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Grimmen / Nordvorpommern: Am 23. Dezember berichteten wir über einen Besuch von etwa 15 Angehörigen der Grimmener und Stralsunder NPD in den Ausbildungswerkstätten in der Strohstraße 25. Anlaß war eine Veranstaltung der Civitas-Netzwerkstelle Nordvorpommern, die dort an zwei Tagen, dem 20. und dem 22. Dezember eine Art „Bürgerinformation“ gegen Rechtsextremismus vorstellte. Wie vor einigen Tagen bereits geschildert, machte die Civitas-Vertreterin Claudia Respondek auf das unvermutete Publikum nicht gerade den Eindruck, als verstünde sie viel von jener Materie, die sie dort vorstellte. So reagierte sie auf Fragen zum Thema mit dem Hinweis auf ihre Ehrenamtlichkeit und daß sich die Ausstellung in Wirklichkeit gar nicht direkt mit dem Rechtsextremismus befasse, sondern lediglich mit Demokratie und Toleranz in der Gesellschaft.
Letztere Behauptung wiederholte sie auch heute in der Grimmener OSTSEE-ZEITUNG, in der sie betonte, daß es bei ihrer Bürgerinfo weniger um die Erkennung oder Bekämpfung von Rechtsextremismus gehe, sondern um Förderung des Demokratie- und Toleranzprozesses in der Stadt. Darüber hinaus sagte sie: „Wie das funktioniert, wissen wir auch nicht, weil wir keine Experten auf dem Gebiet sind.“ Dies glauben wir unbesehen, vielleicht liegt es ja nur an mangelnden Expertisen, daß man bei Aufklärungsprojekten wie diesen immer nur ein und dieselbe Spielart des politischen Extremismus im Blickwinkel hat, während man über alle anderen mit seltsamer Gleichgültigkeit hinweggeht.
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| NPD-Besuch bei Civitas-“Bürgerinfo” in Grimmen. Rechts im Bild Claudia Respondek. |
Respondeks verbale Ausweichmanöver gegenüber den Nationaldemokraten erstaunen umso mehr, da sie immerhin sogar am selben Tag in der Lokalpresse lesen stand, daß sie von 10 bis 16 Uhr Auskünfte interessierten Bürgern Informationen zum Demokratie- und Toleranzprozeß in Grimmen zukommen lassen würden. Auch läßt besagter Artikel vom 22. Dezember keinen Zweifel daran offen, daß Respondeks Behauptung, daß es mit dem Rechtsextremismus ja nicht so gemeint sei, jeglicher Grundlage entbehrt. So liest man dort über ihrer Netzwerkstelle:
„…Die Civitas Netzwerkstelle Nordvorpommern ist eine von insgesamt 25 Netzwerkstellen, die durch das Bundesmodellprogramm Civitas seit April 2002 in den neuen Bundesländern gefördert werden. Civitas ist eine Initiative gegen Rechtsextremismus. Das Programm der Organisation ist Teil des Aktionsprogramms der Bundesregierung „Jugend für Toleranz und Demokratie – gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus“. Ziel ist die Aufklärung und Beratung zu Rechtextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus in Schulen, Jugendgruppen und Gemeinwesen. …“
Deutlicher läßt sich diese Art von Demokratie und Toleranz wohl kaum in Worte fassen. Auf geradezu skurrile Art und Weise versucht man nunmehr in der OSTSEE-ZEITUNG so zu tun, als hätte die NPD Respondeks „Bürgerinfo“ regelrecht überfallen. So kann man in dem Blatt lesen:
„…Gegen Mittag, als Claudia Respondek alleine war, seien die NPD-Anhänger in die Strohstraße gekommen. Auch Drohungen seien der 28-Jährigen gegenüber ausgesprochen worden: „Richtet euch darauf ein, es werden immer mehr!“ (Anm. d. Red. Es werden immer mehr Rechte). Oder: „Wenn wir wollten, könnten wir den Raum hier auseinander nehmen. Wir tun es aber nicht.“ Die Rechten hätten auch Informationsmaterial mitgehen lassen“
Dass es solche Reaktionen geben würde, damit haben beide Mitarbeiterin der Civitas bereits im Vorfeld gerechnet. Die Rechten hätten sich Grimmen ganz bewusst ausgesucht, sind sie überzeugt. „Weil sie hier keine Gegenwehr spüren“, meint Claudia Respondek. Ihrer Meinung nach positioniere sich die Stadt einfach nicht offen genug gegen Rechts. Sie nimmt zwar an Projekten teil. In Grimmen müsse aber mehr passieren. …“
Erstaunlich daß man sich bei soviel Sehergabe, nicht darauf vorbereiten konnte, der politischen Konkurrenz Rede und Antwort zu stehen. Oder kam der Besuch vielleicht zu überraschend, so daß man die Veranstaltung nicht mehr in eine Privatveranstaltung umlügen konnte, wie man dies erst unlängst bei der Auftaktveranstaltung zur Aktionswoche für Demokratie und Toleranz in Ostvorpommern erleben konnte? Den Vogel schießt sich jedoch mit der Behauptung ab, daß „die Rechten … auch Informationsmaterial „mitgehen lassen“ hätten. Es ist uns neu, daß das die Mitnahme des in „Bürgerinfos“ wie diesen ausliegenden Infomaterials abmeldepflichtig ist. Oder sollte es so sein, daß Materialien wie diese nur einem bestimmten Bevölkerungsteil zugänglich sein sollen? Dann sollte man nicht versäumen, dies in der Tagespresse auch entsprechende bekannt zu machen. In etwa mit dem Hinweis, daß bei Vorstellungen wie diesen nur Publikum mit einer politisch korrekten Denkweise erwünscht sei und daß der Besuch von Personen, mit denen man politisch im Clinch liegt, unerwünscht sei. Das wäre wenigstens ehrlich.
Doch statt dessen heißt es in der Grimmener OSTSEE-ZEITUNG weiter: „
„…Die Rechten hätten versucht, die junge Frau einzuschüchtern, informiert sie weiter. „Eine konstruktive Diskussion war gar nicht möglich“, erklärte die 28-Jährige.“ Offenbar versteht Claudia Respondek in einer „konstruktiven Diskussion“ á la Civitas lediglich die unkritische Entgegennahme jeglicher politischen Unterstellung, ohne daß es gestattet sei, auf deren Unzulänglichkeiten hinzuweisen, bzw. sie gar gänzlich als bloßes Instrument zur Bekämpfung politischer Gegner zu entlarven. Bezeichnend für die Berichterstattung der OSTSEE-ZEITUNG ist es, daß hier einmal mehr nur eine Meinung vertreten wird, ohne daß man dabei auch nur ansatzweise auf den Gedanken gekommen wäre, sich auch einmal die Besuchsversion der Gegenseite anzuhören.
Statt dessen vernimmt man lediglich das klägliche Ablenkungsmanöver einer nicht mehr ganz so jungen Dame, die sich offenbar aus Geltungsbedürfnis einen ehrenamtlichen Posten zugelegt hat, dem sie offenbar nur dann gewachsen ist, wenn es sich bei ihrem Publikum um die übliche Antifa-Claque handelt, nicht aber bei ernsthafter Konfrontation mit dem wirklichen politischen Gegner. Wie es heißt, hofft Claudia Respondek nunmehr „trotz des einmal mehr unangenehmen Erlebnisses“, daß man in Grimmen auch weiterhin gegen Rechtsextremismus und für Aufklärungs- und Demokratieprozesse kämpfen wird. Nun, was den letzten Punkt betrifft, so glauben wir wohl sagen zu können, daß sie nicht die Einzige ist, die sich dafür einsetzt, daß es in der Stadt für Aufklärung und Demokratie gekämpft wird, doch könnte es schon sein, daß es vor Ort Zeitgenossen gibt, die diesbezüglich eine etwas andere Interpretation von diesen Dingen haben als sie. Doch besser man gewöhnt sich dran.
Siehe auch
Ostsee-Zeitung Grimmen 27.12.05
Ostsee-Zeitung Grimmen 22.12.05
Quelle: Störtebeker-Netz 27.12.05




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