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Michael Winkler: Die K-Frage (01.10.08)

October 1st, 2008 · Post your comment (10 Comments)

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Die Bundestagswahl ist schon am 27. September 2009, uns bleibt also nicht einmal mehr ein Jahr, bis die Frage nach dem nächsten Bundeskanzler zur Abstimmung steht. Aber nur, wenn die Dinge normal laufen, denn hin und wieder mußten schon Kanzler vorzeitig abtreten. “Hin und wieder” betrifft die Bundeskanzler Adenauer, Erhard, Brandt, Schmidt und Schröder, das reguläre Ende ihrer Amtszeit mit demokratischer Abwahl haben nur Kiesinger und Kohl erreicht.

In der Weimarer Zeit haben die Kanzler noch viel öfter gewechselt. Hyperinflation und Weltwirtschaftskrise sind keine so guten Voraussetzungen, das Ende einer Legislaturperiode im Amt zu erleben. Im Falle eines Falles stellt sich die Frage nach dem Kanzler - oder der Kanzlerin - viel schneller, als die Herrschaften der jetzigen Regierung das erwarten.

Falls Sie jetzt denken, was ich Ihnen hier anbiete, seien sowieso alles Schießbudenfiguren, dann kann ich das durchaus verstehen. Nur, leider, ist die Schießbude ziemlich klein und übersichtlich. Rechnen Sie besser nicht mit einem Otto von Bismarck, den haben weder ich noch Deutschland zur Verfügung.

Angela Merkel

Oh Gott, ja, das kann passieren. Da wird gewählt, es kostet eine Menge Geld und nichts ändert sich. Wir erleben dann ein “weiter so”, mit einer Frau, die bereits gezeigt hat, daß sie so ziemlich alles kann, außer führen. Die Frau hat alles erreicht, was sich ein Erich Honecker in seinen kühnsten Träumen ausgemalt hatte: die Bundeswehr ist weitgehend entwaffnet, die verbliebenen Verbände stehen an fernen Fronten und werden von den Einheimischen dezimiert. Das kapitalistische System hat in den Augen der Westler jedes Ansehen verloren. Die westliche Währung verfällt, die Wirtschaft stagniert, nur die Bürokratie und die Gesetzesflut wachsen unaufhörlich. Die Bürger werden intensiver überwacht als zur besten Stasi-Zeit, die Inoffiziellen Mitarbeiter drängen sich geradezu, ihre Mitmenschen zu denunzieren. Ach ja, und die CDU ist genauso ruiniert wie die SPD.

Da die Zerstörung der Rest-BRD noch nicht abgeschlossen ist, es also für Heuschrecken noch genug zu plündern gibt, wäre die eingeübte Kanzlerin natürlich die beste Lösung für unsere Freunde. Und für Deutschland? Eher nicht. Immerhin, sie hätte den Vorteil, daß sowohl wir Deutsche als auch die Ausländer sich schon an diese Dame gewöhnt haben. Selbst im Kindergartenalter rennen die Kinder nicht mehr schreiend davon, wenn sie ein Bild von Merkel sehen, und wir haben in den wichtigsten Reiseländern bereits häufig genug erklärt, daß wir als gewöhnliche Bürger nicht dafür verantwortlich sind, wer hier im Land Bundeskanzlerin wird.

Können wir von ihr neue Impulse erwarten? Natürlich nicht. Merkel steht für die Rückkehr in die Siebziger Jahre, zur besten DDR, die es je gab. Von Amerika lernen heißt siegen lernen, die Partei hat immer Recht, und die Lehren von Marx und Ehrhard sind richtig, weil sie wahr sind.

Frank-Walter Steinmeier

Ja, der möchte sogar, nur hat er den Nachteil, daß er bei der SPD ist. Die SPD ist eine Partei, die sich konsequent den zweiten Platz erarbeitet. Zweitälteste Partei - nach dem Zentrum - zweitstärkste Partei - nach der CDU - zweiter Wahlsieger. Als Juniorpartner stellt man eben den Vizekanzler und den Außenminister, mehr nicht. Als Wahlkämpfer macht der Frank-Walter inzwischen einen aufgeweckten, ja sogar bissigen Eindruck, den man bei ihm als Außenminister immer vermißt. Und er kann sogar den Parteifreunden in die Augen schauen.

An seinem Können hegt niemand Zweifel. Wer im Kanzleramt die Fäden gezogen hat, kann das Amt des Kanzlers problemlos ausfüllen, er kennt bereits alle Gemeinheiten und die wichtigsten Geheimnisse. Er weiß, wem man als Kanzler befehlen kann und wo man besser gehorcht. Herr Steinmeier ist bestens dressiert, er macht Männchen und gibt Pfötchen, aber er hebt an der richtigen Stelle auch sein Beinchen.

Nur das Problem von Offizier und Feldwebel bleibt bestehen. Ein Feldwebel wie Steinmeier kann wunderbar Befehle der Offiziere durchsetzen, aber selbst verantwortlich zu führen, übersteigt die Fähigkeiten des Feldwebels. Planen, Entwickeln von Strategien, dafür benötigt man Offiziere. Die Strategie umsetzen, sie an die Gegebenheiten anpassen, die taktische Durchführung, das ist die Aufgabe der Feldwebel. In der Politik nennt man die Strategie Vision - und ein Visionär ist Herr Steinmeier bestimmt nicht. Er würde nicht alles anders machen, aber nur ganz wenig besser.

Guido Westerwelle

Ach ja, Spaß-Guido, der Kanzlerkandidat von 2002… Dem armen Kerl fehlt sein Vordenker Möllemann an allen Ecken und Enden. Die alten Herren von der FDP, Scheel, Genscher und Lambsdorf sind für ihn keine Unterstützung. Immerhin, er hat es geschafft, die FDP in Bayern in den Landtag zurückzubringen. Gut, nicht Guido, sondern die CSU hat das geschafft, aber wen interessieren solche Einzelheiten?

Leider hat der gute Herr Westerwelle einen kleinen Nachteil: Er war bisher noch nie Minister, hat keine Erfahrung in Regierungsämtern. In Ordnung, das wäre eigentlich ein Vorteil, aber so weit sind wir im politischen Denken noch nicht. Er wird also bestenfalls Vizekanzler und für dieses Amt reicht es, früher mal Steine an Polizisten vorbeigeworfen zu haben. Gut, theoretisch könnte der Vizekanzler die Regierung steuern, auf gut Denglisch hieße das Verfahren “Management by Hinterntritt”, aber dafür müßten gestandene Männer kommen, keine Leichtgewichte. Dieser Kelch dürfte an uns vorübergehen.

Jürgen Trittin

Auf den wären Sie nicht gekommen? Ich auch nicht, aber der hält sich selbst für befähigt. Wer in knapp sieben Jahren das total verkorkste Dosenpfand von Angela Merkel in ein Gesetz umwandelt, über das die halbe Welt lacht, ist bestimmt ein guter Außenminister. Ach nein, Bundeskanzler. Denn wer den Außenminister schafft, der schafft auch den Bundeskanzler, sagte schon “Joschka” Fischer. Der wiederum steht leider nicht mehr zur Verfügung, weil die Bundesregierung einfach zu wenig bezahlt.

Ansonsten wäre Trittin natürlich eine gute Wahl. Wenn ein Staat sowieso den Bach runter geht, dann ist ein gelernter Kommunist, der schon mit Flaschen gearbeitet hat, bestens geeignet. Gute Kommunisten haben schon die DDR abgewickelt, da wird Trittin die BRD auch schaffen. Gut, er müßte als Kanzler richtig arbeiten, weil er nicht viel Zeit dafür hat, dieses Land in Grund und Boden zu regieren, aber irgendwer wird ihm dabei schon helfen.

Horst Seehofer

Der ist der richtige Mann für alles, findet er selbst. Wir haben ihm schon jetzt viel zu verdanken, zum Beispiel die zehn Euro Eintrittsgebühr beim Arzt, den Genmais auf den Feldern, eine Menge Gammelfleisch und Millionen vergaster Vögel. Er hat dafür gesorgt, daß unsere Gesundheitsbürokratie gewaltig angewachsen ist. Wer in Deutschland als Arzt praktizieren möchte, überbrückt die durch den Numerus Clausus bedingte Wartezeit am besten mit einem dreijährigen Dauerpraktikum in der Verwaltung einer größeren Behörde.

Den Politiker-Dreikampf, Sprüche klopfen, Worthülsen dreschen und Nebelkerzen werfen, beherrscht Herr Seehofer in Vollendung. Wer immer ihn wählt, weiß kurz danach nicht mehr, warum. Und anders als die Kollegen von der SPD würde er nie zugeben, sich über den Wählerwillen hinweggesetzt zu haben. Der Horst formuliert den Wählerwillen ganz einfach solange um, bis der Wähler glaubt, er würde das bekommen, was Seehofer ihm versprochen hat.

Glauben Sie, daß Seehofer eine einzige Krise bewältigen kann? Wer schon mit Gammelfleisch und Vogelgrippe überfordert ist, der ist ganz sicher für allerhöchste Ämter qualifiziert, nicht wahr?

Oskar Lafontaine

Ach, was war der Oskar nicht schon alles gewesen: Oberbürgermeister von Saarbrücken, Landrat des Saarlandes - ach nein, das ist ja ein Bundesland, also war er Mini-Ministerpräsident, SPD-Vorsitzender, Finanzminister, WASG-Gründer, SED-Fraktionsvorsitzender… So nebenbei schreibt er Bücher, die in 14 Sprachen übersetzt werden (ich habe noch keines davon gelesen), baut einen prächtigen Familienpalast… Ja, das nennt man wohl Hans Dampf in allen Gassen. Und wenn es ihm einmal zu viel wird, macht er den Lafo und schmeißt hin. Als Multimillionär ist er auf die kleinen Gehalts-Almosen wahrlich nicht angewiesen.

Der Oskar weiß nicht nur alles, er weiß es sogar besser. Also noch besser, sogar besser als die Kanzlerin. Da weiß der Oskar als Einziger, daß die in Moskau studiert hat. Er weiß auch als Einziger, was der Oskar vorhat, sogar schon fünf Minuten, bevor der Oskar das tatsächlich tut. Wenn er Kanzler wird, sollte man ihn besser nicht mit Arbeit oder gar Tatsachen belästigen. Oskar möchte nun mal bewundert und nicht beleidigt werden. Wobei der größte aller denkbaren Bundeskanzler das selbst irgendwelchen Potentaten aus abgelegenen Kleinstaaten wie USA, Rußland oder China übel nehmen würde.

Christian Wulff

Ja, ja, der Mann war mal irgend etwas in der CDU… Ich weiß bloß nicht mehr genau, was. Hat der die “Jawohl, Frau Vorsitzende”-Fraktion gegründet? Jedenfalls gehört er zu den Leuten, die auf einem Parteitag genau beobachtet werden, damit sie ja nicht zu früh aufhören, die Rede der großen Genossin Vorsitzenden zu beklatschen.

Jedenfalls hat Herr Wulff Zeit und Geduld. Zweimal gegen Schröder verlieren, um dann Gabriel aus dem Amt zu kegeln, das kann er hervorragend. Der Mann sitzt auch zwei Merkel-Perioden aus, wenn es sein muß. Und ja, nach Merkel kommt er. Wenn die Noch-Kanzlerin in den Meinungsumfragen auf das richtige Maß gestutzt worden ist, glänzt Christian Wulff hervor, auch wenn keiner weiß, warum eigentlich.

Jedenfalls ist Herr Wulff Reservekanzler im Wartestand. Wer keine Fehler macht, wird befördert. Je mehr Merkel, Koch, Rüttgers, von Beust usw. machen, desto mehr Fehler häufen sie auf ihr Konto. Und schließlich kommt der böse Wolf… äh, Christan Wulff.

Franz Müntefering

Selbst durch die zweite Runde als SPD-Vorsitzender wird er noch nicht “papabile”, also aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge als Papst. Gut, für einen Bundeskanzler sind die intellektuellen Anforderungen deutlich geringer, dafür wird ein bißchen mehr auf das Lebensalter geschielt. Man ist schließlich schon einmal mit einem ganz Alten eingegangen, der es dann 14 Jahre im Amt ausgehalten hat.

Herr Müntefering kann reden und überzeugen, er hat ein sicheres Auftreten und hört sogar auf seine Ratgeber. Das sind fast schon zu viele gute Eigenschaften für einen Bundeskanzler. Und genau aus diesem Grund wird er es nicht. Die SPD will das nicht, also Frau Nahles. Die Dame möchte schließlich selbst einmal… Ob Kanzlerin oder Vorsitzende, Hauptsache es gibt einen Thron.

Der Mann hat auch eine Schwäche: Ihm fehlt das Visionäre. Er kann um- und durchsetzen, aber die Richtung vorgeben und wirklich führen? Er war die ideale Ergänzung zu Schröder, der für seinen Kanzler die SPD auf Linie gehalten hatte, aber er war nicht derjenige, der Schröder Auswege aufgezeigt hat.

Roland Koch

Der brutalstmögliche Aufklärer der brutalsmöglichen Spendenaffäre hat den brutalstmöglichen Absturz erlebt, sogar noch schlimmer als Günther Beckstein, denn der kann immerhin noch eine Regierungskoalition zusammenstellen. Ja, Roland Koch hat starke Sprüche, aber die Zeit der Spruchbeutel geht leider zu Ende. Die Bürger sind inzwischen so gemein geworden, daß sie zwischen Anspruch und Wirklichkeit unterscheiden.

Aus einem ernsthaften Konkurrenten um die Kanzlerschaft ist ein Politiker auf Abruf geworden, der auf die Gnade und die Zerstrittenheit seiner Gegner hoffen muß, um sich seine Hausmacht zu erhalten. Wird Koch abgewählt, muß er sich erst mal wieder an die Macht zurückkämpfen. Gut, Hessen hat schon schlimmere Regierungen überstanden, als es die von Ypsilanti werden könnte, nur für Koch schaut es düster aus.

Peer Steinbrück

Der zweite der Stone-Brothers besitzt eine Ausstrahlung, die einen Gefrierschank zu einem bevorzugten Gesprächspartner werden ließe. Leider sind Gefrierschränke zu schlau, um Finanzminister zu werden, deshalb müssen wir weiterhin mit Herrn Steinbrück vorlieb nehmen. Der Mann kann immerhin ganz gut das Ergebnis umfassender Steuererhöhungen als den Erfolg seiner Finanzpolitik ausgeben. Dabei wird weder gespart noch reformiert, sondern mehr ausgegeben als jemals zuvor, das aber als Sparsamkeit bezeichnet.

Immerhin, seit Peer Steinbrück verstehe ich, was die Nordlichter an der Person Franz Josef Strauß auszusetzen hatten. Ich habe nichts gegen Norddeutsche und den “Fischkopf” ähnlich ironisch benutzt wie den “Saupreiß”. Bei Steinbrück verspüre ich jedoch zu viel Fisch und zu wenig Kopf, so einen drögen Typen möchte ich nicht allzu oft auf meinem Fernsehbildschirm haben. Wer weitere 200 Kilometer südlicher wohnt, wird das noch viel stärker empfinden.

An der Herkunft kann das nicht liegen. Peter Harry Carstensen ist mindestens so norddeutsch und mir trotzdem sympathisch.

Günther Oettinger

Ja, ja, der war auch mal im Gespräch. Heute hängt sein Fell ausgestopft an der Trophäenwand eines gewissen Zentralrats und sein Rückgrat ist irgendwo in Formalin konserviert, neuwertig, weil nie belastet. Das heißt, er wäre ein guter Kanzler für Deutschland, wenn es darum geht, unverbrüchlich an der Seite Israels in dessen nächsten Krieg zu ziehen. Adenauer wurde als “Kanzler der Alliierten” tituliert, Oettinger wäre der “Kanzler der Israeliten” - und als solcher die logische Fortsetzung von “Sarah Israel” Merkel.

Ansonsten ist er farblos. Das heißt, blaßgrau ist durchaus eine Farbe, aber keine, die besonders hervorsticht. Oettinger ist ein guter Mann, wenn es darum geht, die Ideen Dritter vorzutragen. Aber Kanzler? In einer Zeit, in der die Finanz- und Bankenkrise erst der Anfang aller Krisen ist? Nein, bitte nicht.

Klaus Wowereit

Berlin sei arm aber sexy, sagt der “und das ist gut so”-Party-Bürgermeister. Ja, arm ist Berlin bestimmt, aber auch immer weniger sexy. Sicher, es nicht so einfach. über die viertgrößte Stadt der Türkei zu regieren, und das auch noch in einer Koalition mit der vormaligen SED. Ich will die Latte ja wirklich nicht hoch legen, doch Wowi wieselt trotzdem darunter durch.

Wenn wir jedoch einmal eine rot-dunkelrot-grüne Bundesregierung haben sollten, wäre Wowereit der ideale Kanzler. Nicht für uns, sondern für die jeweiligen Parteifunktionäre. Wowereit ist für alles offen, da bekommt jeder, was er will. Und wir? Wir bekommen auf den Deckel. Und das verdientermaßen, denn ein Volk, das sich eine solche Regierung wählt, braucht eine auf den Deckel. Nur wird es leider nicht bei einer einzigen bleiben, da wird die Welt voller Knüppel hängen, die alle auf uns herabfallen wollen.

Claudia Roth

Dann lieber nichts zu Weihnachten? Ja, das verstehe ich. Claudia Roth… Sie kann ja gar nichts dafür, daß sie so aussieht. Sie kann ja gar nichts dafür, daß sie so einen Charakter hat. Sie kann ja gar nichts… Äh, ja. Die Grünen werden trotz Claudia Roth gewählt, ich weiß. Und die Dame als Bundeskanzlerin erleichtert uns den Übergang zur Islamischen Republik Germanistan ungemein. Die Scharia bietet ein wirklich fortschrittliches Rechtssystem: Verschleierung der Frauen, islamisches Scheidungsrecht zum Vorteil des Ehemannes, Steinigung der Frauen bei Ehebruch - ja, das klingt alles sehr verlockend, mit Blick auf diese Bundeskanzlerin.

Zu Weihnachten bekommen Sie dann wirklich nichts mehr, denn das ist ein Fest der Ungläubigen. Freuen Sie sich lieber auf das Fastenbrechen beim Ramadan. Wir würden von unseren Glaubensbrüdern dann auch billiges Erdöl bekommen, aber wir steigen trotzdem auf Solarenergie um. Und auf fünf Euro pro Liter Benzin, ein paar Steuern braucht dieser Staat ja noch.

Markus Söder

Ich weiß nicht, ob sie den überhaupt kennen. Dr. jur. Markus Söder, ehemaliger CSU-Generalsekretär unter Stoiber, derzeit noch Europaminister in München. Ja, das mit dem Doktor muß man dazusagen, das kommt im Gespräch kaum rüber. Aber vielleicht kennen Sie Furby. Das ist so ein Fellknäuel mit ein wenig Elektronik darin, der es schafft, Töne von sich zu geben, also beinahe so wie ein Wellensittich, nur stubenrein und ohne herumfliegende Federn. Das beste an den Dingern ist ihre Aufzeichnungsfunktion. Viel schneller als jeder Wellensittich eignet sich dieser Furby die Redensarten seines Besitzers an und gibt sie bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit von sich. Ja, und genau diese Funktion hat Dr. jur. Markus Söder als Generalsekretär der CSU verinnerlicht.

Nun ist es ja nicht so schlimm, wenn ein Bundeskanzler nachplappert, was man ihm vorher eingetrichtert hat. Nur leider sind diese Furbys eigenwillig. Sie sagen ihm dreißig Mal einen Satz vor, und er begreift ihn nicht. Dann verlieren Sie die Geduld und schimpfen los, und von dieser Rede merkt sich der liebe Furby jedes Wort. Ab dann haben Sie größte Mühe, den Dr. jur. Markus Söder wieder zu löschen.

Ja, und deshalb sollte sich die CSU einen anderen Hoffnungsträger suchen. Sie müssen aber keine Angst haben, auch wirklich gute Leute von der CSU sind kein Bundeskanzler geworden. Dr. jur. Markus Söder bleibt in Bayern. Leider.

Franz Beckenbauer

Ja, äh, das wäre, äh, denkbar. Der Franz hat schon so viel gemacht, und als Spielführer mit Eigentor-Erfahrung kann er auf eine gewisse Qualifikation zurückgreifen. Wie es jemand, der in seinen Werbespots gerade einmal einen Satz herausbringt, schaffen soll, bei einer Bundestagsdebatte seitenlange Ausarbeitungen eines Redenschreibers vorzutragen, weiß ich wirklich nicht. Immerhin, Herr Beckenbauer hat bis jetzt weder als Minister noch als Ministerpräsident versagt, er hat den richtigen Stallgeruch - FC Millionario Bayern ist in dieser Hinsicht eine wesentlich bessere Empfehlung als der FDJ-Bezirksverband Schwerin - und natürlich Auslandserfahrung mit Schwerpunkt USA (FC Cosmos New York). Er kann sich zudem im Hubschrauber bewegen, hat Kamera-Erfahrung und kennt sich im Klüngeln im Hintergrund aus.

Das große Problem ist, daß wir uns diesen Mann nicht leisten können. Er ist es gewohnt, für einen 30-Sekunden-Spot Millionen zu bekommen, weil dieser Werbespot auf allen Kanälen bis zum Erbrechen wiederholt wird. Sicher, als Bundeskanzler sagt man auch immer dasselbe, nur eben mit anderen Worten. Und, leider, leider, darf ein Bundeskanzler nicht nebenbei als Werbeträger arbeiten. Ich fürchte, der Mann müßte auf zu viele lieb gewonnene Gewohnheiten und Zusatzeinnahmen verzichten.

Boris Becker

Ja, ich weiß, ich führe den nur der Vollständigkeit halber auf. Gewiß, Besenkammer-Becker würde ein wenig Bill-Clinton-Atmosphäre ins prüde Kanzleramt bringen, doch wer braucht das schon? Immerhin, nach Steinewerfer Joschka wäre Filzkugelverdrescher Boris auch keine größere Lachnummer. Und immerhin, jemand, der auf Filz draufhauen kann, wäre in dieser Politik schon recht nützlich.

Allerdings ist das “Bobele” wirklich kein Schauspieler. Zu den großen Stärken von Ronald Reagan gehörte, daß glaubwürdig vorzutragen, was man ihm aufgeschrieben hatte. Aber wer soll Bum-Bum-Boris beibringen, sicher vom Blatt zu lesen? Dazu bräuchte es den nervenstärksten Hauptschullehrer, den wir auftreiben können, der nicht nur Deutsch für Kleinkinder und Deutsch für Ausländer geben kann, sondern sogar Deutsch für C-Promis. Ganz davon abgesehen, Merkel war bereits ein Problemfall für alle Maskenbilder. Becker wäre da noch eine Steigerung.

Günter Jauch

Ich fürchte, das wäre wirklich eine Belastung für die Bundestagsabgeordneten, künftig statt mit Ja/Nein mit a, b, c oder d abstimmen zu müssen. Wir wollen die Herrschaften schließlich nicht überfordern, oder? Andererseits würde der Publikumsjoker zeigen, welche Option die Wähler bevorzugen würden… Aber das wäre zu viel Demokratie, das geht nicht. Da ist der Telefonjoker schon besser, da kann jeder seinen Sponsor anrufen und auf diese Weise direkt erfragen, wie viel Geld welche Option einbringen würde. Der 50:50-Joker dient allerdings nur zur persönlichen Orientierung, mit der die jeweilige Fraktion die Auswahlmöglichkeiten für überforderte Abgeordnete geeignet reduziert.

Millionär wird dabei leider keiner, nicht mal Herr Jauch. Obwohl, der ist es schon längst. Aber die Einschaltquoten gehen deutlich zurück, außerdem findet die Bundestags-Show zu schlechteren Sendezeiten statt. Das heißt, die Werbeeinnahmen gehen zurück und die Privatsender haben keinerlei Interesse, dieses miserable Format zu übertragen. Ganz davon abgesehen, was im Bundestag auftritt, würde bei einer Casting-Show schon in der ersten Runde herausgewählt und bekäme noch nicht einmal einen dummdreisten Spruch von Dieter Bohlen zu hören.

Dieter Bohlen

Haben Sie Lust auf einen beleidigenden Dummschwätzer aus der Provinz? Ja, gut, als Regierungssprecher ginge das, aber als Bundeskanzler… Da hilft kein Playback, da muß man live singen. Da reicht es auch nicht zu kritisieren, da muß man es selbst machen, und das auch noch richtig. Und nein, Episoden, wer wann mit wem wo und warum nicht “konnte”, eignen sich nicht für Plaudereien bei einem Staatsbankett. Da sind so altertümliche Dinge wie “Erziehung” und “Manieren” gefragt. Zumindest, bevor es “Joschka” gab…

Dummerweise sind Leute, die bei einem Einbruch ihre Lebensgefährtin im Stich lassen, davonlaufen und nicht einmal wissen, wie viel Geld sie in ihrem privaten Tresor aufbewahren, höchstens Big-Brother-Zuschauern als Krisenkanzler aufzuschwatzen. Und diese Zuschauer werden immer weniger… Pech, wirklich Pech. Für Bohlen, nicht für Deutschland.

Und andere…

Ja, es sind nicht alle Namen aufgeführt. Es gibt noch viel mehr Leute, die glauben, Kanzler werden zu können. Dank der Gnade Gottes werden die meisten der hier genannten Leute nicht Bundeskanzler, und das ist das Beste, was Deutschland in dieser Hinsicht passieren kann. Auf meiner Liste stehen Leute, die vielleicht das Amt erringen werden, aber das Amt ausfüllen ist eine ganz andere Sache. Ein Helmut Kohl war nie wirklich Kanzler, sondern immer nur CDU-Vorsitzender mit einem Nebenjob im Kanzleramt. Gerhard Schröder hat sich zu sehr gefreut, Kanzler zu sein, um es auch wirklich zu werden. Bis er begriffen hat, was hinter diesem so einfachen Wortspiel steckt, war seine Macht bereits geschwunden. Und ob eine Angela Merkel jemals begreifen wird, daß eine Kanzlerin nicht in ein Flugzeug, sondern an ihren Schreibtisch gehört, bezweifle ich ernsthaft.

Einen Kanzler, von dem ich regiert werden möchte, habe ich nicht auf meiner Liste. Wir bräuchten einen Kanzler, der seinen Amtseid ernst nimmt, der zum Wohle des deutschen Volkes regiert, anstatt für das Wohlergehen seiner Parteifreunde, deren Sponsoren und seines eigenen Geldbeutels. Ich rede von einem Kanzler, der ein ehrlicher, integerer Mann ist, der für sein Land arbeitet und nicht für sein Bild in der Geschichte.

Wenn ich einen Namen wüßte, würde ich ihn hier nennen. Unter den Politikern und sonstigen Größen dieses Landes habe ich keinen gefunden.

Quelle: Michael Winkler

Tags: Allgemeines

10 responses so far ↓

  • 1 Blücher // Oct 1, 2008 at 9:05

    Ich wüßte ja einen Kanzler,der für Deutschland in Frage käme.
    Aber leider,leider weilt ER nicht mehr unter uns.
    Gegen IHN konnte man all die aufgezählten und nicht aufgezählten Backpfeifengesichter vergessen.

    Ruhe in Frieden.

  • 2 Eine andere Feldpostnummer // Oct 1, 2008 at 9:52

    So viele Zeilen für “Warum alle Kandidaten Moppelkotze sind” und dann maximal ein Ereignis pro Kandidat heraus gepickt und ansonsten einfach geschrieben was mensch so an Wirrheiten ein viel, Recherche? Wandlungen der Aussagen der Kandidaten (Lafo wäre doch das Paradebeispiel, vom Rechtsdraußen in der SPD zum Linken-Sozialwärmer)? Was haben die Kandidaten in ihren Bundesländern getan? Zu welchen Netzwerken zählen sie? ect. pp. Nichts davon.

    Gut, kann man machen, wie meinte der Genosse v. Schnitzler am Ende “…der Revanchismus bleibt uns erhalten, damit aber auch (seine) die streitbare Polemik”. Nur leider findet sich weder Schärfe noch Witz in diesen Sätzen, zumal aus jeder Zeile der kramphafte Ernst und die Geltungssucht hervorblinzeln.

    Also doch nur “Alles Scheiße da `oben´” - nicht jedermenschs Sache, mag an manchen Orten aber Anklang finden, dafür ist der Text leider viel zu lang geraten, wie man es nimmt, nichts ist´s.

    Kleine Endkorrektur: Ein Mal musste ich doch grinsen: Als Mr.über dass Aussehen anderer Menschen hergezogen wurde…

  • 3 Gerhard Kaiser // Oct 1, 2008 at 10:33

    Wenn ich schon „die Kanzlerin“ lese; mir geht diese neudeutsche Schreibweise dermaßen auf dem geist. Übt eine Frau einen Beruf oder eine „Berufin“ aus? muss ich Frau Weberin, Müllerin oder sonst wie rufen? Ist Kanzler nicht die Bezeichnung für ein Amt? Oder doch eine Person?

    Wie auch immer, darum geht’s hier nicht. Aber Herr Winkler, Sie haben bereits in Ihren Buch „Das deutsche Jahrhundert“, bereits festgestellt, daß aus den Parteien kein fähiger Politiker hervorkommen kann. Übrigens das Buch hat ein paar gute Ansätze, sonst ist das schlechteste was ich von Ihnen gelesen habe.

    Menschen die in den Parteien etwas bewegen wollen, Denker, Innovatoren sind nur Querulanten die keinen „Gönner“ finden werden, ohne „Gönner“ ist eine Parteikarriere so gut wie unmöglich, und derjenige wird niemals für einen Posten nominiert. Was übrig bleibt sind die „Ja-Sager“ und „Klatschvieh“ ohne Eigeninitiative, den diese ist ja nicht gerade fordern für die Karriere.

    Was die BRD an Politiker zu bieten hat sind solche Feldflaschen, Systemkonform und gutgläubig, ja so fern es ein Prof. Dr. Dr. in Fernsehen sagt, dem sowieso nichts anderes übrig bleibt, wenn er sein Stuhl behalten will.

    Können Sie sich noch an Eva Herrmann erinnern? Sie hat ein Mal gewagt über den Tellerrand zu schauen und es auch noch zu sagen, die Geschichte kennt sicher jeder.

  • 4 Daggi // Oct 1, 2008 at 11:20

    Diese ganzen Wahlen und das Gequatsche dadrüber werden doch nur veranstaltet, um die Weltvertrauenskrise noch etwas aufzuverschieben. Für diese Erkenntnis schulde ich Rainer Brüderle ganz herzlichen Dank.
    http://www.presseportal.de/pm/6511/1273395/phoenix

    Es geht den Bonzen nur darum, Rotchina noch übers Jahr zu retten und Friedensverhandlungen mit Seiner Heiligkeit zu vermeiden!
    http://www.manilatimes.net/national/2008/oct/01/yehey/opinion/20081001opi6.html

  • 5 Wigbold // Oct 1, 2008 at 11:22

    In Phase 2,2 ist mir das Leben einfach zu kurz, um dieses selbst für Herrn Winklers Verhältnisse einmalig belanglose Gewäsch zu kommentieren.

    Und ist mit Herrn Norbert Rudolf Schittke die K-Frage nicht schon längst geklärt?
    http://friedensvertrag.info/cont/cms/front_content.php?idcatart=615&lang=1&client=1

  • 6 Xenophob // Oct 1, 2008 at 13:51

    Hervorragendes Essay!Der sarkastische Unterton macht einfach Spaß - und dabei ist es gar nicht mal wirklich sarkastisch, sondern purer Ernst. Bitte mehr davon!

  • 7 Blücher // Oct 1, 2008 at 15:46

    Gerhard Kaiser // Oct 1, 2008 at 10:33

    “Wenn ich schon „die Kanzlerin“ lese; mir geht diese neudeutsche Schreibweise dermaßen auf dem geist. Übt eine Frau einen Beruf oder eine „Berufin“ aus? muss ich Frau Weberin, Müllerin oder sonst wie rufen? Ist Kanzler nicht die Bezeichnung für ein Amt? Oder doch eine Person?”

    Noch ist die Welt in Ordnung.
    Noch heißt es “FrauenfußballMANNschaft”
    Noch betet man zum lieben HERRGott.

    Sagt eine Emanze zur anderen “Gibst du mir mal bitte die Salzstreuerin” :-)

    Wie wäre eine Welt ohne Männer?
    Voll von dummen, fetten Frauen.

  • 8 Mann_Brand // Oct 2, 2008 at 1:53

    Eine schwierige Frage, für mich wäre der Einzigste, der wirklich genug Kompetenz und Welterfahrung für so ein Amt hätte, der gute Peter Scholl-Latour.
    Ansonsten gäbe es niemanden, der auch nur ansatzweise so etwas wie Größe besitzt.

  • 9 falkow // Oct 2, 2008 at 8:20

    Interessant wäre gewesen, wenn sich Herr Winkler die Mühe gemacht hätte, die Auftraggeber zu benennen, die “unseren” Politikern (Entschuldigung) zu ihren Meinungen verhelfen.

    Schröder arbeitet für Rothschild, und nicht erst seit kurzem.
    Die Grünen wurden durch Philipp ins Leben gerufen.
    Der Fischer arbeitet für den amerikanischen Zweig der Israelen.

    Überhaupt scheinen die 68er regelrecht vom Himmel gefallen zu sein. Die damaligen Politiker waren in den Sechzigern durchaus fähig, hatten noch den Krieg erlebt, die Zahl der sogenannten Aufrührer war klein und überschaubar - es wäre ein leichtes gewesen, die Leute festzusetzen und ihre Bewegung abzuwürgen. Das passierte aber nicht. Im Gegenteil: den Rädelsführern wurde freie Hand gelassen und sie wurden später mit politischen Ämtern belohnt. Wer hat uns die Fischlaus in den Pelz gesetzt? Aus Idealismus haben die Leute nie gehandelt, man denke nur an Schily, der sich zu einem ersten Schräuble mauserte. War nix mit Verbesserung der innen- und aussenpolitischen Lage in Deutschland, sondern die weitere Zerstörung wurde in Gang gesetzt.

    Legt das Prinzip der Zerstörung dem politischen Handeln der “deutschen” Politiker zugrunde, und ihr werdet sehen, dass sie vernünftig handeln. Genau wie sie sollen. Sind halt Spitzenkräfte.

  • 10 Jakob // Oct 7, 2008 at 16:09

    “Boris Becker”

    Der sprachbehinderte “Freund” aller schwarzen Frauen und (heutige) C-Promi gehört natürlich unbedingt in eine solche Auflistung…

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