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Seoul: Das böse Internet hat es den Herrschenden dieser Welt wirklich angetan, während Regime, die westlicherseits als totalitär bezeichnet werden, es relativ einfach haben, per gewöhnlichen Bescheid die Internetseiten zu verbieten, die ihnen nicht behagen, muß man in den Demokratien nach anderen Wegen suchen, um die gleiche Effizienz zu erreichen. Zwar erregt man sich in regelmäßigen Abständen gern über die Zensur bei Anderen, macht aber kaum einen Hehl daraus, dass man derlei bei sich zu Hause auch gern praktizieren würde.
Um dabei wenigstens formell das Gesicht zu wahren, ist kein Argument zu absurd, um nicht als Mittel zur Zensureinrichtung bemüht zu werden. Erinnert sei nur an die angebliche Kinderpornographiebekämpfung in Deutschland, die lediglich nur Vorwand ist, um die technischen Voraussetzungen zu schaffen, um das Netz generell zensieren zu können.
Ist Kinderpornographie allerdings immerhin noch ein Totschlagsbegriff, mit dem man schlichtere Gemüter in Deutschland für eine Zensurbegründung beeindrucken kann, geht man in der südkoreanischen Demokratie gänzlich andere Wege.
Grund ist das offensichtlich gestiegene Bedürfnis vieler Südkoreaner, sich selber von einem Leben in demokratischer Würde und Anmut zu befreien. So heißt es in einem Bericht von TELEPOLIS, dass sich dort von 100.000 Menschen jährlich etwa rund 25 selbst umbringen. In Deutschland liegt diese Quote lediglich bei 13. Man sieht darin eine „Selbstmordepidemie“. Noch höher als in Südkorea liegen jedoch die Selbstmordraten in Litauen und Russland, wo es jährlich unter 100.000 Menschen etwa rund 39 bzw. 32 Zeitgenossen vorziehen, auf eigene Initiative dem irdischen Jammertal zu entrinnen. Als Ausrede für Internetzensur hat man dort jedoch diese Selbstmordquoten bis dato noch nicht entdeckt.
Um der Lebensmüdigkeit ihrer Untertanen vorzubeugen, will die südkoreanische Regierung jetzt Internetsperren einführen. Grund dafür ist, dass im Internet Ratschläge und Hinweise für das Begehen von Selbstmord zu finden sind. So soll es in den virtuellen Weiten fernöstlicher Breiten sogar regelrechte Selbstmordforen geben, die dem Lebensunwilligen mit Rat und Tat beiseite stehen, sich auf möglichst schmerzlose oder elegante Weise in eine bessere Welt zu befördern.
Bei TELEPOLIS heißt es dazu: „Erschwert werden soll die Suche nach Informationen auf Internetportalen über Selbstmord. Offenbar sollen bestimmte Suchbegriffe wie Selbstmord, wie kann ich sterben, kollektiver Selbstmord, Selbstmordtechniken etc. gesperrt werden. Zudem soll die gesetzliche Grundlage dafür geschaffen werden, dass die Polizei die persönlichen Daten der Benutzer von Internetprovidern anfordern kann, die Selbstmord anpreisen oder Selbstmordwilligen Rat anbieten wollen. So sollen Informationen über Selbstmord gelöscht werden, man will in diesem Zusammenhang auch gegen Betreiber von Intercafes vorgehen.“
Es bedarf jedoch keiner großen Phantasie, um festzustellen, dass die Bekämpfung von Selbstmordwahn hier nur der vorgeschobene Grund ist, um, wie in gewissen anderen „Demokratien“ auch, Zensurregelungen einzuführen, die man bei jedem anderen Staat, außerhalb der westlichen Werteordnung, als totalitär anprangern würde.
In Japan hingegen überlegen Wissenschaftler, ob es nicht ratsam wäre, dem Trinkwasser Lithium beizugeben, das angeblich die Selbstmordrate senken soll:
„…Kein Wunder jedenfalls, dass japanische Wissenschaftler einen Vorschlag zur Bekämpfung der Epidemie gemacht haben, der möglicherweise wirksam sein könnte, aber auf jeden Fall die Türe zu einer neuen Art der Massenbeeinflussung öffnen würde, wie sie bislang nur von Science-Fiction-Autoren ausgedacht wurde, am beeindruckendsten wahrscheinlich von Stanislaw Lem im “Futurologischen Kongress”.
Bekanntlich wird Lithium seit langem als Medikament zur Behandlung von schweren psychischen Störungen und vor allem von Depressionen eingesetzt. Nachgewiesen ist auch, dass die Einnahme das Selbstmordrisiko senkt. Allerdings kann eine Reihe von Nebenwirkungen auftreten, vor allem wenn die Dosierung zu hoch ist.
Japanische Psychologen und Psychiater der Universitäten Oita und Hiroshima haben nun festgestellt, wie sie in der Zeitschrift British Journal of Psychiatry berichten, dass selbst geringe Mengen von Lithium schon die Neigung zum Selbstmord verringern können.
Für ihre Studie haben sie haben sie das Trinkwasser der 18 Gemeinden der Präfektur Oita auf der Insel Kyushu auf die natürlich vorkommenden Lithium-Konzentrationen untersucht. Die unterschiedlichen Werte, die erheblich variierten und zwischen 0.7 bis zu 59 Mikrogramm pro Liter lagen, verglichen sie mit den Selbstmordraten der Gemeinden. Das Ergebnis für die Jahre 2002 bis 2006: Die Gemeinden mit den höchsten Lithium-Werten im Trinkwasser hatten die geringsten Selbstmordraten. Auch wenn die Konzentration sehr gering ist, könnte nach der Vermutung der Wissenschaftler die konstante Aufnahme eine kumulative Wirkung haben.
Interessant wäre natürlich auch gewesen, ob es weitere “Nebenwirkungen” der höheren Lithium-Aufnahme durch das Trinkwasser gibt. Das hat die Wissenschaftler aber offenbar weniger interessiert, die wohl eher an eine Anwendung ihres Forschungsergebnisses denken und indirekt vorschlagen, dass man doch dem Trinkwasser generell zur Suizidprävention ein wenig Lithium zusetzen könnte. Das könnten eben auch so geringe Dosen sein, dass es zwar langfristig einen antisuizidalen Effekt gibt, aber das Lithium sich ansonsten nicht auf die Stimmung niederschlägt.
Direkt den Vorschlag zu machen, durch die Zuführung von medizinischen Wirkstoffen im Trinkwasser zwangsweise alle Menschen in dieser Region zu beeinflussen, war den Wissenschaftlern wohl doch zu heikel. In einem Editorial in derselben Ausgabe der Zeitschrift versucht jedoch Allan Young vom Institute for Mental Health in Vancouver den Türspalt ein wenig weiter zu öffnen. Die Ergebnisse sollten weitere Forschungen anregen, schreibt er, und meint damit Massenversuche mit dem Zusatz von Lithium im Trinkwasser. Das würde zwar Debatten auslösen, aber die “möglichen Vorteile für die psychische Gesundheit könnten beträchtlich sein”. …“
Na, da darf man wohl gespannt sein, was in Zukunft noch alles so auf die Menschheit zukommt. Orwells „1984“ und Huxleys „Schöne neue Welt“ lassen schon jetzt grüßen.
Siehe auch
Telepolis 14.06.09





3 responses so far ↓
1 Daggi // Jun 15, 2009 at 9:55
Aus buddhistischer Sicht sind Selbsttötungen nur zur Abwehr von Angriffen auf das persönliche oder kollektive Nibbana akzeptabel:
http://de.wikipedia.org/wiki/Suizid#Buddhismus
Da die meisten Suizide jedoch rein egoistisch motiviert sind, sind die in Korea und Japan vorgesehenen Maßnahmen zwar Schritte in die richtige Richtung, jedoch längst nicht hinreichend.
2 v. Leers // Jun 15, 2009 at 10:41
@Altermedia
Ein angeblicher Brief aus dem Iran.
http://www.juedische.at/TCgi/_v2/TCgi.cgi?target=home&Param_Kat=3&Param_RB=18&Param_Red=11792
Ahmadinejad sollte eigentlich jeden Ruhestörer auf der Straße, der gegen ihn und somit auch gegen die Wahrheit ist, von der Polizei den Schädel einschlagen lassen.
3 Ali Mente // Jun 15, 2009 at 11:26
Wer im Weltnetz nachschauen muß auf welche Weise er sich entleibt, dem ist ohnehin nicht zu helfen. Preußischen Offizieren und Beamten war das unmißverständlich klar.
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