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Berlin: Beispiele nationaler Selbstentwürdigung sind in Deutschland ja keine Seltenheit und so verwundert es vermutlich nicht, wenn man sich heute in Berlin nicht entblödet, ausgerechnet den 200. Jahrestag des Einmarsches Napoleons I. in Berlin szenisch nachzustellen, der am 27. Oktober 1806, wenige Tage nach der preußischen Niederlage in der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt die Hauptstadt Preußens besetzt hatte.
Verantwortlich für diese Show an der etwa 200 nachgestellte französische „Soldaten“ in historischen Uniformen durch das Brandenburger Tor ziehen ist der Verein „Historiale“, der dabei mit dem Stadtmuseum Berlin kooperiert. Den „Kaiser Napoleon“ mimt dabei der Amerikaner Mark Schneider, von dem es heißt, dass er seit vergangenem Jahr bei allen wichtigen Napoleon-Jubiläen mit von der Partie ist.
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| Ami-Napoleon Mark Schneider |
Gegenüber der WELT beschrieb „Napoleon“ Schneider seine Gefühle über seinen Einzug in Berlin folgendermaßen: „Ich bin wahnsinnig aufgeregt und begeistert. Ich fühle mich sehr geehrt, Napoleon bei diesem großen Jubiläum der Besetzung Berlins verkörpern zu dürfen. Durch das gleiche Tor zu ziehen wie Napoleon und seine Grande Armee vor 200 Jahren, wird sicherlich einer der größten Momente meines Lebens sein.“ Über sein Vorbild meint er: ”Was er bewirkte - nicht nur militärisch, sondern auch politisch, ist wirklich unglaublich. Viele Leute denken bei Napoleon nur an Krieg, in dem er sicherlich auch ein großer Erfinder und Stratege war, aber er war auch ein politisches Genie, ein Reformer und hat den ersten Grundstein für die Europäische Vereinigung gelegt.“
Eine bemerkenswerte Einstellung, bei der wir vermutlich nicht die Einzigen sein werden, die der Meinung sind, dass man dergleichen ebenfalls von Hitler sagen könnte. Auf die Frage der WELT, ob das Napoleon-Spektakel den Menschen helfen würde, die Geschichte zu verstehen, meint der nachgemachte Empereur: „Auf jeden Fall. Die Leute können nicht nur Geschichte besser verstehen, sie lernen auch die Opfer, die von denen, die vor uns lebten, gebracht wurden, mehr zu schätzen. Ich denke, das ist eine wunderbare Art ihr Andenken zu ehren.“
Nun ja, da gibt es sicher nicht wenig, woran man gedenken könnte. Zum Beispiel die Ausplünderung Preußens durch die „Grande Armee“, bei der sich, auch das muß gesagt werden, nicht unbedingt allein die Franzosen hervortaten, sondern vornehmlich auch jene „Rheinbündler“, die deutschen Bundesgenossen des Kaisers, deren unselige geistige Tradition augenscheinlich zu den Grundlagen der heutigen Bundesrepublik gehört. Nicht zu vergessen, die zahllosen Millionen Menschen, die in den Kriegen Napoleons zugrunde gingen.
Es ist schon bemerkenswert, dass man ausgerechnet hierzulande solche Spektakel feiert, während man auf der anderen Seite jede Erinnerung an deutsche Erfolge als verbrecherisch oder Ausdruck deutschen Größenwahns abtut. Vielleicht sollte man ja angesichts solcher Showspektakel dafür plädieren, nächstens auch den Sedan-Tag wieder einzuführen, um an diesem die Niederlage Napoleon III. von 1870 nachzustellen und wo man schon dabei ist, auch den deutschen Einzug in Paris von 1940, was sich in sechs Jahren ja förmlich anbieten würde.
Ob deutsche Nachsteller von Wehrmachtssoldaten dann auch die Genehmigung erhalten würden, durch den Arc de Triomphe in Paris zu ziehen? Ist doch nur Geschichte und immerhin für die Teilnehmer des damaligen Einzugs „eine wunderbare Art ihr Andenken zu ehren“.
Der “Einzug Napoleons und seiner Truppen in Berlin von 1806“ beginnt heute um 15 Uhr am Brandenburger Tor nachgespielt. Auf dem Pariser Platz lässt sich „Napoleon“ dann in einer Zeremonie den Stadtschlüssel überreichen. Danach zieht die Truppe Unter den Linden entlang zum Lustgarten zurück zum Brandenburger Tor. Erbärmlicher geht es wohl nimmer. In Frankreich würde man vermutlich ausgelacht werden, stellte man dort ähnliche Ansinnen, die Demütigungen der Grrrande Nation auf ähnliche Weise nachzustellen.
Siehe auch
Die Welt 28.10.2006
http://www.historiale-berlin.de
Quelle: Störtebeker-Netz 28.10.06





16 responses so far ↓
1 Z-O-G // Oct 28, 2006 at 14:08
Ansich find ich die Idee gar nicht schlecht, aber eben nur wenn man dann auch andere Seiten der Medallie nachstellen würde. ZB ist nicht nur Napoleon siegreich durchs Brandenburger Tor gezogen. Wie wäre’s denn, meine Herren, wenn man mal Fackelzüge zum Andenken an jene Frühjahrstage vor gut 70 Jahren veranstalten würde?
2 Hybris // Oct 28, 2006 at 15:14
Ein weiteres Beispiel für diese wertlosen BRD-Mutationen und ihre psychische Gestörtheit!
Dabei müßte der “Irre aus Fontainebleau” nach deren eigenen Maßstäben als singulärer Schreckensherrscher und Völkermörder gelten!
Aber da er ja AUSLÄNDER ist ……….!!???
Und die Bundesrepublikaner, in aller Schizophrenie, quasi die Identität der Gegner unseres Volkes angenommen haben,
- kann man froh sein, daß NAPI nicht noch zum Opfer erklärt wird!!!
3 mors principium est // Oct 28, 2006 at 15:45
Die Neigung, sich für fremde Nationalitäten und Nationalbestrebungen zu begeistern, auch dann, wenn dieselben nur auf Kosten des eigenen Vaterlandes verwirklicht werden können, ist eine politische Krankheit, deren geographische Verbreitung sich leider auf Deutschland beschränkt.
(Otto von Bismarck)
4 Thomas Brehl // Oct 28, 2006 at 17:28
Fehlt nur noch, daß sie jetzt auch noch die Quadriga abmontieren und dieser Schmalspur-Napoleon überführt sie nach Paris. Das hatte sein historisches Vorbild nämlich 1806 auch gemacht…
Die ganze Welt ist ein Irrenhaus, aber Deutschland ist die Zentrale…
5 Rurik // Oct 28, 2006 at 19:26
Ein Schwein, selbst wenn es durch einen Triumphbogen läuft, bleibt doch immer noch ein Schwein. Es grunzt und läßt ab und zu etwas fallen, aber wenn es den Bogen passiert hat, dann steht der Bogen immer noch, und das Schwein geht seiner eigentlichen Bestimmung entgegen - der Bratpfanne!
6 Völkischer Beobachter // Oct 28, 2006 at 20:37
Ob man 2010 wohl auch Hitlers frühmorgendliche Stadtrundfahrt in Paris (Invalidendom, Oper, Eiffelturm usw.) vom 23. Juni 1940 nachstellt?
http://teachpol.tcnj.edu/amer_pol_hist/ti/00000168.jpg
Man sollte Bruno Ganz schon mal bitten, den Termin freizuhalten.
7 NPD Kreisverband UNNA/HAMM // Oct 28, 2006 at 20:44
Einem Volk ( Entschuldigung Bevölkerung), dem man zumuten kann den Tag seiner größten Niederlage im Mai 1945 als Befreiung zu feiern, kann man so ein Ereignis wie den Einmarsch Napoleons in Berlin selbstverständlich auch als ” prima Straßenfest” aufs Auge drücken.
Der Buchhändler Palm, der damals das Buch “Deutschland in seiner tiefsten Erniedrigung”Verlegte müßte sich heute korrigieren.
8 Watzmann // Oct 28, 2006 at 22:23
Tja, Baiern war zu der Zeit schon in einem Bündnis mit Napoleon I. - das ist aber nicht der Grund, weshalb ich nicht nachgeholt “gegen Napoleon” bin, ich kann mich an der Person und der damaligen Sache einfach nicht aufmannd’ln. Habe Napoleon-Bücher u.a. von Friedrich Kircheisen und Friedrich Wencker-Wildberg gelesen, die neutral und sachlich sind, gut ist als Zusammenfassung ebenso “Napoleon - oder der Mythos des Retters” von Jean Tulard. Man lese auch, was Hellmut Diwald in seiner “Geschichte der Deutschen” (selbstverständlich in der unveränderten Ausgabe von 1978) über die damalige Zeit schreibt.
Das Napoleon-Spektakel in Berlin ist doch belangloser Mummenschanz, die neben dem Brandenburger Tor entstehende Schaltzentrale bzw. Botschaft der Hauptbesatzer ist viel mehr der Beachtung wert.
9 Wetekamp // Oct 28, 2006 at 23:53
“Man sollte Bruno Ganz schon mal bitten, den Termin freizuhalten.”
Dieser erbärmliche Penner?
10 chamälion // Oct 29, 2006 at 5:18
Von Entrüstung auf Seiten der angeblich antimilitaristischen und antinationalistischen BRD-Tugendwächter keine Spur.
Statt dessen weiter diese künstliche Totenkopfheuchelei, täglich aufs neue von ,,Blöd” serviert, von Merkel&Co. gierig aufgebauscht und zelebriert.
So behängt sich der deutsche Gutmensch mit den angeblichen Untaten seiner Vorfahren wie ein Pfingstochse und läuft als größter und bizarrster Idiot der Menschheitsgeschichte über den Erdball.
11 Völkischer Beobachter // Oct 29, 2006 at 13:17
@ Wetekamp:
Na, meinetwegen auch Tobias Moretti, wenn Ihnen der lieber ist.
12 Thomas Brehl // Oct 29, 2006 at 20:26
Moretti, Ganz…?
Alles kalter Kaffee, am besten war doch immer noch Anthony Hopkins in “Der Führerbunker”: “Die Luftwaffe hat versagt, hängt sie alle auf!”
Und noch ein Pluspunkt für Hopkins, immerhin hat er mit dem Original die Initialen gemeinsam…
13 griesgram // Oct 30, 2006 at 1:47
Man sollte Schneider nicht vorschnell verurteilen.
Der Verein der “Napoleonic Association” ist ein durchaus ernstzunehmender Klub historisch interessierter Europäer, vornehmlich Deutsche und Briten, die Ereignisse der Geschichte nachstellen.
Nicht nur französische Siege über Deutsche, sondern auch deutsche und deutsch- britische Siege über den Tyrannen.
Seht Euch mal diese Seite an, da wird schnell klar, daß hier mal ausnahmsweise keine Propagandisten des Regimes am Werk sind!
http://www.kgl.info/
14 Judge // Oct 31, 2006 at 18:06
Wäre Napoleon ein Deutscher gewesen , wäre er als Kriegsverbrecher verurteilt worden , genau so übrigens , wie man Churchill aufgehängt hätte , wäre er ein Deutscher gewesen.
Nur ein Volk wie die Deutschen kann sich so zum Affen machen , eine beschämende Niederlage , die Entrechtung und Schmach nach sich zog , zu feiern und zu bejubeln .
Nächstens werden wir die Bombardierung Dresdens nachbilden , mit echten Amerikanern und Briten und echten Bomben .
15 Watzmann // Nov 1, 2006 at 11:18
Zitat: “Wäre Napoleon ein Deutscher gewesen , wäre er als Kriegsverbrecher verurteilt worden…”
Das ist nicht gewiß, was an der Einstellung der Mächtigen in der damaligen Zeit liegt. Regierende Fürsten, Minister und Offiziere eines gegnerischen Staates nach einer Niederlage abzuurteilen, war nicht üblich.
16 Anonymous // Jan 13, 2008 at 10:21
An Wetekamp !!!!!!!!!!!!! Wie können Sie es wagen so über Bruno Ganz zu urteilen. Sie kennen ihn doch gar nicht!
Bruno Ganz gehört zu den überragendsten Theater- und Filmschauspielern des deutschsprachigen Raums.
Also Klappe!!!
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