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Wenn Genossen sich das Streiten kriegen – Wie süß ist eigentlich Stalin als Torte? (12.10.08)

October 12th, 2008 · Post your comment (5 Comments)

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Lübeck / Schleswig-Holstein: Über einen etwas bizarren Streit zwischen Genossen der PDS in Lübeck berichtete am 7. Oktober, sinnigerweise dem Jahrestag des inzwischen verflossenen Arbeiter- und Bauernstaates DDR, Springers WELT. Die im Artikel immer wieder durchschimmernde Schadenfreude ist dabei unverkennbar.

So amüsiert sich das Blatt über innerparteiliche Zwistigkeiten in der PDS Lübeck, wo unlängst Fotos auftauchten, die ausgerechnet den Lübecker PDS-Chef Ragnar Lüttke bei einer festlichen Veranstaltung im Jahre 2004 zeigen, wie er mit einer Stalin-Torte vor einem Stalinporträt steht. – Stalin, wir erinnern uns, ist der bei dem Massenmord kaum ein Thema ist, weil er ja als Hitlermitbesieger einer von den Guten ist und daher nicht sooo schlecht sein kann, auch wenn sein Opferkonto das seines unterlegenen Gegners um ein Vielfaches übersteigt. Dafür hat man eben eine gute Lobby
Die Tortengeschichte wurde nun Anlaß für einen Betroffenheitszirkus, wie man ihn sonst eigentlich nur bei Koryphäen aus dem eher bürgerlichen Parteienspektrum erleben kann, wenn man diese anhand einer unbedachten Äußerung und falsch interpretierten Geste in gewisse Extremismusschablonen presst.

So können auch wir kaum ein gewisses Maß an Heiterkeit verberge, wenn wir nun lesen müssen:
„…Nun muss der Fraktionsgeschäftsführer in der Lübecker Bürgerschaft seine demokratische Integrität rechtfertigen – ein Gau für die Linkspartei.
Ich habe mich stets zur Demokratie bekannt und lehne jede Form von totalitären Systemen und Diktaturen strikt ab. Stalin war ein Jahrhundertverbrecher. Das Foto ist auf einer satirischen Veranstaltung entstanden”, heißt es in der Erklärung Lüttkes, der eine parteiinterne Intrige aus dem Lager des Bundestagsabgeordneten Lutz Heilmann vermutet: “Die Veröffentlichung eines vier Jahre alten missverständlichen Fotos, steht im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Landesparteitag”. …“

Auf diesem gab es diverse Zwistigkeiten um Führungsposten. Dabei stand Lüttkes Meinung offenbar im Widerspruch zu der des PDS-Bundestagsabgeordneten Lutz Heilmann, welcher der Meinung war, dass kurzfristige Delegiertenwahlen, unmittelbar vor dem Parteitag, in Kiel und Lübeck nicht satzungskonform waren. Ein entsprechender Antrag von ihm wurde freilich auf dem Parteitag zurückgewiesen. Dies führte auf dem Parteitag zu verbalem Schlagabtauschen und dazu, dass ein Teil der Parteitagsdelegierten schon vor Ende der Veranstaltung den Parteitag verließen. Das Bundesschiedsgericht der Partei soll nun darüber entscheiden, ob seinem Einspruch stattgegeben wird oder nicht. Falls ja, so müssen nicht nur die Delegiertenwahlen in Kiel und Lübeck wiederholt werden, sondern auch der Landesparteitag selber.

Heilmann forderte nun Lüttke auf, aufgrund der veröffentlichten Fotos die Konsequenzen zu ziehen und zurückzutreten. Doch davon will dieser nichts wissen, so meint Lüttke, dass er wegen einer Parodie nicht zurücktreten brauche. An dieser Stelle wäre es wohl schon der Überlegung wert, darüber nachzudenken, wie beide Genossen wohl reagiert hätten, wenn von irgendeinem CDU- oder vielleicht sogar NPD-Politiker irgendwelche Fotos aufgetaucht wären, die diese mit einer Hakenkreuztorte vor einem Führerbild zeigen würden. Ob man seitens der PDS dann wohl auch die Argumentation gelten lassen würde, dass es sich dabei lediglich um eine Parodie gehandelt hätte?

Nun, wie dem auch sei, solange das PDS-Bundesschiedsgericht noch keine Entscheidung getroffen hat, empfehlen wir dem Genossen Lüttke, doch einmal nachzubohren, wieso jemand gegen politischen Extremismus wettern kann, der selber Heilmann heißt. Gut, Sinn macht das nicht, sollte aber auch nicht weniger unterhaltend sein, als Genossenkonterfeis mit Stalintorten.

Siehe auch
Welt Online 07.10.08



Tags: Allgemeines

5 responses so far ↓

  • 1 Lemke // Oct 13, 2008 at 6:31

    Ein Bericht von der Weltnetzseite der NPD Lübeck:

    Geburtstagstorte für Stalin!
    Lübecker Kreischef der Linkspartei feiert Stalins Geburtstag

    Wenn man die Programme und öffentlichen Aussagen führender Linkspartei-Politiker aus-wertet, könnte man übereile den Eindruck gewinnen, daß es sich bei dieser Organisation um eine fortschrittliche, demokratische Partei handelt, die ihre dunkle SED-Mauermördervergangenheit längst abgelegt hat. Ein Blick hinter die Kulissen verdeutlicht hingegen, daß die neue Linkspartei lediglich den Wolf im Schafspelz verkörpert. Verkrustete SED-Strukturen, unzählige Stasi-Mitgliedschaften und eindeutige Bekenntnisse zum Sowjet-kommunismus sprechen eine andere Sprache!

    Die nachfolgenden Ereignisse um den Lübecker Kreischef und Geschäftsführer der Bürger-schaftsfraktion, Ragnar Lüttke, offenbaren das kranke Weltbild dieser Partei. Bereits im Jahre 2004 hatte Lüttke zusammen mit weiteren Genossen eine Geburtstagsfeier für den sowjeti-schen Massenmörder Josef Stalin ausgerichtet. Dabei fand Lüttke gefallen darin, sich hinter einem Stalin Bild ablichten zu lassen und gemeinsam mit seinen Genossen eine Geburtstags-torte für den kommunistischen Verbrecher anzuschneiden. Daß es sich dabei um eine Satire handelte, wie Lüttke behauptet, ist kaum vorstellbar, zumal sogar ein unkommentierter Pro-pagandafilm gezeigt wurde.

    Politiker aller Bürgerschaftsparteien fordern nun Konsequenzen. Auch parteiintern gab es kritische Äußerungen und sogar eine Rücktrittsforderung wurde von eigenen Genossen ins Spiel gebracht, doch der gute Ragnar klebt weiterhin an seinem Posten.

    Wir Nationaldemokraten möchten uns dieser politischen Korrektheit nicht anschließen und fordern daher keinen Rücktritt. „Wir können uns bei Herrn Lüttke nur bedanken, endlich hat die SED-Nachfolgepartei dem Bürger in unserer Stadt auch öffentlich ihr wahres Gesicht ge-zeigt“, so NPD-Kreisvorsitzender Jörn Lemke.

    Doch vielleicht behält Ragnar Lüttke mit seiner Stellungnahme zu den Vorfällen doch recht und die Politik der Linkspartei in unserer Hansestadt wird zu einer gut inszenierte Realsatire.

  • 2 Germanium // Oct 14, 2008 at 9:31

    “Wenn Genossen sich das Streiten kriegen – Wie süß ist eigentlich Stalin als Torte? (12.10.08)”

    Wer ist eigentlich für diese Art BLÖD-Schlagzeilen verantwortlich?
    Bricht sich die Schriftleitung einen Zacken aus der Krone, wenn sie vor der Veröffentlichung eine Germanistin oder einfach einen der deutschen Sprache mächtigen Kameraden um Korrekturlesen bittet? Vom Sinn dieses Artikels einmal ganz zu schweigen.

  • 3 Judge // Oct 14, 2008 at 14:38

    Das ist doch nur krank

  • 4 Balder // Oct 15, 2008 at 17:14

    Eine Hitlertorte wäre hier natürlich beliebter…

  • 5 Gunvald Larsson // Oct 16, 2008 at 13:55

    “Eine Hitlertorte wäre hier natürlich beliebter…

    1. das, und
    2. hiess die Eva.

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