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Da kann sich Bundesinnenminister Schäuble drehen und wenden wie er will, der Israel-Lobby kann er es nicht recht machen, selbst wenn er androht, dem Staatspräsidenten eines WM-Teilnehmers die Leviten zu lesen, falls er nach Deutschland kommt, was der gar nicht vor hatte.
Die Geschichte ist etwas kompliziert: Irgendein iranischer Funktionär soll irgendwann irgendwie möglicherweise teilweise angedeutete haben, dass der iranische Präsident eventuell nach Deutschland zu einem WM-Spiel seines Landes kommen könnte. Das führte zu einem Sturm der Entrüstung unter deutsche Politikern (der Muslim-Markt berichtete). Innenminister Schäuble selbst versuchte einen halbwegs akzeptablen Kompromissweg für sein eigenes Land zu finden. Einerseits konnte und wollte er einem Staatspräsidenten, dessen Land an der WM teilnimmt, nicht die Einreise verweigern, was ansonsten in vielerlei Hinsicht negative Folgen für die Bundesrepublik Deutschland gehabt hätte, und andererseits wollte er auch den Kritikern des iranischen Präsidenten gerecht werden, indem er für den Fall des Falles ein ernstes Wörtchen an den Staatspräsidenten angedeutet hat; wohlgemerkt alles auf Andeutung eines Funktionärs, der möglicherweise von der skandalhungrigen Presse geringfügig missverstanden wurde. Zudem ist im Iran (möglicherweise anders als in Deutschland) ein Fußballfunktionär nicht der Sprecher des Präsidialamtes, aber die haben ja auch keinen Kaiser.
Inzwischen hat das Präsidialamt im Iran unmissverständlich dementiert. Ahmedinejad will derzeit gar nicht nach Deutschland kommen. Selbst wenn er es jemals vor gehabt haben sollte (was äußerst unwahrscheinlich ist), wurde er wohl von der vorsorglichen sportlichen Gastfreundschaft Deutschlands derart überwältigt, dass er jene Zuneigung nicht ausnutzen wollte. Die Zahl seiner Besuche in westlichen Ländern kann ohnehin als „sehr begrenzt“ eingestuft werden. Also besteht jene Gefahr wohl nur noch für den Fall der Endspielteilnahme des Iran.
Kurz vor dem iranischen Dementi aber meldete sich der im Prinzip fast nur noch als Israel-Lobby in der Öffentlichkeit auftretende Zentralrat der Juden in Deutschland zu Wort. Der neue Generalsekretär des Zentralrates, Stephan Kramer, nannte Schäubles Äußerungen, dass er die Einreise nicht verhindern wird, als skandalös. „Wenn das die Methode ist, mit der der Bundesinnenminister zukünftig mit Holocaust-Leugnern und Rassisten umgeht, dann können sich die Irvings und Mahlers entspannt zurücklehnen”, erklärte er laut Medienberichten. Kramer warf – laut Medienberichten – Innenminister Schäuble vor, er setze mit seiner Äußerung die Glaubwürdigkeit der Bundesregierung im Kampf gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit aufs Spiel. Er beklagte, dass wirtschaftliche Interessen offenbar doch einen höheren Rang hätten als die Grundwerte der Verfassung und die Lehren aus der dunkelsten Stunden der Geschichte Deutschlands. Ergänzend soll Kramer der Nachrichtenagentur Reuters gesagt haben, dass falls Ahmadinejad nach Deutschland kommen sollte, auch deutsche Gesetze auf ihn angewendet werden müssten.
Nun ist es kaum vorstellbar, dass der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland die deutschen Gesetze, insbesondere die Gesetze über die Immunität von Staatsoberhäuptern und deren Behandlung in Deutschland nicht kennt! Auch ist es nicht vorstellbar, dass er nicht weiß, dass der offene Zugang zu den Spielen für die jeweiligen Staatsoberhäupter eine der Voraussetzungen für die Austragung ist. Aber mit seinen Äußerungen – sollten sie von den Medien korrekt wiedergegeben worden sein (diese Einschränkung muss man bei den fundamentalkapitalistischen Medien immer machen) – verdeutlicht der Zentralratsvorsitzende, dass auch ein noch so vorsichtiger Schäuble nicht hinreichend die Interessen Israel vertritt und die Israel-Lobby das nicht akzeptieren kann und wird! Er hat wohl gefälligst zuerst israelische Interessen und erst an zweiter Stelle deutsche Interessen zu vertreten, so offenbar der Tenor, der aus den Medien herüberkommt.
Gestern hatten wir noch darüber spekuliert, dass Ahmadinejad möglicherweise zum Endspiel Brasilien gegen Iran kommen könnte. Heute empfehlen wir der iranischen Nationalmannschaft, vor dem Endspiel auszuscheiden, um Herrn Schäuble das Leben nicht all zu schwer zu machen, denn ein Bundesinnenminister, der zumindest ansatzweise versucht, deutsche Interessen ein bisschen in den Vordergrund zu stellen, muss unterstützt werden, denn das hatten wir lange nicht mehr, und er wird es zweifelsohne noch sehr schwer haben, falls er weiterhin bei seinem Amtseid* bleibt!
Sollte die Iraner also vor dem Endspiel ausscheiden, dann tun sie es möglicherweise auch als diplomatische Unterstützung für den Bundesinnenminister für seine präventive Gastfreundschaft.
* Schon bemerkenswert, daß ausgerechnet der Muslim-Markt auf den Amtseid eines deutschen Bundesministers hinweisen muß. Aber offenbar ist eine Erinnerung schon notwendig, da deutsche Politiker nur allzu schnell vergessen, wem sie da eigentlich was geschworen haben? Dem Muslim-Markt und seinen mehr oder minder orientalischen Anhängern? Keineswegs.
So lautet die offizielle Eidesformel für bundesdeutsche Staatsoberhäupter, Minister und Bundestagsabgeordnete nach wie vor:
“Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.”
Ein Schelm, wer Arges dabei denkt. – Die Schriftleitung
Quelle: Muslim-Markt 10.04.06 09:20
Quelle: Störtebeker-Netz 11.04.06





2 responses so far ↓
1 Verschwörer // Apr 11, 2006 at 20:47
Der Artikel enthält einen kleinen Fehler, bei dem es sich aber auch um einen Vorgriff auf die nahe Zukunft handekn könnte. Stephan J. Kramer ist, wie im vierten Absatz richtig geschrieben, Generalsekretär des Zentralrats der Juden. Der Generalsekretär führt (lediglich) die laufenden Geschäfte des Zentralrats. Kramer ist dagegen nicht Vorsitzender des Zentalrates, wie es dann im fünften Abschnitt heißt. Das ist immer noch der allseits beliebte Paule Spiegel.
Allerdings liegt der Gedanke nahe, daß sich der bisher völlig unbekannte Herr Kramer durch möglichst viel Geschrei in der Öffentlichkeit für die Nachfolge seines moribunden Chefs in Stellung bringen will.
2 pseudo-nym // Apr 12, 2006 at 16:32
Der Amtseid müsste dringend umgeschrieben werden-richtig muß es heißen: ´… dem Wohle der BRD…´!
In der bisherigen Form ist er nichts als eine faustdicke Lüge und eine Verhöhnung des deutschen Volkes! (Noch dazu, daß man sich auf den jüdischstämmigen Nazarener-hier ´Gott´ genannt, beruft).
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