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Lorenz Caffier und der Stinkefinger der Freiheitsstatue (16.06.06)

June 16th, 2006 · Post your comment (8 Comments)

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“Ich bin bekannt für meine Ironie. Aber auf den Gedanken, im Hafen von New York eine Freiheitsstatue zu errichten, wäre selbst ich nicht gekommen.”
George Bernard Shaw

Schwerin / Greifswald: Zu einer Art Schiedsrichter des politisch korrekten Geschmacks scheint sich in Mecklenburg-Vorpommern der CDU-Generalsekretär Lorenz Caffier entwickeln zu wollen. So kritisierte er dieser Tage das Theater Vorpommern, daß eine „Open-Air“-Inszenierung des Musicals „Hair“ in Greifswald vorbereitet und zu diesem Zweck auch eine zwölf Meter hohe Freiheitsstatue in ihr Spiel mit einbezieht. Diese hat jetzt den Unwillen des CDU-Generalsekretärs Lorenz Caffier erregt, weil sie keineswegs ihrem Urbild in New York entspricht, sondern mit Stinkefinger und aufklappbarem Busen ausgestattet ist. Letzterer dient gar als Tanzfläche, was für den gleich seiner Kanzlerin gänzlich auf US-Kurs eingestellten Caffier offenbar als Inbegriff aller anti-amerikanischer Sünde zu sein scheint.

Lorenz Caffier

So sprach Caffier in diesem Zusammenhang von einer Unerhörtheit, zumal sein Idol, US-Präsident George W. Bush, in vier Wochen nach Stralsund reist und auf diese Art möglicherweise doch nicht den Eindruck gewinnen könnte, daß er hier doch nicht so der sehnlichst erwartete Gast ist, wie die CDU gern Glauben machen möchte. CDU-Fraktionssprecher Wolfram Axthelm verlangte inzwischen gar vom Theater, daß man den Stinkefinger der Freiheitsstatue umgehend beseitige, da Greifswald immerhin Universitäts- und Touristenstadt sei, wohin auch Touristen kämen, denen man es nicht zumuten könne wenn die Freiheitssymbole Amerikas verhöhnt würden. Was dies mit dem Stinkefinger der Freiheitsstatue in einem Musical wie „Hair“ zu tun hat, sagte der Mann mit dem martialischen Familiennamen allerdings nicht, zumal man sich gerade mit dem Verhöhnen anderer Nationen in den USA auch nicht gerade von moralischen Prinzipien leiten läßt.

In Greifswald reagiert man jedoch auf diesen Sturm im Wasserglas mit Gelassenheit, so denkt man bislang nicht im Traum daran, sich den Wünschen des christdemokratischen Landesolymps zu fügen. So erklärte der Intendant des Theaters, Anton Nekovar, nach Bekanntwerden dieser Forderungen, kurzerhand, daß ihm diese Herren nicht bekannt seien. Darüber hinaus verwies er darauf, daß diese zudem auch das Theater Vorpommern nicht kennen würden, da sie sonst wissen müßten, daß dort mit hohem künstlerischen Anspruch gearbeitet werde, eine Äußerung die wir in diesem Fall freilich für ebenso überzogen halten, wie die Forderung nach Abschaffung des Stinkefingers, die wir aber in diesem Fall aufgrund der Lage gern verzeihen wollen. Darüber hinaus bedankte er sich bei Caffier und Axthelm für die „originäre Werbung“, da diese Geld im Etat spare, der vom Schweriner Landtag in der Vergangenheit stark gekürzt wurde. Die Greifswalder Sprecherin des Theaters Vorpommern, Julia Lammertz, fügte außerdem hinzu: „Ein provokantes Stück verlangt ein provokantes Bühnenbild.“

Zurückhaltend äußert sich auch der Greifswalder Bürgerschaftspräsident Egbert Liskow (CDU), der über die Stinkefingergeste auch nicht so recht glücklich sein mag, dafür allerdings aber betont, daß die Aufführung des Stückes schon sehr viel länger geplant sei und keineswegs als Provokation gegen den Bush-Besuch gedacht wäre.

Siehe auch
Ostsee-Zeitung 16.06.06

Theater Vorpommern „Hair“

Ostsee-Zeitung HGW 16.06.06

Quelle: Störtebeker-Netz 16.06.06



Tags: Allgemeines

8 responses so far ↓

  • 1 Eichenholz // Jun 16, 2006 at 15:26

    Vielleicht ist die Freiheitsstatue ja ein religöses Symbol und daher besonders schutzwürdig?

    Der vorauseilende Gehorsam der Merkelianer ist nur noch peinlich.

  • 2 Eichenholz // Jun 16, 2006 at 15:31

    P.S. Ich würde mich auch nicht mehr wundern, wenn Merkel ganz im Sinne der früheren Fürsten, dem Präs. ein Geschenk von z.B. 1000 deutschen Soldaten für den Irak macht, direkt zum Mitnehmen, wie bei Mc Drive.

    Für den Kongo wurde ja noch eine kleine Runde im Bundestag als Feigenblatt gemacht. Das sollte man einsparen, schließlich sind die Abgeordneten schon “gestreßt” genug.

  • 3 Völkischer Beobachter // Jun 16, 2006 at 18:33

    Aus Joachim Fernaus Buch “Haleluja. Die Geschichte der USA”:

    “Das Wort ["Freiheit"] hat nicht, wie die Ideologen lehren, a priori einen Heiligenschein. Es kommt einem der schwere Verdacht, daß der Mensch durchaus nicht immer von allem ‘frei’ sein will, sondern nur von Dingen, die ihm nicht in den Kram passen. Daraus ergibt sich eine Erkenntnis, die von allen Hirnlosen mit großem Bedauern vernommen werden wird, nämlich die Erkenntnis, daß das Wort ‘Freiheit’ zwar etwas aussagt, aber verschweigt, wovon. Es ist ein Wort wie ‘Wetter’. Gefällt Ihnen Wetter? Das kommt darauf an, nicht wahr? Eben.

    Die Benutzung des Wortes Freiheit geschieht fast immer in Form einer Parole, einer Fanfare. Sie hat eine gefährliche Faszination. Es sind meistens Verführer, die sie benutzen und Dummköpfe, die sie inhalieren.
    [...]
    Für den neuen Menschentyp, den Amerika repräsentierte, war das Wort Freiheit Opium. Natürlich, der Amerikaner hätte durchaus sagen können, worin er zum Beispiel freier war als ein Preuße, aber dies oder ähnliches war es nicht, womit er den Begriff Freiheit füllte. Nein, ‘Freiheit’ wurde für den Amerikaner die Geliebte, auch wenn sie ihn fortgesetzt betrog und zum lächerlichen ‘Professor Unrat’ machte.

    1886 stellten die Amerikaner dieser Hure zu Ehren vor der Hafeneinfahrt von New York eine Riesenstatue auf, die ihnen Frankreich geschenkt hatte und die, da die Franzosen Scherzbolde sind, innen hohl ist.”

  • 4 Peter W // Jun 16, 2006 at 20:55

    @ Eichenholz :
    „…Ich würde mich auch nicht mehr wundern, wenn Merkel ganz im Sinne der früheren Fürsten, dem Präs. ein Geschenk von z.B. 1000 deutschen Soldaten für den Irak macht, direkt zum Mitnehmen, wie bei Mc Drive…“

    Ich fürchte es ist genau umgekehrt: Es ist die Bundesregierung deren vitales Interesse ist,
    im Iran einzumarschieren.
    Es ist nicht Bush, der die Merkel zu einem Angriff auf den Iran belatschern wird, sondern
    genau umgekehrt.

    Ist der unsägliche Brief der Frau Merkel und des Herrn Schönbohm, als die seinerzeitige Regierung eine Beteiligung am Irakeinsatz ablehnte, noch in Erinnerung?

    Lässt man den Präsidenten Ahmadinedjad noch ein Weilchen gewähren, besteht die „Gefahr“, dass einige Prämissen der Bundesrepublik ins Kippen geraten.
    Das vitale Interesse des Präsidenten Ahmadinedjad ist es , genau das zu tun.

    Stellen Sie sich nur mal vor was geschehen würde, wenn die Grundlagen der Anschauungen von Millionen von Bürgern von einem Tag auf den anderen verschwunden sind. Und stellen Sie sich weiter vor was passiert, wenn die Menschen überlegen in welch absurder Weise diese Prämissen ihre Handlungen und ihre Gedankenwelt beeinflusst haben.
    Es würde hier möglicherweise kein Stein auf dem Anderen bleiben und- wieviele Bäume stehen eigentlich auf dem Bundestagsgelände?
    Es ist nicht jeder so ein gebildeter und disziplinierter Mensch wie Horst Maler.

    In diese Richtung deute ich die auf den ersten Blick befremdlich Anmutenden Bemühungen um
    den neuen Patriotismus. Siehe:
    http://de.altermedia.info/general/heisst-flagge-die-gew-hessen-und-suddeutsche-zeitung-im-zwiespalt-des-neuen-patriotismus-150660_6118.html#more-6118

    Ohne eine wenigstens rudimentäre Version eines Patriotismus ist es halt nicht möglich solch ein Unternehmen zu beginnen.

    Ebenfalls in diese Richtung deute ich die ungeheuerlichen Gesetzespläne des Brandenburgischen
    Innenministers Schöhnbohm, ohne dabei auf nennenswerten Widerstand zu stoßen.
    Siehe auch:
    http://de.altermedia.info/general/cdu-integrationsministerin-fur-mehr-arbeitsmoglichkeiten-fur-auslander-140606_6099.html#comment-6771

    Wie ist es weiterhin zu erklären, dass Beckstein in Friedenszeiten den Präsidenten eines anderen Landes öffentlich als Verbrecher bezeichnet?

    Es ist eine Sache, wenn eine Privatperson demonstriert und in der Öffentlichkeit eine wie auch immer geartete Meinung äußert. Eine andere Angelegenheit ist es, wenn das Gleiche ein in Amt und
    Würden stehender Politiker macht.

  • 5 Stalinist // Jun 17, 2006 at 13:45

    @ Peter W
    Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass der Iran (Perser) sich tatsächlich dem arabischen Problem Israel mit nuklearen Mitteln zuwendet? Das zu verhindern liegt mitnichten bei der deutschen Armee. Da gibt es andere und bedeutendere Akteure in der Region (Russland und China), die einem solchen Treiben einen Riegel vorschieben.
    Nee, der Iran kann Israel gut brauchen. Außerdem - und auch dies wurde durch einen iranischen Oppositionellen im Deutschlandradio Kultur erst vor Kurzem bestätigt - hat der iranische Präsident nichts gegen “die Juden”, sondern nur etwas gegen den zionistischen Staat. Will sagen, wenn Juden und Araber dort gemeinsam leben und - um in ihrer Begrifflichkeit zu bleiben - mit sich und der Welt “Schachern und Wuchern” ist für die religiösen Führer in Teheran alles in Ordnung.
    Der Fahnentaumel kommt den Volksverrätern in Berlin höchstens beim unschönen Ableben von Bundeswehrsoldaten im Kongo oder Afghanistan zustatten. Denn irgendwie muss man den Müttern und Vätern ja erklären warum ihre Kinder gefallen sind. Einen Kommentar dazu erspar ich mir aber, das können sie selbst analysieren.

  • 6 Peter W // Jun 17, 2006 at 15:00

    @ Stalinist :

    „…Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass der Iran (Perser) sich tatsächlich dem arabischen Problem Israel mit nuklearen Mitteln zuwendet?…“

    Jetzt haben Sie wieder etwas in den falschen Hals bekommen. Dass der Iran Israel oder wen auch immer mit Nuklearwaffen angreifen würde, glaubt doch hier kein Mensch. Wie ev. Äußerungen Ahmadinedjads dahingehend von dem Medien und Politikern interpretiert werden, ist böswillig.
    Es ist bekannt, dass Iraner allgemein zu einer blumigen Ausdrucksweise neigen. Wenn sogar ich das weiß, kann es unmöglich sein, dass diese Tatsache unseren Politikern unbekannt ist, und falls doch, gibt es genug Diplomaten, die sie darüber unterrichtet haben.

    „…hat der iranische Präsident nichts gegen „die Juden“, sondern nur etwas gegen den zionistischen Staat…“

    Eben. Überhaupt geht es bei dem ganzen Gezeter nur vordergründig um die Juden. In Wahrheit geht es der Bundesregierung um den Schutz der „Grundlagen“ der Bundesrepublik, d.h. um höchst eigene Interessen.

  • 7 Bruder Jakob // Jul 11, 2006 at 19:57

    Die Freiheiheitsstatue ist einer Pariser Skulptur nachempfunden, die Königin Semiramis von Babylon, Mutter aller Göttinnenanbetung, darstellen soll und der Stadt New York von einer Freimaurerorganisation gestiftet wurde.

    Auf der offiziellen Website steht “gestiftet vom französichen Volk” aber die Brüder bedienen sich ja gerne unseres Geldes um Ihre Grosszügigkeit zu dämonstrieren. ;)

    Vielleicht fühlt sich Bruder Caffier ja in seinem tiefsten okkulten Glauben beleidigt!

    Segen
    Jakob

  • 8 Bruder Jakob // Jul 11, 2006 at 20:00

    Die ganze Story (leider nur auf Englisch):
    http://freemasonrywatch.org/statue_of_liberty.html

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