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Altermedia Deutschland – Störtebeker-Netz: In einer Zeit des Universalbetruges ist die Wahrheit zu sagen eine revolutionäre Tat (George Orwell)


Sprachforscher Horst Dieter Schlosser und die Nichtwähler in Mecklenburg-Vorpommern (14.09.06)

September 14th, 2006 · Post your comment (8 Comments)

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Stell dir vor es sind Wahlen und keiner geht hin.

Schwerin / Mecklenburg: Je näher der Wahltermin am 17. September rückt, desto mehr orakelt man nicht nur in etablierten politischen Parteizentralen, wie es denn erst so weit kommen konnte, daß nahezu die Hälfte der Wähler – und möglicherweise sogar noch darüber weg – kaum noch Interesse haben, ihr Votum abzugeben. Anlaß für die SCHWERINER VOLKSZEITUNG den Sprachforscher Horst Dieter Schlosser über die „Motive des Schweigens“ und mögliche Politikerfehler zu befragen. Dieser ließ sich dann auch nicht lange bitten und erklärte besagte Politverdrossenheit folgendermaßen:
„Es sind vor allem die Erwartungen, die nach der Einheit im Osten sehr hoch waren, während der Westen das ganze eigentlich mehr als interessantes Event gesehen hat. Und diese gerade auch von westlichen Politikern ins Unermessliche gesteigerten Erwartungen sind natürlich sehr viel schneller enttäuscht worden, als das im Westen je der Fall war. … Natürlich ist das Ganze etwas komplexer, weil im Westen die Gründe für eine Nichtbeteiligung an der Wahl – soweit ich die von Zeitungen eingeholten Auskünfte interpretieren kann – eher privater Natur sind. Im Osten wird das dagegen deutlich politischer gesehen.“

Eine Trendwende sehen weder er noch die SCHWERINER VOLKSZEITUNG in Sicht und so verwundert es nicht, wenn der Sprachforscher Berufs- und Gewohnheitsdemokraten nur sehr bedingt Hoffnung auf Besserung machen kann: „Natürlich ist das Ganze etwas komplexer, weil im Westen die Gründe für eine Nichtbeteiligung an der Wahl – soweit ich die von Zeitungen eingeholten Auskünfte interpretieren kann – eher privater Natur sind. Im Osten wird das dagegen deutlich politischer gesehen.“ Eine mögliche Verbesserung der Situation will er allenfalls in einer politischen Polarisierung von wirklich guten Sachargumenten sehen, doch zeigen diese wie auch die letzten Wahlen, daß von solchen wohl nirgends ernsthaft eine Rede sein kann, machen doch ausnahmslos alle Parteien in Populismus, die einen besser, die anderen schlechter, aber in jedem Fall regiert die hohle Phrase.

Horst Dieter Schlosser

Den gegenwärtigen Erfolg der NPD in Mecklenburg-Vorpommern erklärt Schlosser folgendermaßen: „Das Peinliche ist ja, dass auch die PDS sich inzwischen abgenutzt hat, speziell in MV. Ich kann das deswegen gut beurteilen, weil ich mal 12 Jahre in der Kommunalpolitik als Mitglied einer freien Wählergemeinschaft aktiv war. Wir hatten ungeheure Erfolge, bis wir vor die Leute treten und sagen mussten: Es gibt Sachzwänge… Von da an ging es rapide bergab. … die NPD hat sich in dieser Hinsicht noch nicht blamiert, auch wenn sie das mit Sicherheit tun wird. Denn wenn es um Sachpolitik geht, was hat sie da zu bieten?“

Ein Kompliment daß diese freilich an die Auftraggeber des Adressaten zurückgeben kann, sieht deren Sachpolitik derzeit doch so aus, daß man auf der einen Seite, die Wähler finanziell in einer Weise über den Tisch zieht, wie es in der neueren deutschen Geschichte einmalig ist, pathetisch vom Sparzwang für alle spricht, gleichzeitig aber auf allen Kontinenten nach militärischen Händeln im Gefolge der USA und Israel sucht. Und nicht genug damit, so wird unter dem Vorwand die Bevölkerung vor dem Terrorismus schützen zu müssen, ein Grundrecht nacheinander ad absurdum geführt, während man im gleichen Atemzug zetert, daß es eigentlich ja die NPD sei, welche die Demokratie abschaffen wolle. Daß es inzwischen freilich kaum noch etwas gibt, daß diese da abschaffen könne, weil die Vorarbeit bereits vom etablierten Parteienkartell geleistet wurde – und wird, läßt man jedoch klugerweise unter den Tisch fallen.
Wenn also der NPD zu Recht der Vorwurf gemacht wird, sie arbeite mit Klischees und Vorurteilen, so sollte man Personen wie Schlosser & Co. ruhig befragen, welche politische Partei dies denn nicht tue, gehört derlei doch nun einmal seit Bestehen dieser Gesellschaftsform zu den politischen Spielregeln, mögen sie nun einem gefallen oder nicht.

Abschließend darf natürlich der obligatorische Appell an das Wahlvolk, doch bitte schön am 17. September wählen zu gehen, nicht fehlen. So meint Schlosser diesbezüglich zu den Lesern der SCHWERINER VOLKSZEITUNG:
„Erhalten Sie sich die Kritik gegenüber der Politik, die ist im Westen leider schwächer geworden. Aber eine wirkliche Nichtwahlentscheidung, sollte gut politisch begründet sein.“

Na, das ist doch mal ein Wort mit dem man leben kann. Womit wir dennoch unsere Wahlverweigerungshaltung begründen? Ganz einfach. Die Wahl der einen Parteien verbietet uns der Anstand und die der anderen der Verstand. Welche damit speziell gemeint sind? Nun das ist noch einfacher, setzen Sie einen beliebigen Parteinamen ein und Sie werden feststellen, daß diese Logik auf jede Wahlpartei anwendbar ist. Der Wunsch nach etwas anderem ist zwar nachvollziehbar, doch wenn man schon vor die Wahl gestellt wird, dann sollte im Angebot schon etwas Besseres enthalten sein. Handelt es sich jedoch lediglich um einen bloßen Politikeraustausch, ohne wirklichen qualitativen Unterschied – bloßes Wortgeklingel kann da nur wenig beeindrucken – so macht man am kommenden Sonntag besser einen Ausflug ins Grüne oder in die nächste Kneipe, statt sich einmal mehr erneut zum Narren machen zu lassen. Nach unserem Dafürhalten die vernünftigste Lösung.

Siehe auch
Schweriner Volkszeitung 14.09.06

Quelle: Störtebeker-Netz 14.09.06



Tags: Allgemeines

8 responses so far ↓

  • 1 Ferrier // Sep 15, 2006 at 8:29

    Dieser Herr Schlosser hat ja einen ganzen Strauß blumiger Erklärungen ausgebreitet. Keine vermag jedoch zu überzeugen… Sachzwänge, daß ich nicht lache. Die Etablierten nutzen sich ab, weil sie eine wirkliche Alternative gar nicht wollen. Sie drehen sich in ihrem Kreise, den sie weder verlassen können noch verlassen wollen. Nein die Kapitalismusanbeter des Parteienkartells – oder sollte ich Teufelsanbeter sagen – können keine Antworten mehr geben, weil sie keine Alternative wollen und das spürt das Volk, im Osten deutlicher als im Westen.

  • 2 chamälion // Sep 16, 2006 at 0:35

    Wer wirtschaftlich, moralisch und spirituell am Ende ist muß deshalb nicht gleich die demokratische Flinte ins Korn werfen. Solange man sich als Demokrat fühlt, ist man auch umnachtet genug, einem Friedman sein ,, Wir-Gefühl” abzukaufen. Der schreibt doch tatsächlich vom ,,Wir”. Widerwärtiger gehts kaum.

    http://www.bild.t-online.de/BTO/news/aktuell/2006/09/16/wahl-vorbericht-berlin/wahl-vorbericht-berlin.html

    Aber halt! Auf dem Foto zum Artikel
    ,, Sucht sich Wowi eine neue Braut?” ist irgendwie unklar wo Pflüger seine rechte Hand hat.

    http://www.bild.t-online.de/BTO/news/aktuell/2006/09/16/wahl-vorbericht-berlin/wahl-vorbericht-berlin.html

  • 3 chamälion // Sep 16, 2006 at 0:36

    http://www.bild.t-online.de/BTO/news/standards/kommentar/2006/09/16/kommentar-160906.html

  • 4 bildad // Sep 16, 2006 at 5:55

    “Daham statt Islam”

    Wegen dem Wahlplakat wurde schon Anzeige erstattet.

    “…Sauer stößt den Institutionen auch das FP-Plakat “Daham statt Islam” auf. In der Anzeige ist von “Verspottung” einer Religionsgemeinschaft die Rede….” ( Kleine Zeitung)

    Also wegen einem so plumpen und schwachen Wahlpalkatparolenreim schon Verspottung einer Religion zu sehen, ist aber wehleidig.

  • 5 Freibeuter // Sep 16, 2006 at 7:51

    Jetzt würde mich doch einmal konkret interessieren, welches Idealbild der Politik die Schriftleitung verfolgt, zumal die Schlußfolgerungen – nicht nur in diesem Artikel – gegenüber den “etablierten” Parteien vollkommen zutreffend dargelegt wurden und die ersichtlich werdende Kritik an der NPD ebenfalls “Hand und Fuß” hat.

    Nun liebe Schriftleitung, ist Euer “Ideal”, Euer Gegenentwurf zu dem gegenwärtigen Chaos(welcher ?) überhaupt umsetzbar ?*

    Sich eventuell auf die einfache Formel zurückzuziehen, man sei ja nur “Schriftleitung” und kein Politker fände ich ein wenig unter Euren Möglichkeiten ! Bitte jetzt Butter bei die Fische !

    Schon mal darüber nachgedacht, daß es vielleicht gar keinen gibt, weil im Grunde genommen eine Seite nicht besser ist als die andere. Das ist eben das Problem mit den Idealen, letztlich scheitern sie an der Wirklichkeit. Wir fürchten, letztlich wird Spengler mit dem Recht bekommen, was er schon vor zig Jahren in “Der Mensch und die Technik” gesagt hat. Kannst du dir aus dem Archiv raussuchen. Der Mann kriegt Recht.
    Was uns betrifft, so haben wir uns damit abgefunden, die Dinge so zu beschreiben wie sie sind, nicht wie sie sein sollen, mag es Teilen des werten Publikums nun in den Kram passen und das ist uns an Ehrgeiz genug. Sollten wir das Idealbild der vollkommenen Gesellschaft jedoch finden, werden wir keinem Moment zögern, ihn an dieser Stelle mitzuteilen. Allerdings schätzen wir, daß wir da lange suchen müssen, bis dahin richten wir uns den Umständen entsprechend ein. Man muß die Dinge ja auch nicht noch schlimmer machen als sie sind, indem man die Politik noch windigeren Abenteurern überläßt, als es dort ohnehin schon gibt und wenn daran doch kein Weg vorbei führt, so doch bitte schön ohne unser Zutun. Und ehe du jetzt aus Entrüstung die große Moralpauke schwingst: Ja, damit können wir leben und des geniert uns überhaupt nicht.

    Schriftleitung Altermedia

  • 6 Ferrier // Sep 16, 2006 at 8:20

    Verspottung einer Religion? Daß ich nicht lache… Die Demokraten meinen tatsächlich, uns, mit Hilfe ihres Strafgesetzes, den Abscheu und die Abwehr gegen jede Art von Zivilokkupanten austreiben zu können. Das Volk hat sich die Abneigung gegen das Fremde, die ja eine biologische Determination des Menschen darstellt, weitgehend erhalten. Die Scheißdemokraten versuchen nun diese natürliche Prägung zu kriminalisieren und zu beseitigen. Erziehungsdiktaturen sind eine Erfindung der Linken, wie wir seit Stalin, Mao und Pol Pot wissen. Wir wissen aber auch, es brachte nichts…

  • 7 Mr. U.S.A. // Sep 17, 2006 at 2:21

    es ist doch immer wieder schön wenn die Entnazifiierung ein Stück weiter vorran getrieben wird!

  • 8 Komentar_adS // Sep 18, 2006 at 0:38

    betreffend der Plakate
    “Daham statt Islam” wird jede Anzeige im Sand verlaufen, GARANTIERT!!!!!!

    Hier sind viele, vielleicht die wesentlichsten Plakate der FPÖ in einem Faltblatt verdichtet dargestellt mit der dazugehörigen inhaltlichen Erklärung bzw. Erläuterung.
    http://www.fpoe.at/fileadmin/Contentpool/Niederoesterreich/PDF/folder.pdf

    Und hier ist ein Teil, etwa die Hälfte, der Plakate der FPÖ für die NR-Wahl am 1. Oktober ersichtlich – bis zur Schrift “Alle Radiospots zum download :”:
    http://hcstrache.at/index.php?style=7

    Und wen abschliesend möglicherweise das Wahlprogramm der FPÖ zur NR-Wahl interessiert, der kann die 12 Seiten hier
    http://www.fpoe.at/fileadmin/Contentpool/Portal/PDFs/Dokumente/FP_-Wahlprogramm_NR-Wahl_2006.pdf

    nachlesen. M.E. sind einige gute Ansätze darin vorhanden, mit recht guten Formulierungen.

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