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Altermedia Deutschland - Störtebeker-Netz: In einer Zeit des Universalbetruges ist die Wahrheit zu sagen eine revolutionäre Tat (George Orwell)

Uruknet.de: Malcolm Lagauche - Der Märtyrer Saddam Hussein (31.12.06)

December 31st, 2006 · Post your comment (18 Comments)

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Folgender Beitrag von Malcolm Lagauche erschien am 28. Dezember auf der irakischen Widerstandsseite Uruknet.de Einer unser Leser war so freundlich, ihn für uns – leicht gekürzt - ins Deutsche zu übersetzen.
Wir möchten an dieser Stelle erneut den polyglotten Teil unserer Leserschaft bitten, uns mit Übersetzungen von fremdsprachigen Artikeln anderer nationaler Webseiten oder sonstiger Medien zu unterstützen.

Saddam Hussein als irakischer Staatsführer

Der Märtyrer Saddam Hussein

Der Beschluß zur Aufrechterhaltung des Todesurteils gegen Saddam Hussein durch das vorgetäuschte irakische Revisionsgericht wurde weltweit verdammt, natürlich außer den USA. Das Gericht brauchte zwei Tage, um 1500 Seiten der von der Verteidigung eingereichten Dokumente zu lesen. Kein Gericht auf der ganzen Welt, schon gar nicht ein legitimes Gericht, ist in der Lage, diese Anzahl von Seiten in so kurzer Zeit zu entziffern.

Niemand war überrascht über das Todesurteil gegen Saddam Hussein, weil man wußte, daß die Entscheidung schon von vornherein festlag. Jedoch übertraf sich das Gericht sogar noch selbst durch den Beschluß über den irakischen Vizepräsidenten Ramadan. Er war zu lebenslänglicher Gefängnisstrafe verurteilt worden, jedoch änderte das Revisionsgericht diese in Todesstrafe um, obwohl sein Fall nicht einmal im Gerichtssaal aufgerollt worden war.

Saddam Hussein als Angeklagter im Schauprozeß

Seit Saddam zum ersten Mal seinen Fuß in den Gerichtssaal gesetzt hatte bis heute, war das gesamte System gegen ihn eingeschossen und beging so viele Rechtsbrüche, daß es eines Berufsmathematikers bedürfte, um alle auszuzählen. …

… Fast jeder in den USA ist in Lynch-Stimmung. … Koryphäen bekommen Schaum vor den Mund, wenn sie über die bevorstehende Hinrichtung debattieren. Heutzutage besteht eine kollektive Atmosphäre der Irrsinns in den USA. Sogar frühere Antikriegs-Anhänger applaudieren der kommenden Hinrichtung. Viele Politiker der Demokraten sagten, sie seien froh über das Endurteil und Saddam „verdiene“ es. Keiner jedoch hat die Legalität oder Fairness des Verfahrens in Frage gestellt.

Linke Journalisten sind dabei, sich gegenseitig mit ihrer Verachtung gegen Saddam zu übertreffen. Nicht nur, daß sie dauernd über seine „brutale Diktatur“ schwätzen; sie erfinden auch noch neue Fabeln über Abscheulichkeiten, die unter seinem Regime verbrochen worden seien.

Ich fordere alle Journalisten, die dafür plädieren, daß Saddam gehängt wird, hiermit auf, sich ein paar Stunden Zeit zu nehmen und die Wirklichkeit zu untersuchen:


Die standardmäßig dem Ba’ath-Regime in der Anfal-Kampagne angelastete Anzahl von Toten ist 182000. Warum aber sind keine Leichen gefunden worden ? Wenn 182000 ermordet worden wären, dann müßte es Berge über Berge von Leichen geben. Jedoch keine sind aufgetaucht.

Wenn 148 Menschen wegen eines Mordanschlags 1982 (in Dujail) gegen den Präsidenten des Irak zum Tod verurteilt wurden, warum sind heute noch mindestens 24 am Leben ? Und diejenigen, welche verurteilt wurden, erhielten ein langwieriges und faires Gerichtsverfahren, das sich etwa 3 Jahre lang hinzog. Sie hatten auf der Seite des Iran gekämpft, während der Irak mitten im Krieg mit seinem östlichen Nachbarn (engaged) war. In den USA würde das als schwerer Landesverrat gelten. Bei Saddam Hussein aber nannte man das „Massenmord“. George Bush seinerseits hatte, während er Gouverneur in Texas war, mehr Todesurteile unterzeichnet als Saddam Hussein in dem Dujail-Verfahren.

Wenn das irakische Militär 5000 Kurden in Halabjah mit Giftgas ermordete, warum wurden dann nur 300 Leichen gefunden ? Und warum war das zum Töten der Bürger verwendete Gas Zyangas, ein Gas, das Irak nicht besaß, aber Iran ? Warum haben CIA, das US Army War College, Greenpeace, der CIA-Hauptanalyst Stephen Pelletiere (1988), der verstorbene J. Waninski (vom Wall Street Journal), der US Marine Corps Historical Report und viele andere Einzelpersonen und Organisationen den Iran wegen des Giftgaseinatzes gegen die Kurden bezichtigt ?

Warum ist kein einziger Iraker hervorgetreten und hat bekannt, daß er in die Giftgaskampagne einbezogen war ? Heute, da die Ba‘ath-Partei entmachtet ist, kann man nicht mehr als Entschuldigung vorbringen, daß niemand vorzutreten wagt aus Angst vor Todesdrohungen durch die Ba‘ath-Regierung. Riesige Geldsummen sind angeboten worden für jemanden, der öffentlich zugibt, über die Giftgaskampagne etwas zu wissen oder dabei teilgenommen zu haben: ein Pilot, oder Nachschubspezialist, oder Beobachter, irgendwer. Aber kein einziger ist aufgetaucht, die Prämie zu fordern.

Im November 2003 haben die USA behauptet, 400000 Leichen seien in Massengräbern im Südirak aufgefunden worden. Im folgenden Juni gab Tony Blair gegenüber der Presse zu, daß nur 5000 Leichen gefunden wurden. Er hätte sich versprochen, als er die ursprüngliche Zahl von 400000 verwendet hatte. Darauffolgende Untersuchungen deckten aber auf, daß viele von den 5000 durch Bomben der USA in der Operation Desert Storm getötet worden waren. Warum hat niemand diese Tatsachengeschichte an die große Öffentlichkeit gebracht ?

Ich habe bis heute ausführlich über diese Abnormitäten berichtet. Leider haben das nur ganz wenige andere. Für mich sind genaues Untersuchen und Gegenbeweisführen anerkannter Mythen die Merkmale für einen gewissenhaften und messerscharfen Journalisten.

Nein, im Gegenteil hören wir heute nach wie vor all die bestialischen Taten, die Saddam Hussein zugeschrieben werden, aus dem Mund von Leuten, die es eigentlich besser wissen müßten. Viele haben berichtet, daß George Bush über alles, was mit dem Irak zu tun hat, gelogen hat: Massenvernichtungswaffen; die Bin-Laden/Hussein-Verbindung; die Verstrickung des Irak mit 9-11; die erfundene Vorschau auf biologische Waffen; die Inhaftierung eines amerikanischen Kriegsgefangenen seit 1991; etc. Dennoch verbreiten dieselben Leute die Mythen über Saddam Husseins barbarische Taten.

Ich lege noch einmal eine Herausforderung an die linke Presse vor: bitte erklären Sie, wenn Bush über alles gelogen hat, wie soll er auf einmal in Bezug auf die (angebliche) Brutalität Saddams die Wahrheit sagen? Dazu eine Antwort zu geben, ist eine harte Nuß für die Journalistenkoryphäen. Für jemanden mit etwas Intelligienz und Logik gilt einfach: Bush log ebenfalls über Saddam.

Hier sind eine Fragen, die man heute nicht hört, die aber von entscheidender Bedeutung sind, wenn man über den Irak diskutiert:
Warum hören wir nichts davon, daß dem Irak 1982 durch die UNO attestiert wurde, „frei von Analphabetismus“ zu sein, während die Anzahl derer, die lesen und schreiben konnten, im Jahr 1973 erst bei 40 % lag ?

Warum hören wir nichts über die UNO-Erklärung 1984, daß das Erziehungssystem des Irak das beste ist, das die Welt jemals in einem Entwicklungsland gesehen hat ?
Warum hören wir nichts darüber, daß die New York Times 1987 den Irak das „Paris des Mittleren Ostens“ genannt hat ?
Warum hören wir nichts davon, daß Saddam Hussein in den 70er Jahren im Südirak Privathäuser zu besuchen pflegte, um sicherzustellen, daß jedermann Elektrizität und Kühlschrank hatte ?

Warum hören wir nichts über die mehreren Millionen ausländischen Araber, die in den Irak kamen, um an dem Vorteil des Landreformprogramms teilzuhaben, das die regierende Ba’ath-Partei realisierte, wobei jeder Person Land gegeben wurde, um anbauen und ernten zu können.

Warum hören wir nichts über die irakischen Ausbilder, Lehrer, Doktoren, die in die arabischen Länder geschickt wurden, um bei deren eigenen Entwicklungsprogrammen Unterstützung zu leisten ?

Warum hören wir nichts mehr von dem Lob der anderen arabischen Nationen, daß Irak so viele Soldaten im Iran-Irak-Krieg verloren hat, alle für die Verteidigung dieser Länder, die davor Angst hatten , daß der Iran seinen religiösen Fundamentalismus in sie zu exportieren beabsichtigte.

Warum hören wir nichts über die mehrfachen Versuche und Angebote in den 1990er Jahren seitens der USA an Saddam, das Embargo aufzuheben unter der Bedingung der Anerkennung Israels und der Bewilligung der Errichtung amerikanischer Militärbasen im Irak ?

Warum hören wir nichts darüber, daß jeder US-Amerikaner im UNO-Inspektionsteam für den Irak zwischen 1991 und 1998 ein Spion war, und nicht ein Inspektor ?

Die Liste könnte immer weiter fortgesetzt werden. In meinem bald erscheinenden Buch „The Mother of All Battles: The Endless US-Iraq War“ („Die Mutter aller Schlachten: Der endlose US-Irak-Krieg“) behandle ich im Detail diese und andere Themen, die von den klischee-befangenen , kurzsichtigen , unkritischen und leichtgläubigen Medien nicht berührt werden.

Das gegenwärtige Szenario ist ganz absurd. Die Personen, die durch die Bank logen (Bush, Cheney, Rice, Bremer, Powell, Rumsfeld, et al.) und Zig-Millarden Dollar, die dem Irak gehörten, gestohlen haben, dieselben reden stolz von der Erschaffung eines Neuen Mittleren Ostens oder machen Autogrammreisen für ihre Memoiren. Die Folgen ihrer Lügen führten zum Tod von vielen Hunderttausend Irakern, zu ca. einer Billiarde Dollar Kosten für das amerikanische Volk und zur Zerstörung der ganzen Kultur und Infrastruktur des Landes Irak. Sogar die Geschichte des Irak wird von den Leuten in Washington neu geschrieben.

Auf der anderen Seite sitzt der Mann mit dem Schnurrbart, der die Wahrheit über alle die Lügen sagte , der sich an die Forderungen der UNO-Inspektionen hielt und der eine 12000-seitige Dokumentation über jeden Detailaspekt des früheren irakischen WMD-Programms vorlegte, dieser Mann sitzt im Gefängnis und wartet auf seine Hinrichtung. Irgendetwas ist in den Fundamenten falsch, wenn die Dinge so weit aus der rechten Kontrolle geraten sind .

Heute ist Saddam Hussein der freieste Mensch im Irak, obwohl er sich hinter Gittern befindet. Sein Kopf ist klar und seiner Integrität ist durch keinerlei Unglaubwürdigkeit beeinträchtigt. Er erwartet den Tod mit Würde. Kein einziges Mal gab er unter Druck oder Folter klein bei. Selbst als die USA ihm die uneingeschränkte Freilassung unter der Bedingung anboten, daß er den irakischen Widerstand stoppte, weigerte sich Saddam zu kapitulieren.

Andere Staatsführer, etwa wie Ghadafi und Noriega, erlagen dem Druck der USA. Ghadafi, der früher noch ein Revolutionär war, ist heute nichts mehr als nur noch der Oberinspektor für den Transfer von Libyens Öl an die kapitalistischen Giganten. Er hat keinen großen Gesellschaftsentwurf mehr vor Augen. Er mag zwar nicht im Gefängnis sein, aber er ist ein Sklave.

Noriega fing schnell zu „singen“ an, als die USA in unter Druck setzten. Er gab zu, Drogenhandel betrieben zu haben, trotzdem die USA dabei sein Partner waren. Und er machte großes Aufhebens davon, daß er Jesus gefunden hätte, nachdem der eingekerkert worden war. Noriega ist ein Sklave hinter Gittern.

Saddam Hussein ist kein Sklave, obwohl eingekerkert in Gefangenschaft. Ihm wird nicht erlaubt, seine Familie zu sehen, wenn sie nicht – wie seine Söhne und sein Enkel – mit Hunderten von Kugeln zu Tode geschossen werden. Die USA brüsten sich mit „Familienwerten“ , aber nicht für Fremde. Eine amerikanische Familie ist heilig, aber eine irakische Familie ist nur Kanonenfutter.

Am 17. Januar 1991 hatte Saddam Hussein der Welt erklärt: „die Mutter aller Schlachten hat gerade begonnen“. Obwohl bisher zwei US-Präsidenten den Sieg über Irak mit einer Parade in New York und einer Flugzeugträger-Celebration erklärt haben, brüllt die Mutter aller Schlachten jetzt noch grimmiger als je zuvor.

In etwa drei Wochen ist der 16. Jahrestag des Anfangs des Bombardements des Irak. Trotz aller Proklamationen und Leugnungen der USA, wütet der Kampf noch immer. Das Bomben hörte nicht auf mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens am 2. März 1991. Es wurde von den illegalen „No-fly“-Zonen, die die USA schufen, noch bis zum März 2003 fortgesetzt .

Saddam Hussein nach seiner Hinrichtung am 30.12.06

Bald wird Saddam Hussein gehenkt werden. Er wir tot sein, aber sein Erbe wird ihn nicht nur überleben, sondern es wird noch erhöht werden. Die Mutter aller Schlachten ist noch einen langen Weg von ihrem Ende entfernt.

Quelle: Uruk.net 28.12.06



Tags: Allgemeines

18 responses so far ↓

  • 1 Wetekamp // Dec 31, 2006 at 10:07

    “Die Folgen ihrer Lügen führten zum Tod von vielen Hunderttausend …, zu ca. einer Billiarde Dollar Kosten für das amerikanische Volk und zur Zerstörung der ganzen Kultur und Infrastruktur des Landes …. Sogar die Geschichte des … wird von den Leuten in Washington neu geschrieben.”

    Da werden Erinnerungn wach. Es ist immer und immer wieder das gleiche Strickmuster. Die Namen der Völker und Nationen sind beliebig austauschbar.

  • 2 Ferrier // Dec 31, 2006 at 10:23

    Die USA haben all ihre Kriege mit einer unglaublichen Lügenpropaganda vorbereitet und durchgeführt. Sie haben diese Lügen nicht einmal dann gestoppt, als allgemein klar wurde, daß es Lügen sind. So war es in Vietnam und im Irak. Jeder kann sich vorstellen, daß es auch vor Vietnam, in Korea oder Deutschland ebenso war wie etwa der Krieg gegen Japan. Ich will es gar nicht alles aufzählen und schon gar nicht chronologisch, es genügt darauf hizuweisen. Die sogenannten Demokratien erweisen sich damit allerdings einen Bärendienst denn Lügen haben kurze Beine, vor allem dann, wenn sie von div. Gesetzen “geschützt werden müssen”. Der Krug geht solange zu Wasser bis er bricht. Ich verachte diese Art von Politik, ihre Paladine und die gutgläubigen Dummköpfe, die sich vom schönen Fernsehschein täuschen lassen…

  • 3 Der Hans // Dec 31, 2006 at 11:16

    Ts, ts, ts. Immer diese widerliche Leichenarithmetik. Jetzt sollte man erst mal abwarten. Vielleicht lassen sich ja noch ein paar Gaskammern bauen … äh … finden meine ich natürlich. Und irgendwo wird es sicherlich noch eine Minderheit geben, die statistisch gesehen plötzlich ein paar Millionen Mitglieder weniger hat. An der Geschichte wird noch immer ge … äh … schrieben. Die politisch korrekten Zahlen werden wir sicher noch erfahren.

    Hans

  • 4 GB/BHE // Dec 31, 2006 at 11:54

    “Der Märtyrer Saddam Hussein”

    Es wird nicht weniger lächerlich, wenn man es öfters wiederholt. :)

    Das hätte die Wiederholung dann mit Ihren Kommentaren zu dieser Thematik gemeinsam. - Schriftleitung Altermedia

  • 5 Jakob // Dec 31, 2006 at 12:01

    Für mich war die Geschichte glasklar, als sich Herr Bush vor die Presse stellte und darüber referierte, wie Saddam (persönlich) mit einer Bohrmaschine Kinder foltern würde, während er die Eltern des Kindes zwingen würde zuzusehen, und außerdem auf die abenteuerlichste Art und Weise Menschen umbringt.
    Als ich die verschiedenen Schilderungen hörte fand ich eine 1:1 Kopie dessen vor, was man dem NS bis heute vorwirft.

  • 6 ruewald // Dec 31, 2006 at 13:10

    Korrektur:
    Entschuldigung, bei der Übersetzung ist mir ein Fehler unterlaufen.
    Statt “während die Analphabetenrate des Landes im Jahr 1973 noch 40 % gewesen* war…” muss es heißen, dass es 1973 erst 40 % gab, die lesen und schreiben konnten, d.h. die Analphabetenrate noch 60 % war. Die Leistung des Bildungsprogramms des Regimes war also noch beachtlicher.

    *Wurde verbessert. Falls nicht korrekt, bitte melden.
    Schriftleitung Altermedia

  • 7 Beobachter // Dec 31, 2006 at 13:56

    Auch die INTERNATIONALE PRESSE sieht die Angelegenheit erstaunlich differnziert.
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,457195,00.html
    “Hinrichtung einer Marionette”
    In der internationalen Presse wurde die Hinrichtung Saddams vielfach kritisiert. Auszüge aus den Kommentaren.

    “Corriere della Sera” (Italien): “Das Erhängen Saddam Husseins schließt auf furchtbare Weise eine Geschichte, von der wir gehofft hatten, sie könnte ein anderes Ende haben. Furchtbar wie (…) jedes Todesurteil, aber auch, weil dies das tragische Abenteuer der Irak-Krieges mit diesem düsteren Vorfall verknüpft, der auf dem Gewissen aller lasten wird. (…) Der Tod Saddam Husseins kann nur auf eine Weise nützlich sein: Wenn er vor allem im Westen zu einer solchen Missbilligung führt, dass damit die Internationale Gemeinschaft davon überzeugt wird, dass ein solcher Vorfall nicht wiederholt werden kann. Nie wieder. Unter keinen Umständen. Um nichts auf der Welt.”

    “La Repubblica” (Italien): “Er wurde als Marionette geboren, die von Washington gebaut und bewegt wurde, um im Kalten Krieg gegen die (…) iranischen Ayatollahs benutzt zu werden. Und Saddam Hussein ist auch als Marionette gestorben, an derselben amerikanischen Kordel hängend, die ihn zuvor auf den Füßen hielt und ihm letztlich das Genick gebrochen hat. Die Geschichte Saddam Husseins reicht von geheimen Finanzierungen über den freundlichen Händedruck Donald Rumsfelds in Bagdad bis hin zu seiner in Auftrag gegebenen Erhängung. (…) Eine kriminelle Marionette ist gestorben, die zerbrochen und weggeworfen wurde … Aber auch wenn Saddam tot ist: Der “Vietnak”, wie der Konflikt mittlerweile mit einem bitteren Wortspiel genannt wird, bleibt.”

    “NZZ am Sonntag” (Schweiz): “Saddams Tod nach Abschluss erst eines einzigen von mindestens einem Dutzend Verfahren wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit droht die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit abrupt zu beenden. An einer ordentlichen Aufarbeitung der düsteren Geschichte haben weder die Vereinigten Staaten noch die in der irakischen Politik heute dominierenden Schiiten ein Interesse gezeigt. (…) Dass durch den Tod des Despoten vorbereitete Verfahren gegen Saddam überflüssig werden, mögen viele Opfer wie eine zweite Bestrafung empfinden. Wenn der irakische Staat seine Bürger nicht in die Lage versetzt, ihre Leiden zu Protokoll zu geben, und wenn der Staat die Schuldigen nicht ordentlich zur Verantwortung zieht, dann hat dieser Staat verloren. Die Bilder von blutigen Anschlägen verdrängen heute schon die Erinnerung an die Unerbittlichkeit und die Grausamkeit der Saddam-Herrschaft. Jetzt ist Saddam Hussein Geschichte. Sein zerstörerisches Erbe ist es noch lange nicht.”

    “Sunday Telegraph” (Großbritannien): “Nur die naivsten Beobachter können denken, dass die Hinrichtung Saddams an sich dem Irak Frieden bringt. Allein schon die riesige Autobombe, die am selben Tag in der Schiiten-Stadt Kufa explodierte, hat solche Hoffnungen zerstört. Die konfessionsgebundene Gewalt im Irak ist weder durch die Regierung, noch durch die Koalitionstruppen eindämmbar. Was der Untergang Saddams allerdings langfristig bewirken könnte, das ist die Spaltung zwischen jenen Sunniten, die loyal zu Saddams Baath-Regime blieben und jenen Extremisten, die ein islamisches Kalifat errichten wollen.”

    “The Observer” (Großbritannien): “Saddams Tod wird kaum irgendwelche Auswirkungen auf die verschiedenen Aufstände haben, die das Land aufreiben. Die daran Beteiligten kämpfen nicht für die Erinnerung an einen gestürzten Diktator, sondern für ihre Zukunft. Präsident Bush nannte die Hinrichtung “einen Meilenstein auf dem Weg zur Demokratie”, aber es ist schwer zu erkennen, wie dies möglich sein soll, ohne dass das Weiße Haus seine Strategie im Irak radikal ändert. Es wird immer klarer, dass Bush und seine engsten Berater die Empfehlungen der Irak-Studiengruppe unter dem früheren Außenminister James Baker rundheraus ablehnen. Das ist bedauerlich.”

    “Le Monde” (Frankreich): “Wenn man zu dem Grundsatz steht, die Todesstrafe abzulehnen, wie es in der gesamten Europäischen Union der Fall ist, dann kann es dabei keine Ausnahmen geben. Außergewöhnliche Umstände mit zu berücksichtigen, hieße den Grundsatz selbst zu unterhöhlen. (Der französische Präsident) Jacques Chirac hat das wohl verstanden und will angesichts einer Öffentlichkeit, die immer noch von dem Gesetz der Vergeltung angezogen wird, die Abschaffung der Todesstrafe in der Verfassung Frankreichs verankern. US-Präsident George W. Bush weiß weder, warum er seine 140.000 Soldaten im Irak lassen soll, noch, wie er sie dort herausholen kann. Er hat die Hinrichtung des Saddam Hussein als eine “wichtige Etappe auf dem Weg zur Demokratie” begrüßt. Das ist eine Auffassung von Demokratie. Unsere ist es nicht.”

  • 8 Ferrier // Dec 31, 2006 at 16:13

    @Der Hans

    Ich schlage “mobile” Gaskammern vor (keine Gaswagen) die man bequem per Schiff oder Flugzeug zu den jeweligen Standorten (Terrorregime) tranportieren kann. Diese wären dann bei Bedarf nur mit den kulturellen Insignien des jeweils bösen Staates auszustatten und aufzufinden. Der Vorteil dieser Lösung ist offenkundig, es spart eine Menge Dollars weil man flexibel reagieren und nach belieben Kriege anzetteln kann. Zudem sind sie kleiner als etwa Produktionsstätten für Giftgas oder Atomanlagen.
    Ähnliches ließe sich mit aufblasbaren Leichenbergen erreichen. Da ohnehin im Westen nichts hinterfragt wird wäre der zu erzielende Gewinn beträchtlich.

    Besser wäre allerdings die diplomatische Lösung des Problems. Dazu müßte nur die ganze Welt zu Feindstaaten erklärt werden und die usa wären in der Lage jedes Land mit Krieg zu überziehen. dazu würde ich, zur Komplettierung vorschlagen, daß ein Nervengas eingesetzt würde. Das hätte den Vorteil, daß die Bösen ihre bösen Gedanken verlören es aber keine Opfer gibt, die Konsumenten also erhalten blieben.

    Ich will einen Besen fressen wenn mein Konzept nicht einen Friedensnobelpreis wert wäre… :-)

  • 9 Dike // Dec 31, 2006 at 17:42

    Beachtenswert die Reaktion von Ramsy Clarke (Verteidiger des hingerichteten irakischen Präsidenten) in einem Interview mit BBC:

    http://www.youtube.com/watch?v=GNA3t3guG90&eurl=

    Schutz den Völkern vor dem mörderischen Imperium, dem neuen amerikanischen Jahrhundert der Finsternis, ausgeheckt in Tel Aviv!

  • 10 Wetekamp // Dec 31, 2006 at 18:11

    Natürlich darf der allermoralischste, sauberste und beliebteste nicht fehlen: Michel Paolo Pinkel Friedmann

    http://www.bz-berlin.de/aktuell/news/061231/saddam5.html

  • 11 michael // Dec 31, 2006 at 19:22

    @ Wetekamp

    Viel eher als Saddam Hussein gehörte Michel Paolo Pinkel Friedman am nächsten Baum aufgeknüpft und anschließend weggescharrt wie ein reudiger Hund.

  • 12 Klaus // Dec 31, 2006 at 19:35

    @Wetekamp

    Ich hätte nicht auf deinen Link klicken sollen.
    Jetzt ist es zu spät.

  • 13 PA // Dec 31, 2006 at 19:54

    @ Wetekamp

    “Michel Paolo Pinkel Friedmann”

    Wenn dieser Typ von einem Strick baumelt, werde ich eine Flasche Champagner aufmachen!

  • 14 Gerald Franz // Dec 31, 2006 at 22:56

    Die Saddamhinrichtung aus der komfortablen Sicht des Henkersknechtes:

    http://www.liveleak.com/view?i=e062ace1cf&p=1

  • 15 Gerald Franz // Dec 31, 2006 at 23:42

    Dort der Galgen, hier die Stricke
    Und des Henkers rother Bart,
    Volk herum und gift’ge Blicke —
    Nichts ist neu an meiner Art!
    Kenne dies aus hundert Gängen,
    Schrei’s euch lachend in’s Gesicht:
    Unnütz, unnütz, mich zu hängen!
    Sterben? Sterben kann ich nicht!

    Bettler ihr! Denn euch zum Neide,
    ward mir, was ihr—nie erwerbt:
    Zwar ich leide, zwar ich leide —
    Aber ihr—ihr sterbt, ihr sterbt!
    Auch nach hundert Todesgängen
    Bin ich Athem, Dunst und Licht —
    Unnütz, unnütz, mich zu hängen!
    Sterben? Sterben kann ich nicht!

    (Nietzsche)

  • 16 Wetekamp // Jan 1, 2007 at 9:51

    @Michael, Klaus, PA

    ERBARMEN!!! Ich werde in Zukunft die ersten Sätze einkopieren, damit ein Schock vermieden werden kann. :O)

    Klar hätte der es mehr als verdient eine hübsche Hanfkrawatte zu tragen. Genau wie Peres und einige andere …
    Hier der Anfang des Artikels zur Warnung vor unkontrolliertem Anklicken:

    “Peres vergleicht Saddam Husseins Hinrichtung mit Hitlers Ende
    Sonntag 31. Dezember 2006, 09:50 Uhr
    Tel Aviv (dpa) - Israels Vize-Ministerpräsident Schimon Peres hat die Hinrichtung des irakischen Ex-Diktators Saddam Hussein mit dem Ende Adolf Hitlers verglichen.”
    http://de.news.yahoo.com/31122006/3/peres-vergleicht-saddam-husseins-hinrichtung-hitlers-ende.html

  • 17 Prost Neujahr // Jan 1, 2007 at 21:05

    http://magazine.web.de/de/themen/nachrichten/ausland/irak/3415688,cc=000005480300034156881yZnUO.html

  • 18 Schulle // Jan 2, 2007 at 17:54

    Ein Frohes Neues Jahr euch allen.Das Urteil gegen den Präsidenten des Irak stand doch schon lange fest.Das ganze war ein Schauprozess wie der in Nürnberg.

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