Als sich im Politik-Unterricht die Frage stellte, was wir in Zukunft für Themen behandeln wollen, schlug ich das Thema Globalisierung vor, was dann auch vom Rest der Klasse gewählt wurde.
Als der Unterricht dann mal stattfand, nachdem er wochenlang wegen Erkrankung des Lehrers ausgefallen war, sollten wir die Vor- und Nachteile der Globalisierung beschreiben. Ich als national eingestellter Schüler beschrieb in meinen Hausaufgaben, wie die Amerikaner systematisch die Weltherrschaft anstreben und wie deutsche Schüler durch ausländische Schüler im Lernfluß behindert werden. Außerdem beschrieb ich, wie immer mehr Ausländer mit ihren uns vollkommen fremden Sitten nach Deutschland kommen und sich hier nicht integrieren lassen wollen. Ich sprach mich eindeutig gegen die Globalisierung aus.
Nachdem ein paar Schüler ihre Texte bereits vorgelesen hatten, in denen sie fast nur positive Eigenschaften der Globalisierung benannten, zweifelte ich daran, ob ich meinen Text überhaupt noch vorlesen sollte. Letztendlich gab ich mir doch noch einen Ruck, da auch ich meine persönliche Meinung preisgeben wollte und da es nun galt, offenen Widerstand zu leisten. Als ich dann an der Reihe war und meinen Text vorlas, merkte ich, daß meine Meinung vielen ausländischen Mitschülern mißfiel. Da in meiner Klasse wie in so vielen anderen auch viele Ausländer sind, war die Empörung ziemlich groß. Sie ließen sich auf keine Diskussion ein und behaupteten, ich lebe noch im Mittelalter. Nach einiger Zeit der Beschimpfungen und des verbalen Angriffs auf meine Persönlichkeit sagte der Lehrer nur, daß meine Befürchtungen unangemessen seien, ohne dies genauer zu erläutern.
Bis zu diesem Satz hin, wußte ich noch gar nicht, daß ich in meinem Text von Befürchtungen gesprochen hatte. Bis dahin war ich eigentlich der Meinung gewesen, ich hätte von Tatsachen und Gegebenheiten gesprochen. Nach der völlig belanglosen Bemerkung meines Lehrers, wurde mein Text unter den Tisch gekehrt und der Unterricht ohne jegliche Diskussion über meine kritischen Äußerungen fortgeführt.
Wie so oft, wurde ich auch dieses Mal eines Besseren belehrt. Unterricht in der Schule dient nicht zum kritischen Bearbeiten von Themen, sondern zum Befolgen eines vorgegebenen Lehrplanes. Natürlich bin ich gleich nach dem Unterricht zum Lehrer gegangen und machte unmißverständlich klar, daß ich mit seinen Lehrmethoden nicht einverstanden bin. Die einzige Reaktion meines Lehrers jedoch war, daß er sich meinen Text zu Hause noch einmal genauer durchlesen wolle.
Nun hat er ja die gesamten Osterferien Zeit gehabt, sich passende Gegenargumente für meine Meinung zu suchen. Aber eins ist gewiß: auch ich werde meine Zeit nutzen, um weitere Belege für meine aufgestellten Thesen zu finden. Ich fordere jeden deutschen Schüler auf, politische Themen in der Schule kritischer zu betrachten. Gerade im Hinblick auf internationale Themen wie Globalisierung oder EU- Erweiterung.
Daniel Badinter (Schüler, 17 Jahre)
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