Venezuelas (CAIV), einen Bündnispartner zu erkennen, der in einem Brief an Sergio Widder, den Leiter des Wiesenthal-Zentrums in Buenos Aires, gegen die zionistische Hetze protestierte. Hugo Chavez unterstrich somit, daß er das Zeug zu einem machiavellistischen Staatsmann hat. Der Venezolaner hat begriffen, daß die Unterscheidung von Freund und Feind im Sinne Carl Schmitts über die Fähigkeit des Politikers Auskunft erteilt. Adolf Hitler hatte es nicht begriffen. Er verwechselte zivilreligiösen Antijudaismus mit Politik.
Ende der Serie.
Siehe auch
Teil VI – Altermedia 02.10.06
Teil III – Altermedia 09.09.06
Quelle: Störtebeker-Netz 08.10.06




8 responses so far ↓
1 Schörner // Oct 8, 2006 at 23:26
Lieber Jürgen Schwab,
das Deutsche Volk leidet nicht an zu viel Glauben, sd. hat zu wenig desselben, um zu überleben!
Sie verrennen sich zunehmend in intellektuelle Abgehobenheiten und verkennen, daß schon gläubige, gesunde Völker mit Selbstbehauptungswillen bei Fuß stehen, ohne jener Skrupel, welche sie offenbar für die Deutschen auch noch weiterhin kultivieren wollen, um das schwach, wehleidig, zweifelnde deutsche Volk auf den Müllhaufen der Geschichte zu befördern.
Das Zeitalter des Zweifels muß endlich vorbei sein. Es hat uns an den Abgrund geführt. Deutschland braucht wieder einen neuen Glauben, denn nur er rechtfertigt das Nötige, das getan werden muß.
2 Toni // Oct 9, 2006 at 10:17
Herr Schwab, Sie übersehen immer noch das eigentliche Problem. Die Ursache dessen, was Sie hier „absolute Feindschaft“ nennen.
Europäer, Inder, Chinesen etc. sind Völker, die eine Kultur, eine Religion haben. Geben sie ihre Religion und Kultur auf, ohne sie durch eine höher stehende zu ersetzten, vergehen sie in der Dekadenz.
Anders das Judentum. Der Judaismus ist eine Religion, die ein Volk hat! Verschwindet die jüdische Religion, gibt es auch kein jüdisches Volk, keinen Staat Israel mehr. Gerade die Annahme einer anderen Religion, in diesem Falle des Christentums, das, wie die Geschichte gezeigt hat, andere Völker zu ungeahnter Blühte geführt hat, ist für das nachchristliche Judentum ganz und gar ausgeschlossen. Und das, obwohl Jesus seiner weltlichen Herkunft nach selbst Jude war. Es ist, was man ein Dilemma nennt, der Hintergrund der Kreuzigung Christi. Denn das tatsächliche Problem sind ja nicht die Juden, sondern der Judaismus.
3 Watzmann // Oct 9, 2006 at 13:17
“…sondern unter deutscher Verwaltung…”
“…Deutschland könnte hier an die Tradition des Staufer-Kaisers Friedrich II. anknüpfen …”
Also gut, werde mich nächste Woche zur Grabeskirche begeben, mir die Krone, welche auch immer, auf’s Dach hieven – und die Verhältnisse ordnen, aber so wie ich es für richtig halte, sonst wäre ja die ganze Krone für die Katz…
“…Somit wäre doch allen Seiten geholfen. Die Deutschen könnten wirklich was gut machen…”
Ei, ei, was denn nur und jetzt denn noch? – Und was machen die Juden und alle anderen “gut”. Bisher nix, die alten “Machiavellisten” die.
Mit Gerechtigkeit hat das nichts zu tun. Mit deutschen Belangen und Lebensnotwendigkeiten hat das nichts zu tun
“…Adolf Hitler hatte es nicht begriffen. Er verwechselte zivilreligiösen Antijudaismus mit Politik.”
Dieser und der darüber zitierte Satz sind schon Simon-Wiesenthal-Zentren und anderer Klappsmühlen würdig.
Mit Geschichtsbetrachtung hat das nichts zu tun.
“Absolute Feindschaft” läßt sich gerade für ein freies oder frei sein wollendes Volk unter anderem dadurch feststellen, daß sich die ANDEREN ihm gegenüber wie absolute Feinde verhalten. Nette Zuwendung und Sorge alleine sollte man diesen Feinden dann auch nicht entgegenbringen. Eher sich selber – das kann man an “De Dschuddn” (Diktator Hynkel alias Chaplin) ablesen. Wer nach der zweiten Fotze nochmals die Wange hinhält, ist gemäß Jesus Christus ein Depp. Von Wotan und dem wilden Heer will ich gar nicht erst reden.
“Ende der Serie.”
Da es aber laut Psychodoktern einen “Zwang zur Serie” geben soll, wird es doch irgendwie weiter gehen…
4 Wetekamp // Oct 9, 2006 at 15:01
“Staatsmännisch schlauer als Hitler …”
Das mag sein, denn Hilter war klug.
“Schlau” sind ggf. auch Sie Herr Schwab, aber klug?
5 Schwert // Oct 9, 2006 at 17:03
Der Beitrag kommt von mir, sorry.
@Schwab
Schade, daß Ihre Serie nun endet. Sie haben sich in diesem letzten Teil einen großen Schnitzer geleistet, der eigentlich dazu führen müßte, die Serie hier nicht abzubrechen. Denn bei der “absoluten Feindschaft” geht es überhaupt nicht um Religion im eigentlichen Sinne. Die Zitate von Carl Schmitt, welche Sie anführen, lassen diesen Schluß auch gar nicht zu. Carl Schmitts “absoluter Feind” entwickelt sich nicht aus der Religion (höschtens aus der “Zivilreligion”). Er entwickelt sich vielmehr aus dem Liberalismus und somit Atheismus. Das geht aus Carl Schmitts Worten eindeutig hervor: “Die Feindschaft wird so furchtbar werden, daß man vielleicht nicht einmal mehr von Feind oder Feindschaft sprechen darf und beides sogar in aller Form vorher geächtet und verdammt wird, … Erst die Ableugnung der wirklichen Feindschaft macht die Bahn frei für das Vernichtungswerk einer absoluten Feindschaft.“ Das sind eindeutig die Gesichtszüge der grassierenden Political Correctness, die eine Ausgeburt des atheistischen Liberalismus ist. Nach ihr muß alles negiert und egalisiert werden. Mit Religion hat das nichts zu tun.
Wer sind denn eigentlich die “namhaften” und noch heute maßgebenden Herrschaften, die “absolute Feinde” erschaffen haben? Da fällt einem z.B. Karl Marx ein – überzeugter Atheist -, dessen “absoluter Feind” die Bourgeoisie ist. Und auf wen gehen z.B. der Zionismus und der Begriff des Antisemitismus, der bereits zivilreligöse Züge angenommen hat, zurück? Tatsächlich auf orthodoxe Juden? Auf wen geht die Erschaffung des “aboluten Feindes” der Freiheit, Demokratie und universellen Menschenrechte (westlicher Art) zurück? Tatsächlich auf die Religionen? Oder doch eher auf die säkularisierten Gesellschaften des liberalistischen Westens? Schlußendlich: Wen meint Carl Schmitt denn, wenn er den Typus skizziert, der für sich den “absoluten Feind” als Rechtfertigung erschaffen muß, um alles historisch und biologisch Gewachsene zerstören zu können?
Ihr Vorschlag für Nahost ist prinzipiell recht gut, sofern er sich denn umsetzen ließe. Und das ist eher zweifelhaft.
6 Dike // Oct 9, 2006 at 17:44
Wenn Sie schon von “absoluter Feindschaft” reden, Herr Schwab, warum halten Sie sich bedeckt und schreiben nicht von dem ungebändigten Haß, der unermeßlichen, der absoluten Feindschaft der jüdischen Zionisten gegen unser deutsches Volk? So absolut ist dieser Haß, daß er seit nahezu 100 Jahren lodert mit dem Ziel, unser deutsches Volk ein für alle mal zu vernichten. Oder sollten Sie etwa noch nicht davon gehört haben?
Diese umfassende Zitatensammlung mag darüber erhellen:
1. http// gefolgt von den üblichen drei “w” eintippen. Punkt dahinter.
2. Gefolgt von “iahushua” . Punkt dahinter.
3. Fortsetzen mit: com/JQ/436quote1.html
7 Thomas Brehl // Oct 9, 2006 at 18:48
Die Juden sollen sich den Arabern unterwerfen?
Die Deutschen übernehmen die Kontrolle über Jerusalem?
Hitler hat nichts begriffen?
Herr Schwab, Sie sind nicht von dieser Welt…
8 Olsen // Oct 11, 2006 at 4:48
@Toni
“…Geben sie ihre Religion und Kultur auf, ohne sie durch eine höher stehende zu ersetzten, vergehen sie in der Dekadenz.”
Nicht schlecht. Hast wohl Spengler verstanden?
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